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Gelöschte Beiträge bringen demokratischen Kandidaten William Lawrence unter Druc

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Der demokratische Kongresskandidat William Lawrence gerät im US-Bundesstaat Michigan wegen zahlreicher früherer Äußerungen in sozialen Netzwerken unter Druck. Lawrence tritt im 7. Kongresswahlbezirk Michigans gegen den republikanischen Amtsinhaber Tom Barrett an. Der Wahlkreis gilt als einer der besonders umkämpften Bezirke bei den kommenden Kongresswahlen.

Inzwischen wurden Hunderte ältere Beiträge von Lawrence gelöscht. Die Posts stammen überwiegend aus der Zeit, bevor der heute 36-Jährige zu einem Kandidaten für das US-Repräsentantenhaus wurde. Damals war er vor allem als progressiver Aktivist bekannt und gehörte zu den Mitbegründern der Klimabewegung Sunrise Movement.

Die inzwischen entfernten Beiträge zeichnen ein deutlich radikaleres politisches Bild als jenes, das Lawrence heute im Wahlkampf vermitteln möchte.

In früheren Veröffentlichungen sprach er sich unter anderem für eine Gesellschaft ohne Polizei und Gefängnisse aus. Zudem unterstützte er Forderungen aus der „Defund the Police“-Bewegung. 2021 lobte er eine Aktivistengruppe aus Minneapolis und schrieb, deren Kampagne habe die Vereinigten Staaten einer Welt ohne Polizei und Gefängnisse nähergebracht.

Auch in der Energiepolitik vertrat Lawrence damals weitreichende Positionen. So forderte er 2022, Unternehmen aus dem Bereich fossiler Energieträger zwangsweise zu verstaatlichen, um deren Produktion zurückzufahren. Bereits zuvor hatte er gefordert, die Kohleindustrie in den Vereinigten Staaten durch politische Maßnahmen zu beenden.

Seine damaligen politischen Vorstellungen gingen jedoch weit über Klima- und Polizeipolitik hinaus.

Lawrence äußerte sich mehrfach kritisch über die traditionelle Kernfamilie. In einem Beitrag bezeichnete er das klassische Familienmodell als isolierend und individualistisch und stellte gemeinschaftliche Wohn- und Lebensformen als Alternative dar. In einem weiteren Post argumentierte er, die traditionelle Familie trage zur Konzentration von Vermögen und Erbschaften bei.

Auch offene Grenzen beziehungsweise eine weitgehend freie Migration gehörten zu seinen damaligen Vorstellungen. Lawrence schrieb 2021, man solle sich eine Welt vorstellen, in der Menschen frei und ohne größere Einschränkungen von einem Ort zum anderen ziehen könnten.

Darüber hinaus forderte er grundlegende Veränderungen der politischen Ordnung der Vereinigten Staaten. Unter anderem unterstützte er die Abschaffung des Senats und sprach sich für einen fundamentalen Umbau der amerikanischen Verfassung aus.

Besonders drastisch waren einige seiner Äußerungen gegenüber moderateren Demokraten.

Im Jahr 2020 griff Lawrence die damalige Kongressabgeordnete und heutige Senatorin Elissa Slotkin scharf an. Er erklärte damals, er schäme sich dafür, von ihr vertreten zu werden, und stellte ihre Haltung als Demokratin infrage. Anlass war Slotkins Reaktion auf den von Präsident Donald Trump angeordneten Angriff, bei dem der iranische General Qasem Soleimani getötet wurde.

Auch andere gemäßigte Mitglieder der Demokratischen Partei wurden Ziel seiner Kritik.

Nachdem die damalige demokratische Abgeordnete Abigail Spanberger nach der Wahl 2020 vor Parolen wie „Defund the Police“ und vor einer zu starken sozialistischen Ausrichtung der Partei gewarnt hatte, bezeichnete Lawrence ihre Kritik sinngemäß als Wutanfall. Demokraten, die den Kurs des linken Parteiflügels nicht akzeptieren wollten, könnten seiner damaligen Ansicht nach die Partei verlassen.

Während der Auseinandersetzungen über Präsident Joe Bidens Sozial- und Klimaprogramm „Build Back Better“ forderte Lawrence progressive Demokraten dazu auf, mit besonders großer Härte gegen konservativere Mitglieder der eigenen Partei vorzugehen, falls das Gesetzespaket scheitern sollte.

In einem weiteren Beitrag verwendete er eine grobe Beleidigung gegenüber politischen Gegnern innerhalb des demokratischen Lagers.

