Redaktion: Herr Reime, Indemo wirbt mit Renditen von bis zu 15,1 % im Jahr bei Investitionen in spanische Wohnimmobilien. Wie bewerten Sie ein solches Angebot?
RA Jens Reime: Angebote mit zweistelligen Renditeversprechen sollte man immer mit einer gesunden Portion Skepsis betrachten. Eine Rendite von 15 % ist ambitioniert und liegt weit über dem, was seriöse Kapitalanlagen üblicherweise bieten. Das heißt nicht automatisch, dass das Angebot unseriös ist, aber man sollte genau hinschauen, wie diese Rendite zustande kommen soll und welche Risiken bestehen.
Redaktion: Laut Indemo ist die Plattform EU-reguliert und bietet bis zu 20.000 Euro Anlegerschutz. Ist das ein Sicherheitsnetz für Investoren?
RA Jens Reime: Die Regulierung durch die lettische Zentralbank und die Zulassung in verschiedenen EU-Ländern ist ein Pluspunkt. Auch der Anlegerschutz über die EU-Richtlinie 97/9/EG ist grundsätzlich positiv, aber man darf nicht vergessen: Er greift nur im Falle der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens und deckt maximal 90 % des Nettoverlusts, begrenzt auf 20.000 Euro. Das ist kein Ersatz für eine sorgfältige Prüfung des Investments.
Redaktion: Wie ist das konkrete Investitionsmodell zu bewerten? Es geht um „Discounted Debt“ in Spanien.
RA Jens Reime: Es handelt sich hier nicht um klassische Immobilienanlagen, sondern um Investitionen in notleidende Kredite beziehungsweise Forderungen, die mit Immobilien besichert sind. Der Erfolg solcher Investments hängt stark von der Eintreibbarkeit der Schulden und der Verwertung der Immobilien ab. Das ist mitunter langwierig, juristisch kompliziert und mit Unsicherheiten behaftet – gerade in einem ausländischen Rechtssystem.
Redaktion: Und was halten Sie von dem „Instant Cashback“ von 3 %, den Indemo anbietet?
RA Jens Reime: Solche Sofortboni können verlockend wirken, sind aber oft ein Mittel zur Neukundengewinnung. Anleger sollten sich fragen, wie sich das Unternehmen solche Zahlungen leisten kann und ob damit nicht auch ein gewisser Druck aufgebaut wird, schnell Kapital einzusammeln.
Redaktion: Was raten Sie potenziellen Anlegern?
RA Jens Reime: Wer in solche Modelle investieren will, sollte sich der Risiken bewusst sein, insbesondere was die rechtliche und wirtschaftliche Durchsetzbarkeit der Forderungen angeht. Auch die steuerlichen Aspekte einer solchen Investition im Ausland sollten nicht unterschätzt werden. Ich empfehle, unabhängigen rechtlichen und steuerlichen Rat einzuholen, bevor man investiert. Und: Nicht alles auf eine Karte setzen.
Redaktion: Vielen Dank, Herr Reime, für die Einschätzung.
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