Noch vor einem Jahr stand Hope Walz, Tochter des Gouverneurs von Minnesota, auf der großen politischen Bühne: Als ihr Vater Tim Walz an der Seite von Kamala Harris für die Demokraten ins Rennen ums Weiße Haus ging, war sie Teil des Wahlkampfteams – jung, charismatisch, volksnah. Doch nach der Niederlage gegen Donald Trump und J.D. Vance verschwand sie zunächst aus den Schlagzeilen.
Heute ist sie zurück – auf TikTok.
Mit inzwischen rund 650.000 Followern gehört die 24-Jährige zu den bekanntesten politischen Stimmen der Generation Z. Sie spricht über Popkultur und Politik, über Tattoos, über Mieten und über Mental Health. Ihr Ziel: jungen Frauen das Gefühl zu geben, dass Politik kein Elite-Thema ist, sondern ihr Alltag.
Von der Vizepräsidententochter zur Stimme einer Generation
Im Oktober 2024 trat Hope Walz gemeinsam mit ihrem Vater beim „Twin Cities Marathon“ in Minneapolis an – ein symbolischer Neuanfang nach der Wahlniederlage. Die beiden lächelten in die Kameras, ein Bild der Normalität nach einem turbulenten Jahr.
„Die Wahl ist gelaufen, und wir können sie nicht rückgängig machen. Alles, was wir tun können, ist weitermachen“, sagte Walz gegenüber USA Today.
Während ihr Vater in der Politik blieb und kürzlich seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Gouverneur ankündigte, ging Hope eigene Wege. Sie zog nach Montana, arbeitet in einem Obdachlosenheim und im Winter zusätzlich im Skigebiet – und nutzt ihre Freizeit, um jungen Menschen politische Themen auf Augenhöhe zu erklären.
Politik auf TikTok – aber ohne Parteiphrasen
Ihre Videos wirken ungekünstelt: Hope sitzt auf der Couch, manchmal mit einem Kaffee, manchmal mit ihrem Hund, und spricht über Themen, die sie bewegen – von steigenden Lebenshaltungskosten bis zu Abtreibungsrechten.
Dabei nutzt sie bewusst einen lockeren, humorvollen Ton. „Ich bin keine Politikerin, ich bin einfach eine 24-Jährige, die sich Sorgen macht“, sagt sie.
Manchmal wird sie deutlich: So bezeichnete sie Fox News als „langweilig“ und sagte in einem viralen Clip, das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus sei „mitschuldig am Regierungsstillstand“.
Doch ihre Stärke liegt nicht im Angriff, sondern in der Nahbarkeit. „Viele junge Menschen fühlen sich von der Politik ausgeschlossen“, erklärt sie. „Ich will zeigen, dass wir alle dazugehören.“
Ein neuer Kommunikationsstil für die Demokraten
Politikwissenschaftlerin Courtney Juelich von der Universität Wisconsin-Stout beschreibt Walz’ Wirkung so: „Sie verkörpert das, was früher die Frage war: ‘Mit wem würdest du lieber ein Bier trinken?’ – sie ist das Mädchen von nebenan, aber mit Haltung.“
Während die Republikaner mit Influencern wie Candace Owens oder Tucker Carlson ein Millionenpublikum mobilisieren, versuchen die Demokraten noch, die Sprache der sozialen Medien glaubwürdig zu sprechen. Walz’ Videos gelten dabei als Testlauf für eine neue, emotionale Ansprache.
„Ihre Art ist nicht belehrend, sondern verbindend“, sagt Wellness-Influencerin Kate Glavan, selbst Demokratin. „Sie redet nicht in Theorien, sondern so, dass man sie versteht.“
„Ich will zeigen, dass wir normale Menschen sind“
Hope Walz wuchs in Mankato, einer Kleinstadt im Süden Minnesotas, auf. Schon als Teenager stand sie mit ihrem Vater auf Wahlveranstaltungen, drehte Videos zur Verkehrssicherheit und lief auf der Staatsmesse neben Maskottchen und Kamerateams her.
Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 wurde sie zur inoffiziellen „Influencerin der Harris-Kampagne“: mit Camouflage-Caps und limettengrünen Nägeln („Brat“ – inspiriert vom Charli-XCX-Album). Auf TikTok zeigte sie den Wahlkampf aus der Sicht einer Tochter – mit einem Augenzwinkern.
Doch nach der Niederlage kam die Ernüchterung.
„Ich glaube, viele junge Leute dachten: Es ändert sich sowieso nichts. Aber das ist gefährlich“, sagt Walz. „Gerade jetzt brauchen wir Stimmen, die laut bleiben – und ehrlich.“
Ein normales Leben – mit politischem Anspruch
Heute teilt sie sich eine Wohnung mit zwei Mitbewohnerinnen in Bozeman. „Sie sind super – aber das Bad teilen ist schrecklich“, sagt sie lachend.
Sie sammelt Spenden für Mädchenbildungsprogramme („Girls on the Run“) und engagiert sich in lokalen Initiativen. Ihr Vater nennt sie scherzhaft „meine beste Wahlhelferin außerhalb des Capitols“.
Ob sie selbst einmal in die Politik gehen will?
„Ich weiß es nicht“, sagt Hope Walz. „Vielleicht helfe ich einem Kandidaten in Arizona. Vielleicht bleibe ich hier. Aber eins ist sicher: Ich gehe nicht zurück – weder nach 2024 noch in die Vergangenheit.“
Eine neue politische Generation
Für viele Demokraten ist Hope Walz mehr als nur die Tochter eines Gouverneurs – sie ist Symbol einer neuen Art von politischem Engagement: authentisch, digital und unideologisch.
Ihre Mischung aus Alltag und Aktivismus könnte genau das sein, was die Partei braucht, um junge Wählerinnen zurückzugewinnen.
Oder, wie sie es selbst formuliert:
„Ich will nicht, dass man mich als Politikerin sieht. Ich will, dass man mich als jemanden sieht, der einfach genug hat – und trotzdem noch glaubt, dass Veränderung möglich ist.“
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