Startseite Allgemeines Kate Winslet über „Goodbye June“, Regieambitionen – und warum „ehrgeizig“ für Frauen oft negativ klingt
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Kate Winslet über „Goodbye June“, Regieambitionen – und warum „ehrgeizig“ für Frauen oft negativ klingt

Riki32 (CC0), Pixabay
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Vor ihrem Regiedebüt mit Goodbye June hatte Oscarpreisträgerin Kate Winslet nie den Wunsch, selbst einen Film zu inszenieren. Doch dann brachte ihr 21-jähriger Sohn Joe Anders ihr ein Drehbuch – ursprünglich ein Uni-Projekt –, das nicht nur einen emotionalen Nerv traf, sondern auch Winslets kreative Richtung veränderte.

Der Weihnachtsfilm Goodbye June (ab 24. Dezember auf Netflix) erzählt die Geschichte einer krebskranken Mutter (gespielt von Helen Mirren), die ihre letzten Wochen im Krankenhaus verbringt – umgeben von Ehemann (Timothy Spall) und vier erwachsenen Kindern, mit denen sie noch viel aufzuarbeiten hat. Die Geschichte basiert teilweise auf dem Tod von Winslets eigener Mutter, Sally Bridges-Winslet, die 2017 im Alter von 71 Jahren an Eierstockkrebs starb.

„Es war unmöglich, mich vollständig von meinen eigenen Erfahrungen zu trennen“, sagt Winslet bei einem Tee-Termin in New York. „Es gab Momente, da dachte ich: Komm schon, Mum. Sag mir, dass es gut ist. Sag mir, dass ich das richtig mache.“

Vom Drehbuch des Sohnes zur eigenen Regie

Dass sie überhaupt Regie führte, verdankt sie dem Vertrauen in sich selbst – und dem Stoff.

„Ich bin nicht der Typ Mensch, der Dinge halbherzig macht“, betont Winslet. „Ich hätte es nicht gemacht, wenn ich mich nicht wirklich bereit gefühlt hätte. Und ich meine damit nicht nur ein tiefes Durchatmen – ich meine technisch bereit. Ich wollte wissen, wie man eine Szene visuell erzählt, wie man wirklich Regie führt.“

Der Film wurde in nur 35 Tagen gedreht. Toni Collette, Andrea Riseborough und Johnny Flynn stehen neben Winslet vor der Kamera. Besonders berührend fand Winslet die Szenen zwischen June und ihrem Mann Bernie – Gespräche, wie sie sie selbst nie zwischen ihren eigenen Eltern miterlebte.

„Ich hatte das Gefühl, etwas zu durchleben, das ich nie wirklich gesehen habe. Und das war ziemlich heftig.“

„Ehrgeizig“ – ein zweischneidiges Wort

Winslet äußert auch Kritik an der Art, wie über Frauen gesprochen wird, die Regie führen:

„Wenn ein Mann vom Schauspiel zur Regie wechselt, nennt man ihn ambitioniert – und das ist etwas Gutes. Aber bei Frauen klingt ‚ehrgeizig‘ sofort negativ. Es ist, als wäre es uns nicht erlaubt, große Träume zu haben oder uns neu zu erfinden.“

Neben Winslet feierten dieses Jahr auch Scarlett Johansson (Eleanor the Great) und Kristen Stewart (The Chronology of Water) ihr Regiedebüt.

Vorbereitung und Vorbilder

Winslet ließ sich von früheren Regisseur:innen inspirieren – darunter Stephen Daldry (Der Vorleser), Todd Field (Little Children), Jocelyn Moorhouse (The Dressmaker) und Jessica Hobbs (The Regime). Besonders schätzt sie deren Teamgeist und Präzision in der Vorbereitung.

Andrea Riseborough, mit der Winslet bereits zum dritten Mal zusammenarbeitete, erinnert sich daran, wie sie eine emotionale Szene zwei Monate vor Drehbeginn vor Ort probten:

„Sie ist eine unglaubliche Multitaskerin und Führungspersönlichkeit. Dass das ihr erster Film ist, glaubt man kaum.“

Ruhe im Chaos: Winslet als Krisenmanagerin

Trotz des engen Drehplans blieb Winslet ruhig:

„Wenn draußen plötzlich ein Sturm losbricht und wir eigentlich eine sechsseitige Szene im Park drehen wollten, sage ich: ‚Beruhigt euch alle. Wir trinken erst mal eine Tasse Tee und machen dann einen Plan.‘“

Diese Ruhe habe sie über Jahrzehnte im Filmbusiness gelernt – und wollte sie als Regisseurin weitergeben. Niemand am Set solle sich gestresst fühlen. Mitgefühl und Menschlichkeit seien entscheidend.

Familienbande und Lebensfreude

Heute fühlt sich Winslet mit 50 „unglaublich dankbar“ – für ihre Karriere, aber auch für ihren Lebensweg:

„Ich tanze einfach nach meiner eigenen Musik“, sagt sie mit einem Lächeln.

Sie erzählt, wie sie in England mit 50 Post über Rentenversicherungen erhielt:

„Ich habe zu meinem Mann gesagt: Wenn noch so ein Brief kommt, will ich ihn gar nicht sehen. Nicht weil ich Angst vor dem Alter habe – es ist einfach lächerlich, Menschen ständig an ihr Alter zu erinnern.“

Besonderen Lebensmut schöpft sie aus ihrem Vater, dem Schauspieler Roger Winslet (86):

„Ich frage ihn: ‚Wie geht’s dir?‘ Und er sagt: ‚Großartig, Baby. Ich bin bereit zum Leben!‘ Er lacht und singt jeden Tag – was will man mehr?“

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