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Italiens Fußball-Beben nach dem nächsten WM-Desaster – Verbandschef Gravina tritt zurück, auch Buffon wirft hin

RGY23 (CC0), Pixabay
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Jetzt ist eingetreten, was nach dem nächsten historischen Scheitern praktisch unvermeidbar war: Gabriele Gravina, Präsident des italienischen Fußballverbandes FIGC, hat nach dem erneuten Verpassen der Weltmeisterschaft seinen Rücktritt erklärt. Damit zieht der oberste Verbandsfunktionär die Konsequenzen aus einem Debakel, das Italien endgültig in eine beispiellose Krise gestürzt hat.

Denn man muss sich das einmal klarmachen: Der viermalige Weltmeister Italien verpasst zum dritten Mal in Folge eine Fußball-WM. So etwas hat es in dieser Form bei einem ehemaligen Titelträger bislang nicht gegeben.

Italien scheitert wieder – diesmal an Bosnien-Herzegowina

Am Dienstagabend verlor Italien das entscheidende Play-off-Finale gegen Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen mit 1:4. Damit ist endgültig klar: Nach Russland 2018 und Katar 2022 wird Italien auch bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko fehlen.

Für ein Land, das sich selbst immer noch als eine der großen Fußballnationen Europas begreift, ist das nichts anderes als ein sportpolitischer Offenbarungseid.

Gravina, inzwischen 72 Jahre alt und zugleich Erster Vizepräsident der UEFA, erklärte seinen Rücktritt nach einer Sitzung in der FIGC-Zentrale in Rom. Er war erst im Oktober 2018 angetreten – ironischerweise genau nach dem Rücktritt seines Vorgängers, der damals ebenfalls wegen eines WM-Desasters gehen musste.

Buffon zieht nach – „Wir haben unser Ziel nicht erreicht“

Doch damit nicht genug: Nur kurze Zeit später zog auch Gianluigi Buffon die Reißleine. Die italienische Torwart-Legende, Weltmeister von 2006 und zuletzt in enger Funktion rund um die Männer-Nationalmannschaft tätig, erklärte via Instagram ebenfalls seinen Rückzug.

Seine Begründung ist klar und bemerkenswert ehrlich:
„Das Hauptziel war, Italien zurück zur Weltmeisterschaft zu bringen. Und das ist uns nicht gelungen.“

Buffon sprach von einem „Akt der Verantwortung“. Das ist im Fußballgeschäft inzwischen fast schon eine Seltenheit.

Ein Titel – und danach nur noch Absturz

Man darf nicht vergessen: Unter Gravina gewann Italien immerhin noch die EM 2020 und besiegte damals England im Wembley-Stadion im Elfmeterschießen. Das war der letzte große Triumph – und möglicherweise auch die große Täuschung.

Denn seither zeigt sich immer deutlicher: Der italienische Fußball hat tiefere Probleme, die weit über einen Trainerwechsel oder ein verlorenes Play-off hinausgehen.

Gravina verantwortete sowohl die Verpflichtung von Luciano Spalletti als auch später die des aktuellen Trainers Gennaro Gattuso. Noch vor seinem Rücktritt hatte er Gattuso offenbar gebeten, trotz des WM-Scheiterns im Amt zu bleiben.

Ob das sinnvoll ist, darf man zumindest bezweifeln.

Neuer Verbandschef soll im Juni gewählt werden

Die FIGC teilte mit, dass am 22. Juni ein neuer Präsident gewählt werden soll. Als möglicher Favorit gilt Giovanni Malagò, der frühere Chef des italienischen Olympischen Komitees und zuletzt auch Präsident des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele Mailand-Cortina.

Klar ist: Wer diesen Posten übernimmt, erbt keinen normalen Verband – sondern eine Baustelle.

Nächster Schlag: Italien droht sogar Euro-2032-Blamage

Und als wäre das sportliche Debakel nicht genug, kommt nun noch der nächste Warnschuss aus der UEFA.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat unmissverständlich klargemacht, dass Italien sogar seine Rolle als Co-Gastgeber der Europameisterschaft 2032 verlieren könnte, wenn das Land seine marode Fußball-Infrastruktur nicht endlich modernisiert.

Italien soll das Turnier eigentlich gemeinsam mit der Türkei ausrichten. Doch viele Stadien gelten als veraltet, Sanierungen stocken seit Jahren, häufig wegen politischer und behördlicher Streitereien.

Bis Oktober muss Italien fünf Stadien benennen, die UEFA-tauglich sind.

Ceferins Warnung ist deutlich:
„Andernfalls wird das Turnier nicht in Italien gespielt.“

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen:
Dreimal in Folge die WM verpasst – und jetzt steht sogar die Heim-EM auf der Kippe.

Unser Fazit

Der Rücktritt von Gravina ist folgerichtig. Der Rückzug von Buffon ist konsequent. Aber beides löst das eigentliche Problem nicht.

Denn das Problem heißt nicht nur: falsche Entscheidungen.
Das Problem heißt: struktureller Niedergang.

Italien leidet nicht nur an sportlichem Versagen, sondern an einem Verbandssystem, das den Anschluss verloren hat – auf dem Platz, in den Stadien und offenbar auch in der strategischen Führung.

Und genau deshalb dürfte das in Italien erst der Anfang einer deutlich größeren Abrechnung sein.

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