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Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow über Risiken beim Immobilien-Crowdinvestment „Am Nord-Ostsee-Kanal“

Tomasz_Mikolajczyk (CC0), Pixabay
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Redaktion:
Herr Iwanow, das Projekt „Am Nord-Ostsee-Kanal“ klingt auf den ersten Blick wie ein verlockendes Investment: 8,5 % Rendite pro Jahr, kurze Laufzeit, hohe Vermietungsquote. Ist das wirklich so sicher, wie es wirkt?

RA Michael Iwanow:
Die Zahlen klingen in der Tat beeindruckend – aber Anleger sollten sich davon nicht blenden lassen. Bei Schwarmfinanzierungen, wie sie hier angeboten werden, handelt es sich um Nachrangdarlehen oder vergleichbare Konstruktionen. Und das bedeutet im Klartext: Im Insolvenzfall stehen Anleger ganz hinten in der Schlange. Es besteht ein Totalverlustrisiko.

Redaktion:
Das wird im Risikohinweis auch genannt. Aber viele Privatanleger überlesen solche Hinweise. Wie groß schätzen Sie das Risiko ein?

Iwanow:
Man muss ganz nüchtern sagen: Es ist hoch. Besonders bei einer Laufzeit von 16 bis 28 Monaten hängt alles am erfolgreichen Abschluss des Projekts. Verzögerungen durch Bauprobleme, Genehmigungen, Kostensteigerungen oder ein schwächelnder Immobilienmarkt können schnell die Rückzahlung gefährden. Auch wenn 99 % Vermietung schön klingt – das schützt nicht vor wirtschaftlichen Problemen des Projektträgers.

Redaktion:
Der Projektentwickler verweist auf über 75 Mio. € abgewickeltes Projektvolumen. Gibt das nicht ein gewisses Maß an Sicherheit?

Iwanow:
Erfahrung ist immer gut, aber keine Garantie. Auch große Entwickler können scheitern – siehe Signa. Anleger sollten sich genau anschauen, wie viele Projekte der Entwickler tatsächlich erfolgreich abgeschlossen hat und wie er wirtschaftlich dasteht. Und vor allem: Wer haftet im Ernstfall? Meist ist das eine Projektgesellschaft mit sehr geringem Eigenkapital.

Redaktion:
Was bedeutet das konkret für Anlegerinnen und Anleger?

Iwanow:
Sie geben einem Unternehmen Geld in der Hoffnung, dass dieses pünktlich fertig baut, Mieterträge erzielt, verkauft oder refinanziert – und ihnen das eingesetzte Kapital samt Zinsen zurückzahlt. Sie selbst haben weder Einfluss noch echte Sicherheiten. Wer hier investiert, sollte sich fragen: Würde ich dieses Geld auch dann investieren, wenn ich es nie wiedersehe?

Redaktion:
Was raten Sie Anlegern, die dennoch investieren möchten?

Iwanow:
Diversifikation ist wichtig – wie die Werbung richtig sagt. Aber eben auch mit gesundem Menschenverstand. Nicht mehr als einen kleinen Teil des Gesamtvermögens investieren, auf die Rückzahlungsstruktur achten und unbedingt die Projektunterlagen genau lesen. Und ganz wichtig: keine Garantien erwarten, wo keine sind. Hohe Rendite bedeutet immer: hohes Risiko.

Redaktion:
Vielen Dank, Herr Iwanow, für Ihre ehrlichen und klaren Einschätzungen.

Iwanow:
Gerne. Ein informierter Anleger ist der beste Schutz gegen teure Enttäuschungen.

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