Der verheerende Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen, hätte nach Einschätzung von Experten verhindert werden können. Das geht aus einem Gutachten hervor, das vom Stadtrat in Auftrag gegeben wurde und nun dem MDR vorliegt.
Unzureichendes Sicherheitskonzept
Dem Gutachten zufolge war das Sicherheitskonzept des Weihnachtsmarkts in mehreren Punkten mangelhaft und entsprach nicht den aktuellen Standards. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die Zufahrten zum Marktgelände nicht ausreichend gesichert waren. Anstelle moderner Schutzsysteme, wie etwa versenkbarer Poller oder mobile Hochsicherheitsbarrieren, waren die Zufahrten weitgehend offen. Lediglich Betonquader dienten teilweise als Sperren – eine Technik, die nach Auffassung der Gutachter seit Jahren als überholt gilt.
Fehlender Alarm- und Notfallplan
Neben den baulichen Defiziten kritisieren die Experten auch organisatorische Versäumnisse. Ein klar strukturierter Alarm- und Notfallplan habe gefehlt. Dadurch sei die Reaktionszeit im Ernstfall verlängert worden, was das Ausmaß der Katastrophe zusätzlich verschärfte. Laut Gutachten hätte ein durchdachtes Evakuierungskonzept Menschenleben retten können.
Politische und gesellschaftliche Folgen
Das Gutachten wirft nun drängende Fragen auf: Hätte die Stadt angesichts bestehender Standards im Bereich Veranstaltungssicherheit mehr tun müssen, um Besucherinnen und Besucher zu schützen? Kritiker bemängeln, dass trotz zahlreicher Warnungen vor Anschlagsgefahren auf Großveranstaltungen vielerorts veraltete Schutzmaßnahmen eingesetzt werden.
Ausblick
Der Magdeburger Stadtrat will die Ergebnisse des Gutachtens in einer Sondersitzung beraten. Dabei könnte auch die persönliche Verantwortung von Verantwortlichen in Verwaltung und Sicherheitsbehörden diskutiert werden. Zudem ist zu erwarten, dass die Empfehlungen der Gutachter – insbesondere der Einsatz moderner Schutztechnik und klarer Notfallpläne – bundesweit für Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen verbindlichere Standards nach sich ziehen.
Fest steht: Der Anschlag von Magdeburg wird über die Stadt hinaus Debatten darüber auslösen, wie sicher Weihnachtsmärkte und andere Großveranstaltungen in Deutschland tatsächlich sind.
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