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Interview mit Finanzanalyst Philipp Nerb zur TGI AG und den Gefahren für Verbraucher

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Frage: Herr Nerb, Sie haben die TGI AG und deren Goldkaufprogramm analysiert. Können Sie uns die Grundidee kurz erläutern?

Philipp Nerb: Im Kern verspricht die TGI AG Kunden, physisches Gold zu kaufen. Allerdings wird dieses nicht sofort ausgeliefert, sondern erst nach einer Wartezeit von 36 Monaten. In der Zwischenzeit erhält der Kunde monatlich hohe „Rabatte“, die als eine Art Rückzahlung erscheinen. Finanziert werden soll das durch eine Goldmine in Guyana und eine Raffinerie in Ghana.

Frage: Klingt für Laien zunächst interessant – wo liegen die Probleme?

Philipp Nerb: Ganz klar in der fehlenden Transparenz. Es fehlen nachvollziehbare Nachweise über die tatsächliche Goldförderung, die Wirtschaftlichkeit der Mine oder die Qualität der Partnerunternehmen. Ich habe keinerlei belastbare Gutachten einsehen können. Trotzdem wirbt die TGI mit angeblich milliardenschweren Vorkommen und Sicherheiten. Das passt nicht zusammen.

Frage: Das Unternehmen verweist aber auf ein Gerichtsurteil aus Wien, bei dem die Eigentümer vom Vorwurf des Betrugs freigesprochen wurden. Ist das nicht ein Vertrauensbeweis?

Philipp Nerb: Nein, keineswegs. Das Gericht hat damals lediglich festgestellt, dass eine Mine existiert und entsprechende Lizenzen vorhanden sind. Über die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Modells wurde nicht geurteilt. Genau darum geht es aber für Anleger: Kann das Geschäftsmodell langfristig halten? Dafür fehlen die Beweise.

Frage: Sie sprechen von massiven Zweifeln. Wie äußert sich das?

Philipp Nerb: Zum einen gibt es keine schlüssigen Nachweise über die Förderung. Zum anderen verweigert die TGI im Gespräch jede weiterführende Transparenz und droht sogar mit rechtlichen Schritten, wenn man kritisch nachfragt. Ein solches Verhalten ist aus meiner Erfahrung kein Zeichen für Seriosität, sondern ein Warnsignal

Frage: Welche Rolle spielt die europäische Finanzmarktaufsicht in diesem Zusammenhang?

Philipp Nerb: Eine entscheidende. Wenn Aufsichtsbehörden Verbraucher vor einem Anbieter warnen, dann hat das immer einen Grund – nämlich, dass die Risiken erheblich sind und die Seriosität nicht nachgewiesen werden kann. Aus Verbrauchersicht sollte das allein schon ein K.-o.-Kriterium sein.

Frage: Was heißt das konkret für Anleger?

Philipp Nerb: Ganz einfach: Wer trotz klarer Warnungen der Aufsichtsbehörden Geld in ein solches Modell steckt, handelt hochriskant. Man gibt sein Kapital über Jahre aus der Hand, ohne Sicherheit, ob das versprochene Gold jemals kommt. Für mich ist das nicht rational erklärbar. Verbraucher sollten bei Warnungen der Behörden unbedingt die Finger davon lassen.

Frage: Ihr Fazit?

Philipp Nerb: Gold an sich ist ein wertvolles Asset. Aber: Mit einem intransparenten Anbieter ohne klare Nachweise und unter behördlicher Warnung macht man keine Geschäfte. Vertrauen ist in der Finanzwelt alles – und hier fehlt schlicht die Grundlage dafür.

👉 Dieses Interview stellt klar: Verbraucher sollten Angebote der TGI AG nicht als „sichere Geldanlage“ missverstehen. Warnungen von Aufsichtsbehörden sind ernst zu nehmen und bedeuten im Klartext: Finger weg.

 

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