Das Imperium schlägt wieder zu – diesmal nicht im Nahen Osten, sondern in der Karibik. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, selbsternannter Hüter der Weltordnung und neuer Sheriff der Meere, will einen Flugzeugträger nach Lateinamerika schicken. Angeblich, um Drogenkartelle zu bekämpfen – als ob man mit einer F-18 eine Kokainladung vom Boot pusten könnte.
Ein Sprecher des Pentagons – das sich inzwischen lieber „Kriegsministerium“ nennt, Ehrlichkeit ist ja auch eine Tugend – erklärte stolz auf X, die Mission diene der „Sicherheit“ und „Freiheit“. Frei wovon, bleibt unklar. Frei von diplomatischen Hemmungen offenbar.
Denn was nach „Anti-Drogen-Operation“ klingt, ist in Wahrheit eine schwimmende Machtdemonstration: 100.000 Tonnen Hightech-Stahl, 5.000 Seeleute, 75 Kampfjets – gegen Schlauchboote mit Motorproblemen. Das ist, als würde man mit einem Panzer gegen einen Fahrradkurier vorgehen.
Natürlich kommt das Ganze nicht ohne Kollateralschäden. In den letzten Wochen hat das US-Militär mehrfach „angeblich“ mit Drogen beladene Boote versenkt – also Boote, auf denen sich später keine Beweise, aber viele Tote fanden. Eine rechtliche Grundlage? Fehlanzeige. Dafür ein paar markige Tweets von Trump und Hegseth, die offenbar glauben, internationales Seerecht sei optional, solange man genug Raketen hat.
Die Vereinten Nationen riefen zur Zurückhaltung auf – was in Washington vermutlich als höfliche Einladung verstanden wurde, noch ein paar Flugzeuge mehr zu schicken.
Brasiliens Präsident Lula, der eigentlich gerade Diplomatie spielen wollte, platzte der Kragen: „Wenn das Schule macht, kann ja jeder überall reinspazieren und machen, was er will!“ – Ein Satz, den das Pentagon vermutlich auf T-Shirts drucken lässt, so als inoffizielles Motto.
Während also die „Gerald Ford“ demnächst Kurs auf die Kokainküsten nimmt, bleibt eine Frage offen: Geht es hier wirklich um Drogen – oder einfach nur darum, den nächsten Wahlkampf mit ein paar martialischen Bildern vom „starken Amerika“ zu garnieren?
Eines ist jedenfalls sicher: Wenn Flugzeugträger anfangen, Kokain zu bekämpfen, wird der Drogenkrieg endgültig zur Farce. Und Lateinamerika darf sich wieder einmal daran erinnern, dass Washingtons Vorstellung von „Nachbarschaftshilfe“ meist im Kaliber 500 Millimeter kommt.
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