Donald Trumps Rede beim jährlichen Dinner der Korrespondentenvereinigung des Weißen Hauses bestand am Freitagabend überwiegend aus Angriffen, Spott und persönlichen Beleidigungen. Sachliche Aussagen waren eher selten.
Einige der Beleidigungen waren ebenfalls offensichtlich unzutreffend. Da sie jedoch als Übertreibungen oder Scherze gemeint sein könnten, stehen sie hier nicht im Mittelpunkt. Überprüft werden stattdessen mehrere konkrete Behauptungen, die Trump während seiner Rede aufstellte.
Die Präsidentschaftswahl 2020
Trump scherzte zunächst darüber, möglicherweise für eine „vierte Amtszeit“ zu kandidieren. Anschließend behauptete er erneut, er habe bereits dreimal eine Präsidentschaftswahl gewonnen, weil ihm der Sieg im Jahr 2020 durch eine manipulierte Wahl genommen worden sei.
Diese Aussage ist falsch.
Trump gewann die Präsidentschaftswahlen 2016 und 2024. Im Jahr 2020 verlor er dagegen gegen Joe Biden. Die Wahl verlief frei und rechtmäßig, und das Ergebnis wurde durch zahlreiche Nachzählungen, Gerichtsentscheidungen und offizielle Prüfungen bestätigt.
Seit Trump vor fast sechs Jahren erstmals behauptete, die Wahl sei manipuliert worden, hat er keine überzeugenden Beweise vorgelegt, die seine Anschuldigungen stützen.
Angebliche Investitionen in Höhe von 19,2 Billionen Dollar
Trump wiederholte außerdem die Behauptung, in den Vereinigten Staaten würden derzeit 19,2 Billionen Dollar investiert oder ausgegeben.
Auch diese Zahl ist nicht belegt.
Zum Zeitpunkt seiner Rede sprach selbst die Internetseite des Weißen Hauses lediglich von Investitionsankündigungen in Höhe von 10,7 Billionen Dollar. Dort wurde nicht behauptet, dass tatsächlich bereits 19,2 Billionen Dollar ausgegeben worden seien.
Doch auch die offizielle Zahl von 10,7 Billionen Dollar gilt als stark übertrieben. Eine ausführliche Überprüfung zeigte, dass das Weiße Haus dabei mehrere Billionen Dollar aus unverbindlichen oder nur vage formulierten Zusagen mitzählte.
Teilweise handelte es sich bei den genannten Summen nicht einmal um konkrete Investitionen in den Vereinigten Staaten. Berücksichtigt wurden unter anderem allgemeine Versprechen über bilateralen Handel, wirtschaftlichen Austausch oder zukünftige Zusammenarbeit.
Einige Erklärungen waren so unbestimmt formuliert, dass sie nicht einmal als verbindliche Investitionszusagen bezeichnet werden konnten.
In der Aufstellung des Weißen Hauses befinden sich sowohl Ankündigungen amerikanischer Unternehmen als auch Zusagen ausländischer Regierungen und Konzerne.
Offizielle Bundesdaten, die im vergangenen Monat veröffentlicht wurden, zeigen dagegen, dass die ausländischen Direktinvestitionen in neue Projekte in den USA im Jahr 2025 bei etwa 232 Milliarden Dollar lagen. Das ist eine erhebliche Summe, aber weit entfernt von den von Trump genannten 19,2 Billionen Dollar.
Kriminalität in Washington
Trump übertrieb erneut den Rückgang der Kriminalität in der amerikanischen Hauptstadt. Er bezeichnete Washington als eine Stadt, die inzwischen nahezu frei von Verbrechen sei.
Das entspricht nicht der Realität.
Zwar ist die Kriminalität in Washington im bisherigen Jahresverlauf deutlich zurückgegangen. Doch weiterhin werden regelmäßig schwere Straftaten, Schießereien und Tötungsdelikte gemeldet.
Nur eine Woche vor Trumps Rede berichtete der Lokalsender WUSA9 über den fünften Mord innerhalb von sieben Tagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei im Jahr 2026 bereits 56 Tötungsdelikte registriert.
Bis zum Freitagabend stieg die Zahl auf 57. Das waren zwar etwa 38 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, aber selbstverständlich weit mehr als null.
Auch die Gesamtkriminalität ist gesunken. Dennoch wurden in der Hauptstadt im Jahr 2026 bereits mehr als 11.000 Straftaten erfasst.
Das entspricht einem Rückgang von ungefähr 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trump behauptete dagegen, die Kriminalität sei um 88 Prozent gefallen.
Für diese Zahl gibt es keine Grundlage.
Fachleute widersprechen außerdem Trumps wiederholter Beschreibung Washingtons als eine der sichersten Städte der Vereinigten Staaten. Die jüngsten Verbesserungen sind real, rechtfertigen aber keine derart weitgehende Behauptung.
Die Kosten für die Renovierung der US-Notenbank
Zu Beginn seiner Rede verwies Trump auf den Veranstaltungsort, das Waldorf Astoria in Washington. Er sagte, es sei schön, an einen Ort zurückzukehren, den er sehr gut kenne, weil er ihn selbst gebaut habe.
Anschließend behauptete er, das Gebäude habe 2,9 Milliarden Dollar weniger gekostet als das Bauprojekt der US-Notenbank Federal Reserve.
Diese Aussage benötigt eine genauere Einordnung.
Die Renovierung zweier Gebäude der Federal Reserve in Washington hat das ursprünglich geplante Budget tatsächlich deutlich überschritten. Die gegenwärtig erwarteten Kosten liegen bei ungefähr 2,5 Milliarden Dollar.
Es ist möglich, dass die Summe weiter steigt. Deshalb lässt sich Trumps aktuelle Aussage nicht eindeutig als falsch einstufen.
Allerdings ist bislang nicht bekannt, dass die Kosten bei drei bis vier Milliarden Dollar oder sogar bei fast vier Milliarden Dollar liegen. Solche Zahlen hatte Trump bei früheren Gelegenheiten verwendet.
Auch seine Behauptung, er habe das heutige Waldorf Astoria selbst gebaut, ist irreführend.
Das Gebäude entstand bereits Ende des 19. Jahrhunderts und diente ursprünglich als repräsentatives Hauptpostamt. Trumps Unternehmen pachtete das historische Gebäude erst in den 2010er-Jahren und ließ es zu einem Luxushotel umbauen.
Die Kosten für diesen Umbau wurden damals mit ungefähr 200 Millionen Dollar angegeben.
Trump ließ das Gebäude also renovieren und in ein Hotel verwandeln, er errichtete es jedoch nicht. Im Jahr 2022 verkaufte er schließlich die Rechte an dem Pachtvertrag.
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