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Gold zum Schleuderpreis? Wenn selbst Oliver Pocher kurz an den Goldesel glaubt

BrightPixelsStudio (CC0), Pixabay
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Es gibt Geschäftsmodelle, bei denen man sofort weiß:
Entweder hat hier jemand den Kapitalismus neu erfunden – oder den Taschenrechner beleidigt.

Die TGI AG aus Liechtenstein verspricht laut einem Bericht des KURIER aus Österreich nichts Geringeres als den feuchten Traum jedes Hobby-Anlegers: Gold kaufen, 36 Monate liegen lassen, jeden Monat 2 Prozent Rabatt kassieren und am Ende das Gold geliefert bekommen. Macht in der Summe: 72 Prozent günstiger.

Man könnte auch sagen:
Fort Knox für Sparfüchse.

Oliver Pocher fragt – und ganz Deutschland rechnet kurz falsch

Besonders glänzend wird die Sache durch ein Tiktok-Video, in dem Oliver Pocher mit TGI-Chef Helmut Kaltenegger plaudert.

Pocher erklärt dort sinngemäß:
50 Gramm Gold kosten aktuell rund 7.000 Euro.

Und dann fragt er nach dem TGI-Sonderangebot.

Antwort:
„Circa 2.000 Euro.“

An dieser Stelle dürften bundesweit mehrere Menschen gleichzeitig:

  • ihren Goldschmuck geprüft,
  • ihre Schwiegermutter angerufen
  • und spontan den Keller nach alten Münzen durchsucht haben.

Denn wer möchte nicht Gold zum Preis eines besseren Kaffeevollautomaten?

Die Formel klingt einfach: Kaufen, liegen lassen, Rabatt regnen lassen

Das Modell klingt ungefähr so:

  • Anleger kaufen Gold zum Tageskurs
  • Das Gold bleibt 36 Monate bei TGI liegen
  • Dafür gibt es jeden Monat 2 Prozent Rabatt cash aufs Konto
  • Am Ende wird das Gold ausgeliefert

Oder anders formuliert:

Man bekommt das Gold günstiger, das Geld zurück, die Ware später und vermutlich gute Laune sofort.

Wenn das so einfach wäre, hätte vermutlich inzwischen jede Sparkasse eine Goldmine im Keller.

400 Prozent Gewinn im Jahr – endlich eine Mine, die mehr kann als Bitcoin-Fans erzählen

Laut KURIER wird das Ganze mit einem besonders eleganten Rechenkunststück erklärt:

TGI kaufe bei einem Mining-Partner Gold im Wert von 5 Millionen Euro.
Dieser investiere dann in Goldabbauanlagen.
Geschürft werde angeblich 350 Tage im Jahr rund um die Uhr.
Pro Stunde: 50 Gramm Gold.
Am Ende: 420 Kilogramm Rohgold pro Jahr.

Und jetzt kommt der Teil, bei dem jeder normale Mensch kurz prüfen sollte, ob er versehentlich in einem Märchenbuch gelandet ist:

Aus diesen Aktivitäten sollen laut Modellrechnung am Ende 42 Millionen Euro Verkaufserlös entstehen. Nach Kosten blieben 20 Millionen Euro Gewinn.
TGI soll daran wiederum „maßgeblich“ beteiligt werden – und das Ganze münde in rund 400 Prozent Jahresgewinn beim Mining-Partner.

Kurz gesagt:

Andere suchen Gold. Hier scheint man zusätzlich noch den Stein der Weisen, Dagoberts Geldspeicher und ein Einhorn gefunden zu haben.

Die Bafin schaut hin – was meist kein Qualitätssiegel ist

In Deutschland sieht man solche Wundervermehrungen naturgemäß etwas nüchterner.

Die BaFin hat laut KURIER Anhaltspunkte dafür, dass TGI in Deutschland unter dem hübschen Titel „Goldverkauf mit Rabatt“ möglicherweise eine Vermögensanlage öffentlich anbietet.
Und wenn man Geld zeitweise überlässt, dafür monatliche Rückflüsse erhält und später Gold bekommt, dann könnte man auf die freche Idee kommen, dass das vielleicht doch ein bisschen mehr ist als bloßer Schmuckeinkauf.

Das Problem:
Dann könnte Prospektpflicht bestehen.

Und ein fehlender Prospekt ist in solchen Fällen ungefähr so vertrauensfördernd wie ein Fallschirm mit dem Hinweis:
„Wird sich schon entfalten.“

Kein Schneeballsystem? Natürlich nicht. Sagen sie zumindest.

Besonders beruhigend:
TGI weist laut KURIER den Vorwurf eines Schneeballsystems ausdrücklich zurück.

Das ist ungefähr so, als würde ein Mann im Leopardenanzug vor einem Kasino sagen:
„Nur weil ich laut ‚Alles auf Rot!‘ rufe, bin ich noch lange kein Glücksspieler.“

Fairerweise:
Ein Verdacht ist kein Beweis.
Und selbst das Unternehmen betont, dass selbst eine mögliche Verletzung der Prospektpflicht noch nichts über die Funktionsfähigkeit des Geschäftsmodells aussage.

Das stimmt juristisch.

Aber wirtschaftlich bleibt eben die Frage:

Wenn jemand 72 Prozent Rabatt auf Gold verspricht und das mit 400 Prozent Minengewinn im Jahr begründet – sollte man dann investieren oder lieber erst einmal den Taschenrechner entkalken?

Von Guyana nach Ghana – Gold kennt keine Grenzen, Probleme offenbar auch nicht

Laut KURIER stammt das Gold aktuell offenbar aus Afrika, konkret von Partnern bzw. Raffinerien in Ghana.

Frühere Modelle seien mit Guyana verbunden gewesen. Dort, so teilt das Unternehmen dem KURIER mit, sei ein früheres Geschäftsmodell im Zusammenhang mit Corona und einem Jahrhunderthochwasser gescheitert. Das frühere Strafverfahren gegen das Ehepaar Kaltenegger sei laut TGI mit einem rechtskräftigen Freispruch geendet.

Man muss anerkennen:
Dieses Geschäftsmodell hat internationales Flair.

Andere Anleger investieren in ETFs.
Hier reist das Kapital offenbar einmal quer über den Globus – mit Zwischenstopp in der Fantasieabteilung.

Fazit: Goldrausch trifft Rabattcoupon

Am Ende bleibt ein Angebot, das klingt wie aus einer Mischung aus:

  • Teleshopping um 2:30 Uhr,
  • Opernball-Networking,
  • TikTok-Finanzberatung
  • und einem Goldgräberroman mit Excel-Tabelle.

Natürlich gilt:
Nicht alles, was unglaublich klingt, ist automatisch falsch.

Aber ebenso gilt:
Wenn etwas zu gut klingt, um wahr zu sein, dann ist es oft entweder nicht wahr – oder sehr gut darin, so zu klingen.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe:

Während normale Menschen mühsam Zinsen vergleichen, Tagesgeldkonten prüfen und sich über 2,3 Prozent freuen, gibt es anderswo Modelle, bei denen man offenbar denkt:

Warum 2 Prozent im Jahr, wenn auch 2 Prozent im Monat gehen – plus Gold, plus Rabatt, plus Afrika, plus TikTok?

Man darf gespannt sein, was am Ende glänzt:

  • das Gold,
  • das Geschäftsmodell
  • oder nur die Stirn der Aufsichtsbehörden.

Quelle: KURIER (Österreich), Ausgabe vom 18.03.2026, Artikel „Dubiose Geschäfte mit Gold aus Afrika“

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