Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) hat eine dringende Warnung an alle Pilzsammler ausgesprochen. In den vergangenen Wochen mussten mehrere Menschen mit schweren Pilzvergiftungen stationär behandelt werden. Wie die Klinik mitteilt, handelte es sich in den meisten Fällen um den grünen Knollenblätterpilz – eine der giftigsten Pilzarten der Welt.
Unsichtbare Gefahr beim Waldspaziergang
Der Knollenblätterpilz ist tückisch, weil er für ungeübte Augen leicht mit essbaren Arten wie dem Champignon oder dem Parasolpilz verwechselt werden kann. Optische Ähnlichkeiten führen dazu, dass er gerade von Laien oft übersehen oder falsch eingeordnet wird. Sein Gift, das sogenannte Amatoxin, ist extrem potent: Bereits ein halber Pilz kann für einen erwachsenen Menschen tödlich sein.
Späte Symptome – großes Risiko
Besonders gefährlich ist die lange Latenzzeit. Die ersten Symptome treten oft erst sechs bis zwölf Stunden nach dem Verzehr auf. Dann kommt es zunächst zu Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Viele Betroffene fühlen sich nach ein bis zwei Tagen scheinbar besser – doch in dieser Zeit zerstört das Gift unbemerkt Leberzellen. Spätestens dann setzen oft Gelbsucht, Blutgerinnungsstörungen und akutes Leberversagen ein. Ohne sofortige Behandlung kann der Verlauf tödlich enden. In manchen Fällen bleibt nur noch eine Lebertransplantation als letzte Rettung.
Mediziner: Apps sind keine Lebensversicherung
Die MHH und das Giftinformationszentrum-Nord warnen davor, sich beim Pilzesammeln auf Smartphone-Apps oder Internetbilder zu verlassen. Schon kleine Farb- oder Formunterschiede können dazu führen, dass gefährliche Pilze nicht erkannt werden. Selbst erfahrene Sammler können Fehler machen.
Stattdessen empfehlen die Experten:
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Teilnahme an Pilzbestimmungskursen
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Besuch geführter Pilzwanderungen mit geprüften Pilzsachverständigen
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Im Zweifel die Funde vor dem Verzehr von Experten kontrollieren lassen
Im Notfall schnell handeln
Wer den Verdacht hat, giftige Pilze gegessen zu haben, sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – auch wenn noch keine Symptome auftreten. Die Spezialisten raten, Reste der Pilze und Erbrochenes aufzubewahren, um eine schnelle Bestimmung zu ermöglichen. Jede Stunde zählt, um das Gift aus dem Körper zu bekommen und Folgeschäden zu verhindern.
Fazit der Fachleute: „Der Knollenblätterpilz sieht harmlos aus, kann aber tödlich enden. Wer Pilze sammelt, sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein – und im Zweifel lieber verzichten.“
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