Ein Jahr nach seiner Freilassung aus einem russischen Gefängnis kämpft der ehemalige US-Marine Paul Whelan mit den Folgen seiner fast sechsjährigen Haftzeit – emotional, finanziell und sozial.
„Man fängt bei null an“, sagte Whelan gegenüber CNN. „Das Haus ist weg. Die Autos sind weg. Job weg. Keine Krankenversicherung.“
Rückkehr nach einem Albtraum
Whelan wurde 2018 in Moskau unter Spionagevorwürfen verhaftet, während er an einer Hochzeit teilnahm. Er bezeichnete seine Verhaftung in einem Hotel als „gewalttätig“ – eine Erfahrung, die bis heute posttraumatische Belastungsstörungen bei ihm auslöst, besonders in Hotelzimmern.
Zurück in Michigan fiel ihm das Eingewöhnen schwer – selbst alltägliche Dinge wie Autofahren oder Spaziergänge in Parks mussten neu erlernt werden. Sein geliebter Hund war während seiner Haftzeit gestorben.
Arbeitslosigkeit trotz Unschuld
Whelan versucht seit Monaten, einen neuen Job zu finden – ohne Erfolg. Obwohl seine Inhaftierung international als Unrecht anerkannt wurde, haben viele Unternehmen Vorbehalte gegenüber ehemals Inhaftierten.
„Die Leute verstehen das Thema ‘ungerechtfertigte Inhaftierung’ – aber es passt nicht in ihre Personalrichtlinien“, erklärte er.
Gesetzliche Lücken: Keine medizinische Hilfe, keine Entschädigung
Gemeinsam mit den demokratischen Kongressabgeordneten Debbie Dingell und Haley Stevens setzt sich Whelan für eine Gesetzesreform ein. Ziel: Eine Finanzierung medizinischer, psychologischer und rechtlicher Unterstützung für ehemalige politische Gefangene, wie sie im Levinson Act theoretisch vorgesehen ist – aber bisher nie umgesetzt wurde.
„Diese Menschen brauchen Ressourcen zur Verarbeitung ihres Traumas“, sagte Dingells Sprecherin Michaela Johnson. Entsprechende Gesetzesvorschläge seien in Arbeit.
Whelan betonte, er wolle mit Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio persönlich sprechen.
Bleibende Verbundenheit mit Ex-Mitgefangenen
Whelan hält Kontakt zu anderen ehemaligen Häftlingen, darunter der US-Journalist Evan Gershkovich. Einige seiner früheren Mitinsassen im Straflager IK-17 wurden inzwischen auf andere Einrichtungen verteilt. Das Lager selbst werde nun genutzt, um ukrainische Kriegsgefangene unterzubringen.
„Manche von ihnen haben berichtet, dass sie freigelassen werden können – wenn sie für Russland in der Ukraine kämpfen“, sagte Whelan.
Er beschreibt die Stimmung in russischen Gefängnissen als angespannt: zu wenig Personal, unzufriedene Wärter, schlechte Ernährung.
Fazit
Paul Whelans Rückkehr ins Leben nach der Haft ist ein Mahnmal für die Herausforderungen politischer Gefangener nach ihrer Freilassung. Trotz öffentlicher Anerkennung ihrer Unschuld bleiben sie oft rechtlich und sozial allein. Whelans Einsatz für Gesetzesreformen ist nicht nur persönlich motiviert – er kämpft für alle, die das gleiche Schicksal teilen.
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