Die Beziehungen zwischen Frankreich und den USA sind aktuell angespannt. Grund ist ein scharfer Brief des US-Botschafters in Paris, Jared Kushner, in dem er der französischen Regierung mangelndes Engagement im Kampf gegen Antisemitismus vorwarf. Das französische Außenministerium reagierte prompt und bestellte den Botschafter für heute ein.
Hintergrund der Vorwürfe
Kushner hatte sich in einem Schreiben direkt an Präsident Emmanuel Macron gewandt. Darin äußerte er seine tiefe Sorge über den „dramatischen Anstieg antisemitischer Vorfälle“ in Frankreich seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023. Er kritisierte, die Regierung reagiere zu schwach und lasse jüdische Gemeinden in Frankreich unzureichend geschützt zurück.
Seine Aussagen sorgten in Paris für erheblichen Unmut. Das französische Außenministerium erklärte, die Vorwürfe seien „inakzeptabel“ und stellten eine unangemessene Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes dar.
Reaktion Frankreichs
Ein Sprecher des Ministeriums betonte, dass die französischen Sicherheitsbehörden seit Oktober 2023 mit „allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ gegen antisemitische Straftaten vorgingen. Es gebe verstärkte Polizeipräsenz an Synagogen, jüdischen Schulen und Einrichtungen, zahlreiche Ermittlungen seien eingeleitet worden. Frankreich sehe sich als eines der Länder Europas, das am entschiedensten gegen jede Form von Antisemitismus auftrete.
Diplomatische Brisanz
Das Einbestellen eines Botschafters ist im diplomatischen Protokoll ein deutliches Signal der Verärgerung. Es verdeutlicht, dass Frankreich die Kritik aus Washington nicht nur als unfreundlich, sondern auch als Überschreitung diplomatischer Grenzen versteht. Normalerweise gilt es als heikles Vorgehen, wenn ein Botschafter sich direkt an das Staatsoberhaupt des Gastlandes wendet.
Einordnung
Frankreich kämpft seit Jahren mit einem Anstieg antisemitischer Vorfälle, insbesondere nach politischen und militärischen Eskalationen im Nahen Osten. Gleichzeitig versteht sich Paris als klarer Verfechter der Religionsfreiheit und der Sicherheit jüdischer Bürger. Die Debatte verdeutlicht jedoch auch, wie sensibel die Thematik auf internationaler Ebene ist – und wie schnell sie das Verhältnis zwischen Verbündeten belasten kann.
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