Lawrence stellte damals sogar grundsätzlich infrage, ob es für die Demokraten sinnvoll sei, möglichst große Mehrheiten zu erreichen, wenn dafür politische Überzeugungen aufgegeben werden müssten. Lieber solle die Partei seiner Ansicht nach in der Minderheit bleiben und für klare Positionen stehen, als zwar eine Mehrheit zu besitzen, aber nicht konsequent regieren zu können. Schließlich schrieb er sogar, es sei Zeit für einen innerparteilichen Bürgerkrieg bei den Demokraten.

Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch ein von Lawrence verfasster Text über den demokratischen Senator Joe Manchin.

Manchin hatte sich gegen Teile der Klimaagenda seiner eigenen Partei gestellt. Lawrence reagierte darauf im Dezember 2021 mit einem Liedtext, in dem er Manchin und dessen Generation in drastischer und beleidigender Weise angriff und sinngemäß schrieb, diese Generation solle möglichst bald verschwinden, damit die jüngere Generation endlich mit ihrer politischen Arbeit beginnen könne.

Heute versucht Lawrence, sich von zumindest einem Teil dieser Aussagen zu distanzieren.

Er erklärte inzwischen, manche seiner früheren Veröffentlichungen entsprächen nicht mehr seinen heutigen Überzeugungen. Insbesondere betonte er, dass er heute weder die Kürzung beziehungsweise Abschaffung der Polizeifinanzierung noch offene Grenzen unterstütze.

Auch seine früheren Äußerungen über Senatorin Slotkin bezeichnete er als bedauerlich.

Lawrence erklärte, wie viele Angehörige seiner Generation habe er über Jahre hinweg öffentlich im Internet über politische Ideen nachgedacht. Manche Dinge, die er damals veröffentlicht habe, sehe er heute anders.

An seiner grundsätzlichen Kritik an der politischen und wirtschaftlichen Machtverteilung in den Vereinigten Staaten hält er allerdings fest. Er sieht nach eigener Aussage weiterhin eine problematische Konzentration von Vermögen und politischem Einfluss und betrachtet sich nach wie vor als Kritiker des politischen Establishments.

Auch seine frühere Mitgliedschaft bei den Democratic Socialists of America spielt im Wahlkampf eine Rolle. Lawrence erklärte, seine Mitgliedschaft sei im Juli ausgelaufen.

Die alten Beiträge könnten für ihn dennoch zu einem ernsthaften politischen Problem werden.

Der 7. Kongresswahlbezirk in Michigan gehört zu den umkämpftesten Wahlkreisen des Landes. Donald Trump gewann den Bezirk bei der Präsidentschaftswahl 2024 mit einem Vorsprung von weniger als zwei Prozentpunkten. Zuvor war der Wahlkreis von der Demokratin Elissa Slotkin vertreten worden.

Lawrence muss deshalb nicht nur progressive Stammwähler überzeugen, sondern auch unabhängige und gemäßigte Wähler.

Gerade bei diesen Gruppen könnten frühere Forderungen nach einer Abschaffung von Polizei und Gefängnissen, nach offenen Grenzen, einer Verstaatlichung von Energieunternehmen oder grundlegenden Veränderungen des amerikanischen politischen Systems eine Belastung darstellen.

Lawrence ist zudem nicht der einzige progressive Kandidat, dessen frühere Aktivitäten in sozialen Netzwerken im aktuellen Wahlkampf wieder auftauchen.

Auch andere demokratische Kandidaten wurden in jüngster Zeit mit gelöschten Tweets, Videos oder früheren politischen Positionen konfrontiert. Dazu gehört der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed in Michigan, dessen frühere Unterstützung der „Defund the Police“-Bewegung ebenfalls Aufmerksamkeit ausgelöst hat.

Die frühere demokratische Senatsbewerberin Mallory McMorrow hatte Tausende ältere Tweets gelöscht. Im Bundesstaat Wisconsin gerieten ebenfalls gelöschte Beiträge einer demokratisch-sozialistischen Kandidatin zum Wahlkampfthema.

Für William Lawrence dürfte die entscheidende Frage deshalb sein, ob die Wähler seine Erklärung akzeptieren, dass die alten Beiträge nicht mehr seine heutigen politischen Positionen widerspiegeln.

Seine Gegner werden hingegen versuchen, genau diese Aussagen als Beleg dafür zu verwenden, dass hinter dem inzwischen gemäßigteren Auftreten des Kandidaten weiterhin deutlich weiter links stehende politische Überzeugungen stecken.

Damit könnte ein politisches Archiv aus längst vergangenen Internetjahren ausgerechnet in einem der knappsten Kongresswahlkreise der Vereinigten Staaten zu einem wichtigen Faktor werden.

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