Der verheerende Hurrikan „Melissa“ hat am Dienstagabend den Südwesten Jamaikas erreicht – mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde. Das US-Hurrikanzentrum (NHC) stuft den Sturm in die höchste Kategorie 5 ein und bezeichnet ihn als einen der stärksten Hurrikane, die je im Atlantik gemessen wurden.
Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) handelt es sich um den schwersten Sturm, der Jamaika in diesem Jahrhundert getroffen hat. Das Rote Kreuz rechnet mit mindestens 1,5 Millionen direkt betroffenen Menschen – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 2,8 Millionen.
Regierung ruft Notstand aus – Flughäfen geschlossen
Premierminister Andrew Holness hatte die Bevölkerung bereits im Vorfeld eindringlich gewarnt: „Melissa wird Zerstörung bringen, wie wir sie seit Generationen nicht erlebt haben.“ Über 800 Notunterkünfte wurden geöffnet, der Flughafen von Kingston sowie zahlreiche Straßen mussten geschlossen werden.
Noch bevor der Sturm auf Land traf, kam es zu ersten Verwüstungen: Stromleitungen wurden durch umstürzende Bäume zerstört, rund 50.000 Haushalte sind ohne Strom. Laut Energieminister Daryl Vaz dauern die Reparaturen an. Das Militär hat Reservisten aktiviert, um bei Evakuierungen und Hilfseinsätzen zu unterstützen.
Katastrophale Sturzfluten befürchtet
Meteorologen warnen vor extremen Regenfällen, Erdrutschen und lebensgefährlichen Sturzfluten. „Kein Teil der Insel wird von Melissas zerstörerischer Kraft verschont bleiben“, sagte Evan Thompson, Direktor des jamaikanischen Wetterdienstes. Der britische Guardian zitierte ihn mit den Worten, der Sturm sei eine „tödliche Kombination aus rascher Intensivierung und quälend langsamer Bewegung“.
Bereits drei Menschen kamen ums Leben, als sie sich auf den Sturm vorbereiteten. Die Behörden befürchten, dass diese Zahl weiter steigen könnte.
Auch Kuba und Bahamas in Alarmbereitschaft
Nach seinem Landfall in Jamaika bewegt sich „Melissa“ langsam Richtung Kuba und soll am Mittwoch die Bahamas erreichen. Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte großangelegte Evakuierungen an: „Der Schutz unserer Bevölkerung hat oberste Priorität.“
Klimakrise verschärft Extremwetter
Experten betonen, dass sich einzelne Stürme nicht direkt auf den Klimawandel zurückführen lassen. Doch laut dem Weltklimarat (IPCC) nimmt durch die Erderwärmung die Häufigkeit und Intensität solcher Extremwetterereignisse deutlich zu.
Die Hurrikansaison im Atlantik dauert noch bis Ende November. „Melissa“ dürfte als Mahnung in Erinnerung bleiben, wie verletzlich selbst gut vorbereitete Inselstaaten gegenüber den Folgen der Klimakrise sind.
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