Bei Fortuna Düsseldorf wird gespart. Jedenfalls klingt es so.
Und wie das bei Sparprogrammen eben ist, kommt irgendwann der Moment, in dem jemand eine Zahl auf den Tisch legt und sagt: „Seht her, günstiger!“
Im Fall von Finanzvorstand Michael Staade sind das laut „BILD“ 5.000 Euro im Monat plus Mehrwertsteuer.
Klingt erst einmal überschaubar.
Fast schon nach Sonderangebot.
Nur hat diese Sache einen kleinen Haken: Staade arbeitet dem Bericht zufolge gerade einmal zwei Tage pro Woche für Fortuna.
Und plötzlich wird aus dem Schnäppchen eine dieser Rechnungen, bei denen man lieber noch einmal den Taschenrechner holt.
Der Zwei-Tage-Finanzvorstand
Staade ist seit Mitte Juni als „nicht hauptamtlicher“ Finanzvorstand tätig.
Das ist eine schöne Formulierung.
Nicht hauptamtlich klingt nach: macht er so nebenbei.
Fast ein bisschen wie Kassenwart beim Kleingartenverein.
Tatsächlich soll er laut „BILD“ an zwei Tagen pro Woche für Fortuna arbeiten und dafür monatlich 5.000 Euro plus Mehrwertsteuer berechnen.
Auf eine Vollzeitstelle hochgerechnet wären das rund 12.500 Euro.
Sein Vorgänger Arnd Hovemann soll angeboten haben, für 15.000 Euro im Monat weiterzumachen.
Allerdings Vollzeit.
Mit Jahresabschluss.
Mit Umstrukturierung.
Mit Einarbeitung des Nachfolgers.
Und mit weiteren Aufgaben.
Mit anderen Worten: Fortuna hat offenbar nicht einfach einen günstigeren Finanzchef bekommen.
Sondern einen günstigeren Finanzchef, weil der eben auch deutlich weniger da ist.
Das ist ungefähr so, als würde man sagen: „Unser Taxi war heute besonders billig.“
Und dann ergänzen: „Es ist allerdings nur bis zur Hälfte der Strecke gefahren.“
Sparen durch Abwesenheit – genial oder gewöhnungsbedürftig?
Natürlich kann man Personalkosten drücken, wenn man Stellen nur noch teilweise besetzt.
Das ist keine Magie.
Das ist Dreisatz.
Und Dreisatz war schon in der Schule meistens dann besonders schön, wenn man vorher wusste, welches Ergebnis herauskommen sollte.
Interessant wird es nur, wenn die fehlende Arbeitszeit später an anderer Stelle wieder auftaucht.
Nach Darstellung der Zeitung hatte Hovemann etwa auch administrative Aufgaben bei Spielertransfers übernommen.
Staade offenbar nicht.
Diese Arbeit soll zunächst bei Samir Arabi gelandet sein, später habe zusätzlich eine Honorarkraft unterstützt.
Und da sitzt man dann irgendwann vor der angeblichen Ersparnis und fragt sich:
Ist das jetzt wirklich billiger?
Oder haben wir einfach die Kosten auf mehrere Leute verteilt, damit sie nicht mehr so auffallen?
Kündigung per Post: Auch eine Form von Distanz
Noch charmanter wird die Geschichte bei den Personalmaßnahmen.
Nach „BILD“-Informationen soll die Umstrukturierung zuletzt mit zwei weiteren betriebsbedingten Kündigungen abgeschlossen worden sein.
Eine betroffene Person habe die Nachricht nicht persönlich erhalten.
Sondern per Post.
Das ist natürlich konsequent.
Wenn der Finanzvorstand nur zwei Tage die Woche da ist, kann man sich schließlich nicht auch noch ständig persönlich mit Menschen beschäftigen.
Ein Briefkasten hat schließlich 24 Stunden geöffnet.
Man muss die Effizienz ja irgendwo anfangen.
Auch die Stadt durfte mitmachen
Staade soll laut Bericht zudem versucht haben, bei Zahlungen und Mietkosten weiter den Rotstift anzusetzen.
Unternehmen hätten künftig teilweise länger auf Raten warten sollen.
Bei der Stadt Düsseldorf soll er um eine weitere Mietreduzierung gebeten haben.
Ergebnis offenbar: eher überschaubar.
Sparen ist eben leicht, solange die andere Seite mitmacht.
Schwieriger wird es, wenn Vermieter, Geschäftspartner oder Mitarbeiter plötzlich sagen:
„Nö.“
Dann wird aus Finanzstrategie schnell eine Wunschliste.
Spar-Tipps mit Nebenwirkungen
Besonders interessant wird es beim ehemaligen Sportdirektor Patrick Fabian.
Nach Darstellung der „BILD“ soll Fabian irgendwann genug von weiteren Sparvorschlägen Staades gehabt haben und schließlich selbst gekündigt haben.
Wenn das so gewesen sein sollte, wäre die Bilanz zumindest bemerkenswert.
Man spart Geld.
Man spart Stellen.
Man spart Zeit.
Und irgendwann spart man offenbar auch noch Führungskräfte weg.
Effizienzsteigerung auf Fortgeschrittenenniveau.
Viel Rotstift, wenig Zukunft?
Der Kern der Kritik lautet offenbar: Staades Ideen hätten sich vor allem um kurzfristige Einsparungen gedreht.
Das ist natürlich grundsätzlich Aufgabe eines Finanzmannes.
Niemand holt einen Finanzvorstand, damit er Konfetti bestellt.
Aber irgendwann muss nach dem Sparen auch die Frage kommen:
Und jetzt?
Wie wächst der Verein wieder?
Wie entstehen neue Einnahmen?
Wie wird aus weniger Kosten irgendwann wieder mehr Perspektive?
Denn ein Fußballverein kann sich nicht dauerhaft gesundschrumpfen.
Sonst ist er irgendwann kerngesund, aber leider weg.
War das am Ende wirklich günstiger?
Und genau deshalb ist die 5.000-Euro-Zahl so wunderbar.
Sie sieht gut aus.
Sie klingt gut.
Man kann sie prima in Sitzungen nennen.
„Seht her, wir sparen!“
Nur ist eine kleine Zahl eben nicht automatisch eine gute Zahl.
Wenn dafür Aufgaben liegen bleiben, andere Mitarbeiter einspringen müssen, externe Kräfte bezahlt werden oder intern die Stimmung kippt, wird das vermeintliche Schnäppchen schnell etwas teurer.
Fortuna hat also womöglich nicht weniger bezahlt.
Fortuna hat nur anders bezahlt.
Und nun?
Staades Zukunft dürfte spannend werden.
Nach dem Bericht war ursprünglich vorgesehen, zum Jahresende über eine weitere Zusammenarbeit zu sprechen.
Sogar ein hauptamtlicher Posten soll einmal denkbar gewesen sein.
Ob eine neue Aufsichtsratsspitze darauf noch große Lust hat?
Nun ja.
Sagen wir es so:
Ein Finanzvorstand, über den inzwischen mehr über Arbeitszeit, Kündigungsbriefe und Sparvorschläge gesprochen wird als über wirtschaftliche Erfolge, hat zumindest kein völlig langweiliges Zwischenzeugnis.
Bei Fortuna bleibt damit eine einfache Frage:
War Michael Staade wirklich die günstige Lösung?
Oder nur die schön gerechnete?
Denn manchmal ist das vermeintliche Schnäppchen am Ende nur eines:
billiger aussehend.
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