Erneuerbare Energien stehen bei vielen Anlegerinnen und Anlegern hoch im Kurs. Windparks, Solarfelder, nachhaltige Infrastruktur – all das wirkt stabil, sinnvoll und „sicher“. Doch hinter dem grünen Image lauert ein Risiko, das viele unterschätzen: der mögliche Totalverlust, insbesondere wenn man in bestimmte Finanzierungsmodelle wie Anleihen oder Nachrangdarlehen investiert.
Einige Anbieter am Markt arbeiten nach dem Prinzip, dass Anleger einem Unternehmen Geld leihen – etwa in Form von Nachrangdarlehen –, das Unternehmen dieses Kapital dann nach eigenem Ermessen investiert. Die Anleger finanzieren damit nicht direkt Kraftwerke, sondern die allgemeine Geschäftstätigkeit des Unternehmens. Das bedeutet: Gerät das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten, stehen Anleger im Insolvenzfall meist ganz hinten in der Gläubigerkette. Folge: Das investierte Kapital kann vollständig verloren gehen.
Als Gegenentwurf dazu gibt es Anbieter – ein Beispiel dafür ist ein norddeutsches Finanzhaus –, bei denen die Anleger über Fonds tatsächlich Miteigentümer von Wind- und Solaranlagen werden. Die Vermögenswerte der Fonds sind rechtlich vom Unternehmen getrennt. Sollte das Unternehmen selbst Probleme bekommen, bleibt das Fondsvermögen grundsätzlich davon unberührt. Dieses Modell bietet ein deutlich höheres Sicherheitsniveau, weil es sich auf reale Sachwerte stützt.
Dieser Unterschied ist entscheidend und wird oft übersehen.
Während manche Unternehmensanleihen oder Nachrangdarlehen blind darauf vertrauen, dass das Management mit dem Geld schon „irgendetwas Gutes“ macht, bieten sachwertbasierte Fonds zumindest eine nachvollziehbare Grundlage: Erlöse entstehen aus echtem Stromverkauf, nicht aus der Hoffnung, dass ein Unternehmen floriert.
Doch auch hier gilt: Keine Anlage ist risikofrei. Wind- und Solaranlagen hängen von technischen, regulatorischen und energiewirtschaftlichen Faktoren ab. Schwankende Strompreise, schlechte Witterungsjahre, Finanzierungskosten oder technische Defekte können die Rendite erheblich beeinflussen.
Wichtig ist daher ein kritischer Blick auf:
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Wohin fließt das Geld tatsächlich?
In Kraftwerke – oder in die Bilanz eines Unternehmens? -
Existiert eine rechtliche Trennung zwischen Fondsvermögen und Anbieter?
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Wie solide ist die technische und kaufmännische Betriebsführung?
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Wie transparent sind Gebühren, Risiken und Prognosen?
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Welche Stresstests und Risikomanagementprozesse existieren?
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Wie abhängig ist die Rendite von einzelnen Personen oder politischen Rahmenbedingungen?
Viele Anleger lassen sich von „grünen“ Schlagworten und Renditeversprechen blenden – doch Nachhaltigkeit allein schützt nicht vor Verlusten. Kapitalanlagen im Bereich erneuerbarer Energien können sinnvoll und stabil sein, wenn sie sauber strukturiert sind und echte Sachwerte abbilden.
Wer jedoch in Anleihen oder Nachrangdarlehen investiert, die nicht unmittelbar Kraftwerke finanzieren, geht ein erheblich höheres Risiko ein – eben bis hin zum Totalverlust.
Fazit:
Grüne Geldanlagen können eine starke Rolle im Portfolio spielen, aber nur, wenn Anleger genau prüfen, wie das Produkt funktioniert. Nicht die Farbe der Broschüre zählt, sondern die Struktur der Finanzierung. Wer das ignoriert, riskiert, statt in Sonne und Wind in ein finanzielles Sturmgebiet zu investieren.
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