diebewertung.de: Herr Reime, die Verbraucherzentralen melden über 1.000 Beschwerden über den Dienst Cvneed. Was steckt dahinter?
Jens Reime: Cvneed gibt sich als praktischer Online-Dienst zur Erstellung von Lebensläufen aus. In Wahrheit handelt es sich in vielen Fällen um eine klassische Abofalle. Nutzer glauben, eine kostenfreie Vorlage zu nutzen, und erhalten plötzlich Rechnungen – ohne sich bewusst für ein kostenpflichtiges Abo entschieden zu haben.
diebewertung.de: Was macht diesen Fall aus Ihrer Sicht besonders problematisch?
Reime: Zum einen wird mit versteckten oder gar fehlenden Preisangaben gearbeitet. Zum anderen nutzen viele Betroffene die Seite nicht einmal bewusst. Manche wurden durch Werbeanzeigen, Apps oder QR-Codes auf die Seite weitergeleitet. Teilweise wurden persönliche Daten durch sogenannte Autofill-Funktionen eingefügt – was dann offenbar als „Vertragsschluss“ gewertet wird. Das ist aus rechtlicher Sicht höchst fragwürdig.
diebewertung.de: Und dann flattern Mahnungen ins Haus?
Reime: Genau. Die Nutzer erhalten Rechnungen – oft über rund 30 Euro pro Monat – und wenn sie nicht zahlen, folgen Mahnungen und Inkassoschreiben. Auch Menschen, die die Seite nie wissentlich genutzt haben, werden zur Kasse gebeten. Besonders erschreckend: Selbst Rentner, die weder einen Lebenslauf brauchen noch den Dienst aktiv aufgerufen haben, berichten über Forderungsschreiben.
diebewertung.de: Was sollten Betroffene konkret tun?
Reime: Ganz wichtig: Nicht zahlen. Betroffene sollten den vermeintlichen Vertrag anfechten und gleichzeitig den Widerruf erklären. Zudem sollten sie der Forderung ausdrücklich widersprechen. Ich empfehle, Screenshots der Seite, des E-Mail-Verlaufs und gegebenenfalls den Browser-Verlauf zu sichern. Bei weiteren Schritten können Verbraucherzentralen oder Rechtsanwälte helfen.
diebewertung.de: Macht eine Strafanzeige Sinn?
Reime: In vielen Fällen ja. Wenn sich jemand bewusst auf eine irreführende Gestaltung stützt, um Geld zu kassieren, kann das unter bestimmten Umständen den Verdacht des Betrugs begründen. Es schadet also nicht, eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten, vor allem, wenn Inkassobüros Druck machen oder ältere Menschen betroffen sind.
diebewertung.de: Was raten Sie generell im Umgang mit Online-Diensten?
Reime: Vorsicht bei „kostenlosen“ Angeboten. Gerade wenn persönliche Daten abgefragt werden, sollte man genau hinsehen. QR-Codes oder Werbeanzeigen sollte man nur nutzen, wenn man der Quelle vertraut. Und ganz wichtig: Ein Abo muss klar erkennbar sein. Gibt es keine eindeutigen Hinweise auf Preis und Laufzeit, ist der Vertrag angreifbar.
diebewertung.de: Ihr Fazit?
Reime: Cvneed ist leider kein Einzelfall. Wir erleben immer häufiger, dass vermeintlich seriöse Angebote digitale Abo-Fallen verbergen. Wer betroffen ist, sollte seine Rechte kennen, nicht vorschnell zahlen – und notfalls rechtliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Tipp: Musterbriefe zum Widerspruch, Widerruf und zur Vertragsanfechtung finden Sie bei Ihrer Verbraucherzentrale. Dort erhalten Sie auch individuelle Unterstützung.
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