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EU warnt: Trumps 30 %-Zoll könnte transatlantischen Handel „praktisch ausschalten“

edgarwinkler (CC0), Pixabay
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Die angespannte Handelsbeziehung zwischen den USA und der EU steht erneut vor einem möglichen Eklat: US-Präsident Donald Trump droht ab dem 1. August 2025 mit einem pauschalen 30-Prozent-Zoll auf alle EU-Importe – ein Schritt, der laut der Europäischen Kommission den transatlantischen Handel faktisch zum Erliegen bringen könnte.

„Ein Zollsatz von 30 % oder mehr hat in der Praxis die Wirkung eines Handelsverbots“, warnte EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič am Montag in Brüssel. Die EU könne bei einem solchen Szenario „den Handel in der bisherigen Form nicht fortführen“, was dramatische Folgen für beide Seiten hätte.

Ein wirtschaftliches Schwergewicht in Gefahr

Die EU und die USA unterhalten eine der weltweit größten Handelsbeziehungen: 2024 lag der bilaterale Handel bei knapp 1,96 Billionen US-Dollar. Gemeinsam machen sie fast 30 % des weltweiten Waren- und Dienstleistungsverkehrs aus.

Doch Trumps Kritik am „unfairen Handelsverhalten“ der EU ist nicht neu. Bereits im April hatte er die Union als „gegründet, um Amerika zu übervorteilen“ bezeichnet. Neben bestehenden EU-Zöllen stört sich Trump vor allem an digitalen Steuern und anderen nichttarifären Handelshemmnissen.

Eskalation trotz Verhandlungssignalen

Seit Monaten verhandeln EU-Vertreter mit Washington, um Strafzölle abzuwenden. Zwischenzeitlich habe man „eine Einigung fast erreicht“, so Šefčovič – doch die jüngste Eskalation durch Trump habe dies zunichte gemacht. Das Ziel bleibe eine verhandelte Lösung, betonte der Kommissar, aber auch: „Wir müssen nun mit dem Schlimmsten rechnen.“

Auch Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen schlug scharfe Töne an: „Wenn du Frieden willst, musst du dich auf den Krieg vorbereiten.“ Zwar wolle die EU derzeit keine Gegenmaßnahmen ergreifen, doch man müsse bereit sein, „alle Werkzeuge im Werkzeugkasten“ zu nutzen.

Die EU hat daher die geplanten Gegenzölle auf US-Waren im Wert von 25 Milliarden US-Dollar vorerst bis Anfang August verschoben – ein letztes Zeitfenster für Verhandlungen. Diese Maßnahmen wären eine Reaktion auf die bereits von Trump eingeführten 25 %-Zölle auf Stahl und Aluminiumimporte.

Märkte reagieren nervös

Die europäische Börse reagierte bereits: Der Stoxx Europe 600, das wichtigste Börsenbarometer des Kontinents, rutschte am Montagvormittag um 0,27 % ab – eine erste Reaktion auf die drohende Eskalation im transatlantischen Handel.

Ob es zu einer Einigung kommt oder ein Zollkrieg zwischen den USA und der EU tatsächlich Realität wird, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden – mit massiven Folgen für Wirtschaft, Märkte und politische Beziehungen auf beiden Seiten des Atlantiks.

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