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„Japans Demenzkrise spitzt sich zu – kann Hightech das Pflegesystem retten?“

Elf-Moondance (CC0), Pixabay
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Japan steht vor einer massiven gesellschaftlichen Herausforderung: Die Zahl der Menschen mit Demenz steigt rapide – und mit ihr die Zahl der Vermisstenfälle unter älteren Bürgern. Mehr als 18.000 Senioren mit Demenz verließen im vergangenen Jahr ihre Wohnungen und galten als vermisst. Fast 500 von ihnen wurden später tot aufgefunden. Laut Polizei hat sich die Zahl solcher Fälle seit 2012 verdoppelt.

Eine alternde Gesellschaft am Limit

Japan ist eines der am stärksten überalterten Länder der Welt: Fast 30 % der Bevölkerung sind 65 Jahre oder älter – nur Monaco hat einen höheren Anteil. Gleichzeitig schrumpft die Erwerbsbevölkerung, und die Einreisebedingungen für ausländische Pflegekräfte bleiben streng.

Diese Mischung verschärft die Pflegekrise drastisch. Das Gesundheitsministerium rechnet damit, dass die Kosten für Demenzpflege von derzeit neun Billionen Yen auf 14 Billionen Yen (90 Mrd. Dollar) im Jahr 2030 steigen werden. Die Regierung bezeichnet Demenz inzwischen als eine der dringendsten politischen Herausforderungen.

Technologie als Rettungsanker

In ihrer jüngsten Strategie setzt die japanische Regierung verstärkt auf technische Innovationen, um das Pflegesystem zu entlasten und Demenzpatienten besser zu schützen.

GPS-Sicherheitssysteme

Landesweit kommen immer häufiger GPS-basierte Hilfsmittel zum Einsatz:

  • Tragbare GPS-Tags, die Alarm schlagen, sobald sich eine Person aus einem festgelegten Bereich entfernt.

  • Echtzeit-Benachrichtigungen für Mitarbeiter in Convenience-Stores, um Betroffene schneller zu entdecken.

Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass vermisste Senioren oft innerhalb weniger Stunden gefunden werden können – ein entscheidender Fortschritt.

Früherkennung durch KI

Neben Sicherheit spielt auch die medizinische Früherkennung eine immer größere Rolle.

Das Unternehmen Fujitsu hat ein KI-gestütztes System namens aiGait entwickelt. Es analysiert Gangmuster und Körperhaltung, um frühe Anzeichen von Demenz zu erkennen – etwa schlurfende Schritte, verlangsamte Drehbewegungen oder Probleme beim Aufstehen.

Früherkennung ist entscheidend“, sagt Fujitsu-Sprecher Hidenori Fujiwara. KI-gestützte Bewegungsanalyse könne Ärzten helfen, schneller zu intervenieren und so die Lebensqualität der Betroffenen länger zu erhalten.

Roboter als Pflegekräfte der Zukunft?

Forscher der Waseda-Universität in Tokio arbeiten zudem an einem humanoiden Pflegeroboter namens AIREC. Der 150 Kilogramm schwere Roboter soll künftig alltägliche Aufgaben übernehmen:

  • Socken anziehen

  • Eier anbraten

  • Wäsche falten

Langfristig hoffen die Entwickler, dass AIREC auch komplexere Pflegetätigkeiten meistern kann – etwa den Wechsel von Inkontinenzmaterial oder die Vermeidung von Druckgeschwüren bei bettlägerigen Patienten.

Ein technologischer Weg aus der Krise?

Während Japan gegen die Folgen der Überalterung kämpft, wird klar: Ohne digitale Hilfe wird das Land die wachsende Zahl an Demenzpatienten kaum versorgen können. Ob GPS-Tracker, KI-Analysen oder Pflegeroboter – Technologie könnte zum entscheidenden Baustein werden, um Sicherheit, Diagnostik und Pflege in Zukunft zu gewährleisten.

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