In der israelischen Stadt Bnei Brak sind zwei Soldatinnen der israelischen Armee (IDF) von einer Gruppe ultraorthodoxer Männer verfolgt worden. Die Frauen mussten schließlich von der Polizei in Sicherheit gebracht werden. Nach Angaben der Behörden wurden mehr als 20 Personen festgenommen.
Videoaufnahmen zeigen, wie die beiden Soldatinnen durch Straßen mit umgestürzten Mülltonnen und herumliegendem Abfall laufen, während Polizisten einen Schutzring um sie bilden. Einsatzkräfte setzten Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben.
Berichten zufolge waren die Soldatinnen irrtümlich für Überbringerinnen von Einberufungsbescheiden gehalten worden. In Israel ist der Militärdienst für die meisten jüdischen Staatsbürger verpflichtend, ultraorthodoxe Männer waren jedoch jahrzehntelang davon befreit. Reformpläne zur Ausweitung der Wehrpflicht auf diese Bevölkerungsgruppe sorgen seit Monaten für heftige Spannungen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verurteilte den Vorfall als „inakzeptabel“. Es handle sich um eine „extreme Minderheit“, die nicht die gesamte ultraorthodoxe Gemeinschaft repräsentiere, schrieb er auf der Plattform X. Man werde keine Anarchie dulden und keine Angriffe auf Soldaten oder Sicherheitskräfte akzeptieren.
Auch führende religiöse Autoritäten distanzierten sich von den Ausschreitungen.
Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Einsatz 23 Personen festgenommen. Drei Beamte erlitten Verletzungen, mehrere Polizeifahrzeuge wurden beschädigt. Ein Streifenwagen wurde umgestürzt, ein Polizeimotorrad in Brand gesetzt.
Die beiden Soldatinnen befanden sich laut dem israelischen Sender Kan zu einem offiziellen Hausbesuch bei einem anderen Soldaten in der Stadt, als es zu der Konfrontation kam.
Der Streit um die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe hat sich im Zuge des Gaza-Kriegs weiter verschärft. Die Regierung berät derzeit über ein Gesetz, das auch ultraorthodoxe Männer, die nicht Vollzeit an religiösen Schulen (Jeschiwot) studieren, zum Militärdienst verpflichten würde.
Seit der Staatsgründung Israels 1948 waren Vollzeit-Religionsstudenten vom Wehrdienst ausgenommen. Diese Regelung wurde jedoch bereits vor mehr als einem Jahrzehnt vom Obersten Gericht als verfassungswidrig eingestuft. Übergangsregelungen liefen im vergangenen Jahr aus, wodurch die Regierung gezwungen ist, neue Einberufungen auch in dieser Bevölkerungsgruppe umzusetzen.
Die ultraorthodoxe Gemeinschaft macht inzwischen rund 14 Prozent der israelischen Bevölkerung aus – ihr Anteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mehr als verdoppelt.
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