Nach der knappen Wahlniederlage bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat CDU-Landeschef Manuel Hagel offenbar kurz darüber nachgedacht, das Handtuch zu werfen. Doch seine Partei reagierte sofort – und zwar mit der politischen Version von: „Bleib sitzen, wir sind noch nicht fertig mit dir.“
Hagel bot dem Landesvorstand seinen Rücktritt an, vermutlich in der Hoffnung, man würde wenigstens kurz darüber nachdenken. Stattdessen passierte das Gegenteil: Das Angebot wurde einstimmig abgelehnt – inklusive Standing Ovations.
Mit anderen Worten: Die CDU klatschte so lange, bis Hagel begriff, dass er gefälligst weiter machen soll.
CDU-Generalsekretär Tobias Vogt erklärte anschließend staatsmännisch, Führung bedeute auch Verantwortung. Übersetzt aus dem Parteideutsch heißt das ungefähr: „Du hast verloren, also bleibst du jetzt auch und räumst auf.“
Wahl mit Fotofinish
Bei der Landtagswahl landeten die Grünen mit 30,2 Prozent knapp vor der CDU mit 29,7 Prozent. Im Landtag ergibt sich allerdings eine kuriose Situation: Beide Parteien kommen auf jeweils 56 Sitze.
Das Ergebnis ist also politisch ungefähr so klar wie ein Elfmeterschießen im Nebel.
Die SPD rutschte derweil auf 5,5 Prozent ab und schaffte den Einzug in den Landtag nur noch mit Mühe. Kurz gesagt: Für eine stabile Regierung gibt es im Moment praktisch nur eine Option – die Fortsetzung der Koalition aus Grünen und CDU.
CDU träumt von geteilter Macht
In der Union kursierten nach der Wahl bereits kreative Ideen. Manche schlugen vor, den Posten des Ministerpräsidenten einfach zwischen Grünen und CDU aufzuteilen – sozusagen ein politisches Schichtsystem.
Der wahrscheinliche Wahlsieger Cem Özdemir zeigte sich davon allerdings wenig begeistert. Er stellte klar, dass die Grünen den Regierungsanspruch erheben und die Vorschläge der CDU eher in die Kategorie politische Fantasieübungen fallen.
Für Manuel Hagel bedeutet das:
Rücktritt abgelehnt, Applaus kassiert – und jetzt darf er die kommenden Koalitionsgespräche führen.
Oder anders gesagt: Der Mann wollte gehen. Die Partei sagte: Jetzt erst recht.
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