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Großbritannien überschüttete Trump mit allem Pomp – was bekam es dafür zurück?

Maklay62 (CC0), Pixabay
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London –
In seiner Rede beim Staatsbankett nannte Donald Trump die Verbindung zwischen den USA und Großbritannien „unzerbrechlich“. Doch die britische Regierung fürchtete während der gesamten Staatsvisite, dass ein einziger Fehltritt die „special relationship“ – und mit ihr Keir Starmers Regierungszeit – zum Einsturz bringen könnte.

Trumps zweiter Staatsbesuch kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für Großbritanniens angeschlagenen Premier. Kurz vor Trumps Ankunft hatte Starmer den britischen Botschafter in Washington, Peter Mandelson, entlassen, nachdem sich seine Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nicht länger leugnen ließen. Dabei musste Starmer zugleich vermeiden, dass Mandelsons Entlassung Trumps eigene frühere Epstein-Verbindungen in den Fokus rückte. (Trump behauptet, die Freundschaft mit Epstein bereits Mitte der 2000er beendet zu haben.)

Nichts durfte Trumps Besuch gefährden.
Als Aktivisten ein Bild von Trump und Epstein auf Windsor Castle projizierten, wurden sie umgehend verhaftet. Der Präsident wurde konsequent vom britischen Volk ferngehalten, um Proteste nicht zu Gesicht zu bekommen. Sogar die Presse hielt sich auffällig zurück: Bei der Pressekonferenz mit Starmer wurde nur eine Frage zu Epstein gestellt – die dieser schnell umschiffte.

Wenn das Ziel war, Pannen zu vermeiden, wurde dieses immerhin erreicht. Doch nach Ende der Visite stellt sich die Frage: Was hat Großbritannien dafür eigentlich bekommen?


Wirtschaft: Milliarden-Deal oder politisches Theater?

Der wohl größte Erfolg aus britischer Sicht: ein angeblicher Investitionsdeal im Wert von 150 Milliarden Pfund (etwa 203 Milliarden USD) durch US-Firmen, der als „Tech Prosperity Deal“ vermarktet wird.

  • 31 Mrd. Pfund davon sollen von US-Tech-Giganten kommen, um Großbritanniens KI- und Tech-Infrastruktur auszubauen.

  • Der Großteil – 90 Mrd. Pfund – soll von der US-Investmentgesellschaft Blackstone über die nächsten zehn Jahre investiert werden.

  • Die britische Regierung spricht von 7.600 neuen Arbeitsplätzen.

Doch Experten bleiben skeptisch. Viele der Investitionen seien bereits zuvor angekündigt worden und würden nun strategisch gebündelt, um den Eindruck eines großen Durchbruchs zu erzeugen.

„Es bleiben große Fragezeichen, welche Zugeständnisse Großbritannien gemacht hat, um diese Tech-Partnerschaft zu sichern“, sagt Olivia O’Sullivan vom Thinktank Chatham House.

Nick Clegg, ehemaliger britischer Vizepremier und Ex-Politikchef von Meta, formulierte es noch schärfer:

„Wir sind technologisch ein Vasallenstaat. Dieser Deal ist nichts weiter als Silicon Valleys Resteessen.“


Energie: Atomkraft ja, Öl und Gas nein

Eine Einigung gab es immerhin bei der nuklearen Zusammenarbeit. Die USA und Großbritannien unterzeichneten ein Abkommen, um den gemeinsamen Bau von Atomkraftwerken zu erleichtern.

Allerdings warnte Nvidia-CEO Jensen Huang, ebenfalls Gast des Staatsbanketts, dass Großbritannien für moderne KI-Infrastruktur dringend mehr Energieversorgung brauche.

Trump nutzte die Gelegenheit, erneut gegen Großbritanniens Pläne zu wettern, keine neuen Öl- und Gasfelder zu erschließen – eine Haltung, die im Widerspruch zu Trumps energiepolitischer Agenda steht.


Handel: Zollsenkung – aber keine großen Zugeständnisse

Großbritannien kann immerhin sagen, dass es als erstes Land ein Post-Zoll-Handelsabkommen mit den USA geschlossen hat. Und Trumps 10 % Zoll auf britische Waren sind niedriger als jene gegenüber der EU.

Aber: 10 % sind immer noch 10 % – deutlich höher als die Zölle vor seiner Amtszeit. Zudem bleibt das Abkommen inhaltlich vage.

Die britische Stahlindustrie hatte gehofft, dass der aktuelle 25 % US-Zoll auf Stahl gestrichen wird. Doch dieser Wunsch wurde nicht erfüllt – ein herber Rückschlag, nachdem das drittgrößte britische Stahlwerk im August verstaatlicht werden musste.


Außenpolitik: Viel Diplomatie, wenig Substanz

Außenpolitisch blieb Starmer geschickt neutral, insbesondere bei heiklen Themen wie der geplanten Anerkennung Palästinas als Staat. Trump äußerte zwar Ablehnung, doch verzichtete auf harte Kritik.

Beim Thema Russland und Ukraine blieb Trump vage. Er sagte zwar, Putin habe ihn enttäuscht, doch er wolle erst Druck ausüben, wenn NATO-Länder aufhören, russisches Öl und Gas zu kaufen – eine bekannte Trump-Position.


Einfluss auf britische Innenpolitik: Der Trump-Effekt

Ein bleibender „Import“ aus den USA könnte jedoch Trumps Stil selbst sein: „Trumpismus“ in britischer Verpackung.

Nigel Farage, Chef der populistischen Reform UK, liegt laut Umfragen vor Starmer’s Labour-Partei. Sein Slogan: „Make Britain Great Again“. Inhaltlich fordert er massive Kürzungen beim Staat („DOGE-style“ cuts) und eine ultraharte Einwanderungspolitik.

Bei der Pressekonferenz sagte Trump in Richtung Starmer, er solle „das Militär einsetzen, um illegale Migration zu stoppen“ – ein Rat, der der britischen Rechten neue Munition liefern dürfte.


Fazit: Staatsbesuch ohne Skandal, aber mit fadem Beigeschmack

Starmer ist es gelungen, Skandale und Eskalationen zu vermeiden – ein diplomatischer Erfolg angesichts der Umstände. Doch wenn das Ziel war, Trumps „Anglophilie“ in greifbare Erfolge bei Handel oder Außenpolitik umzuwandeln, könnte sich Großbritannien schlecht bezahlt vorkommen.

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