Die US-Börsenaufsicht hat mal wieder etwas gefunden, das auf den ersten Blick aussieht wie ein beeindruckender Zufall – und auf den zweiten wie ein Fall für Sherlock Holmes mit Bloomberg-Terminal.
Kurz vor der zeitweisen Öffnung der Straße von Hormus wurden nämlich am 17. April zwischen 14.24 und 14.25 Uhr deutscher Zeit exakt 7.990 Brent-Futures verkauft. Also jene schicken Terminverträge, mit denen Profis darauf wetten, wohin der Ölpreis als Nächstes marschiert.
Und in diesem Fall lautete die Botschaft offenbar:
„Öl runter. Schnell. Sehr schnell.“
Eine Minute, 760 Millionen Dollar und offenbar Nerven aus Stahl
Laut Reuters hatte diese kleine, unauffällige Mini-Bewegung einen Gegenwert von rund 760 Millionen Dollar.
Nochmal zum Mitschreiben:
- eine Minute
- 7.990 Kontrakte
- 760 Millionen Dollar
- und natürlich zufällig genau auf fallende Ölpreise
Das war laut Bericht die größte Einzelbewegung des Tages.
Man könnte also sagen:
Da hat jemand entweder ein sensationelles Marktgespür… oder einen verdammt gut informierten Cousin.
Die Börse liebt Zufälle – vor allem die teuren
Besonders charmant ist der Zeitpunkt.
Denn kurz darauf kam die Nachricht, dass die Straße von Hormus zeitweise wieder geöffnet wird – also genau jene Nachricht, die den Ölpreis unter Druck setzen konnte.
Und plötzlich sieht diese Wette nicht mehr nach normalem Handel aus, sondern eher nach:
„Wer braucht schon Kristallkugel, wenn man offenbar WhatsApp aus dem Maschinenraum der Weltpolitik hat?“
Natürlich gilt wie immer:
Es ist bislang nur ein Verdacht.
Aber die letzten Monate waren an den Märkten offenbar ein kleines Festival des perfekten Timings.
Immer wieder gab es Transaktionen, bei denen man sich fragte:
- War das wirklich brillante Analyse?
- War das Zufall?
- Oder hat da jemand schon vor allen anderen gewusst, wann geopolitisch die Schranke hochgeht?
SEC dürfte jetzt mal genauer hinschauen
Die US-Börsenaufsicht dürfte sich jedenfalls denken:
„760 Millionen Dollar in einer Minute auf sinkende Ölpreise – klar, völlig normal, machen wir alle ständig zwischen Kaffee und Mittagessen.“
Denn wenn jemand kurz vor einer marktbewegenden Nachricht in dieser Größenordnung genau auf das richtige Szenario setzt, dann wird aus „spannender Trade“ schnell ein:
„Bitte einmal Kontoauszüge, Chatverläufe und Telefonlisten auf den Tisch.“
Fazit
Wieder einmal sorgt an den Finanzmärkten ein Trade für Stirnrunzeln.
Kurz vor einer entscheidenden Entwicklung im Nahen Osten wird in großem Stil auf fallende Ölpreise gesetzt – und zwar mit einem Volumen, bei dem selbst erfahrene Händler kurz den Bildschirm abwischen.
Ob hier ein Genie am Werk war, ein Prophet, ein Glückspilz oder jemand mit sehr exklusivem Informationszugang, wird nun wohl die Aufsicht klären müssen.
Oder, um es etwas einfacher zu sagen:
An der Börse gibt es kein Insiderwissen – nur Menschen mit erstaunlich gutem Timing und 760 Millionen Dollar Mut.
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