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Fast neun von zehn Unternehmen Opfer von Sabotage und Spionage

Annabel_P (CC0), Pixabay
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Die deutsche Wirtschaft sieht sich in einem Maße mit Industriespionage, Sabotage und Datendiebstahl konfrontiert, das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien. Eine aktuelle Befragung des Digitalverbands Bitkom unter mehr als 1.000 Unternehmen macht die Dimension deutlich: 87 Prozent der Firmen waren in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal Ziel eines Angriffs – digital oder analog. Damit sind solche Attacken nicht länger die Ausnahme, sondern eher der Normalzustand.

Der von den betroffenen Unternehmen geschätzte Gesamtschaden beläuft sich auf rund 289 Milliarden Euro. Diese Zahl umfasst nicht nur die direkten Kosten, etwa durch gestohlene Gelder, blockierte IT-Systeme oder beschädigte Anlagen, sondern auch die schwerer messbaren Folgen: Imageverlust, Störungen in den Lieferketten, Verlust von Geschäftsgeheimnissen und eine schwächere Wettbewerbsposition auf internationalen Märkten.

Besonders brisant: Die Angriffe sind zunehmend professionell organisiert. Neben klassischen Cyberkriminellen, die auf schnelle finanzielle Gewinne aus sind, treten immer häufiger staatlich gesteuerte Akteure in Erscheinung. Laut Bitkom sind auch ausländische Geheimdienste beteiligt, die gezielt versuchen, deutsches Know-how abzugreifen oder kritische Infrastrukturen zu sabotieren. Deutschland als Industriestandort mit seinen starken Automobil-, Maschinenbau- und Chemiebranchen ist ein besonders attraktives Ziel.

Die Angriffsformen sind vielfältig. Auf der einen Seite stehen digitale Attacken, etwa:

  • Phishing-Mails, mit denen Zugangsdaten abgegriffen werden,

  • Ransomware, die ganze Produktionsketten lahmlegt,

  • Manipulation von Software oder gezielte Angriffe auf Cloud-Dienste.

Auf der anderen Seite gibt es weiterhin analoge Methoden: Das Ausspähen von Produktionsprozessen durch eingeschleuste Personen, das Fotografieren von Bauplänen, das Abhören von Gesprächen auf Messen oder sogar physische Sabotage an Maschinen und Anlagen.

Bitkom-Präsidenten zufolge zeigt die Studie: „Die Bedrohung ist real, sie ist permanent und sie betrifft jedes Unternehmen – vom Start-up bis zum DAX-Konzern.“

Die Forderungen des Verbands sind klar:

  • Mehr staatliche Unterstützung, insbesondere bei der Strafverfolgung und internationalen Zusammenarbeit.

  • Verbindlichere Vorgaben für Unternehmen in sensiblen Bereichen, ähnlich wie bei der IT-Sicherheitsgesetzgebung für kritische Infrastrukturen.

  • Investitionen in Prävention, denn viele Firmen unterschätzen nach wie vor, wie angreifbar sie sind.

Auch die Unternehmen selbst stehen in der Pflicht. Viele betreiben nach wie vor veraltete IT-Systeme, verzichten auf regelmäßige Sicherheitsaudits oder schulen ihre Mitarbeitenden unzureichend. Dabei ist der Faktor Mensch oft die größte Schwachstelle – etwa wenn Passwörter unsicher sind oder auf verdächtige Links geklickt wird.

Fazit: Die Lage ist ernst. Die Angriffe nehmen nicht nur zu, sie werden auch raffinierter und professioneller. Wer als Unternehmen in Deutschland bestehen will, muss Cybersicherheit als strategische Kernaufgabe verstehen und darf das Thema nicht länger in der IT-Abteilung isolieren. Denn die Frage ist nicht mehr, ob ein Angriff kommt – sondern nur noch, wann.

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