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Geburtsrecht vor dem Supreme Court: Trump will US-Staatsbürgerschaft per Dekret beschneiden – mit Folgen für Millionen

TheDigitalArtist (CC0), Pixabay
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Donald Trump greift eines der grundlegendsten Prinzipien der Vereinigten Staaten an: das Geburtsortsprinzip. Vor dem Supreme Court wurde nun verhandelt, ob Kinder, die in den USA geboren werden, künftig nicht mehr automatisch US-Staatsbürger sein sollen – ein Angriff auf eine Rechtsauffassung, die seit 158 Jahren gilt.

Im Verfahren Trump v. Barbara geht es um Trumps Erlass aus dem Januar 2025, mit dem er die automatische Staatsbürgerschaft für in den USA geborene Kinder einschränken will. Brisant: Trump saß bei der Anhörung persönlich im Gerichtssaal – ein ungewöhnlicher Auftritt eines amtierenden Präsidenten. Ein Urteil wird im Sommer erwartet.

Die Rechtslage war bisher eigentlich klar: Seit 1868 garantiert der 14. Verfassungszusatz, dass jeder, der auf US-Boden geboren wird, automatisch US-Bürger ist – unabhängig davon, ob die Eltern US-Bürger, legal eingewanderte Ausländer oder Menschen ohne Aufenthaltsstatus sind.

Trump will genau dieses Prinzip kippen.

Bereits 2025 hatte sich der Supreme Court mit dem Fall befasst. Damals entschieden die Richter zwar, dass untere Gerichte ihre einstweiligen Blockaden von Trumps Erlass womöglich zu weit gefasst hatten. Ob Trumps Vorstoß selbst verfassungsgemäß ist, ließ das Gericht aber offen. Bemerkenswert: Schon in den damaligen Anhörungen zeigte offenbar keiner der Richter offene Unterstützung für die These der Regierung, Trumps Erlass sei mit der Verfassung vereinbar.

Die möglichen Folgen wären gewaltig.

Nach Berechnungen des Migration Policy Institute und des Population Research Institute der Penn State University würden bei einem Ende des Geburtsrechts jedes Jahr im Schnitt rund 255.000 in den USA geborene Kinder ohne Staatsbürgerschaft zur Welt kommen.

Das wäre nicht nur ein juristischer Einschnitt, sondern ein gesellschaftlicher Sprengsatz.

Denn laut den Schätzungen würde sich dadurch die Zahl der Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in den USA massiv erhöhen: um rund 2,7 Millionen bis 2045 und sogar 5,4 Millionen bis 2075. Übersetzt heißt das: Trump verkauft seinen Vorstoß als Lösung – und könnte damit erst eine neue Generation rechtlich entrechteter Menschen schaffen.

Schon heute leben laut Pew Research Center etwa 4,4 Millionen in den USA geborene Kinder unter 18 Jahren mit mindestens einem Elternteil ohne gesicherten Aufenthaltsstatus. Genau diese Familien wären besonders betroffen.

Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Zahlen, wie absurd die politische Inszenierung ist: Laut US-Zensus waren 2024 mehr als 25 Millionen im Ausland geborene Menschen in den USA bereits eingebürgerte Staatsbürger. Die USA sind seit Jahrzehnten ein Einwanderungsland – und genau dieses Fundament wird nun politisch angegriffen.

Auch die demografischen Daten sprechen eine klare Sprache: 2022 waren bereits 13,9 Prozent der US-Bevölkerung im Ausland geboren. 1970 waren es noch 4,7 Prozent. Besonders hohe Anteile ausländisch geborener Bewohner gibt es in Staaten wie Kalifornien, New York, New Jersey und Florida.

Mehr als die Hälfte der ausländisch geborenen Bevölkerung stammt aus Lateinamerika, knapp ein Drittel aus Asien.

International wäre ein Ende des Geburtsrechts ebenfalls ein harter Sonderweg – oder besser gesagt: ein Bruch mit einem Modell, das in weiten Teilen des amerikanischen Kontinents Standard ist. Laut Pew Research Center gibt es weltweit mindestens 32 Staaten, die ähnlich weitgehende Geburtsrechtsregeln haben wie die USA – die meisten davon in Nord-, Mittel- und Südamerika.

Die eigentliche politische Pointe ist jedoch eine andere:

Trump verkauft seinen Angriff auf das Geburtsrecht als Kampf gegen illegale Migration. Tatsächlich geht es um weit mehr – nämlich um die Frage, wer in Amerika überhaupt noch dazugehören darf.

Ein Prinzip, das seit dem 19. Jahrhundert galt, soll nun per politischem Kulturkampf zurechtgestutzt werden. Nicht, weil es verfassungsrechtlich plötzlich fragwürdig wäre. Sondern weil es sich hervorragend als Wahlkampfsymbol eignet.

Der Supreme Court entscheidet damit nicht nur über ein Dekret.
Er entscheidet über eine der zentralsten Fragen der amerikanischen Identität:

Ist die Staatsbürgerschaft in den USA ein Verfassungsrecht – oder künftig nur noch ein politisch verhandelbares Privileg?

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