Der Iran signalisiert erneut Gesprächsbereitschaft im Atomstreit mit den USA. Man sei offen für „Kompromisse“, heißt es aus Teheran – allerdings nur, wenn Washington im Gegenzug über eine Aufhebung der Sanktionen verhandle. Kommende Woche sollen in Genf Gespräche unter Vermittlung Omans stattfinden. Doch vieles deutet darauf hin, dass Teheran weniger an einer echten Einigung interessiert ist als an einem strategischen Spiel auf Zeit.
Vizeaußenminister Madschid Tacht-Rawanchi erklärte, nun liege „der Ball im Feld der Amerikaner“. Wenn die USA es ernst meinten, könne es ein Abkommen geben. Diese Wortwahl ist nicht neu. Seit Jahren verbindet Teheran Gesprächsangebote mit Vorbedingungen – während das eigene Atomprogramm stetig voranschreitet.
Die Kernfrage bleibt: Will der Iran tatsächlich eine Lösung – oder lediglich Sanktionserleichterungen, ohne sein strategisches Machtinstrument aufzugeben?
Die Positionen sind weiterhin fundamental verschieden. Teheran will ausschließlich über sein Atomprogramm und Sanktionen sprechen. Washington hingegen fordert auch Gespräche über das iranische Raketenprogramm und die Unterstützung bewaffneter Gruppen wie Hisbollah und Hamas. Genau hier liegt der Kern des Problems: Der Iran trennt künstlich, was geopolitisch zusammengehört.
Seit dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen 2018 hat Teheran die Urananreicherung massiv ausgeweitet. Nach israelisch-amerikanischen Angriffen im vergangenen Jahr erklärte US-Präsident Donald Trump, das iranische Atomprogramm sei „vollständig ausgelöscht“ worden. Tatsächlich jedoch bleiben Zweifel an der tatsächlichen Zerstörung zentraler Infrastruktur.
Gleichzeitig droht Teheran für den Fall eines Angriffs mit Vergeltung – auch gegen arabische Golfstaaten mit US-Stützpunkten. Diese Doppelstrategie aus Gesprächsbereitschaft und Eskalationsdrohung ist bekannt: Verhandeln, um Druck zu mindern – aufrüsten, um Verhandlungsmasse zu behalten.
Während Washington militärischen Druck erhöht und weitere Einheiten in die Region entsendet, nutzt Teheran jede diplomatische Bühne, um Zeit zu gewinnen und den Westen zu spalten.
Die angekündigte „Bereitschaft zu Kompromissen“ wirkt daher weniger wie ein Durchbruch – sondern wie die nächste Runde in einem langen geopolitischen Poker.
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