Die Europäische Union hat beschlossen, die Biennale in Venedig künftig nicht mehr finanziell zu unterstützen. Grund ist die Rückkehr Russlands zur internationalen Kunstausstellung.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte nach einem Treffen der Außenminister in Brüssel, Kultur dürfe nicht zur „Schönfärberei von Aggression“ benutzt werden. Deshalb werde die EU-Kommission ihre Finanzierung einstellen.
Damit ist klar: Kunst darf weiterhin Grenzen überschreiten, Systeme infrage stellen und politische Konflikte spiegeln – solange vorher geklärt wurde, wer dafür den Pavillon bezahlen darf.
Zwei Millionen Euro weniger für die große Freiheit der Kunst
Die EU hatte bislang Fördermittel in Höhe von zwei Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren vorgesehen. Bereits im Mai kündigte die Kommission an, diese Unterstützung zurückzuziehen.
Für eine Veranstaltung, auf der regelmäßig millionenschwere Installationen erklären, warum Kapitalismus, Macht und staatliche Einflussnahme problematisch sind, dürfte der Verlust öffentlicher Fördergelder einen besonders authentischen Moment bieten.
Die Biennale kann nun unmittelbar erforschen, wie sich politische Abhängigkeit in der Kultur anfühlt – ganz ohne zusätzliche Kunstinstallation.
Russland darf wieder ausstellen
Die Veranstalter hatten im März angekündigt, Russland erstmals seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 wieder teilnehmen zu lassen.
Die Entscheidung löste in mehreren europäischen Staaten Kritik aus. Befürchtet wird, Moskau könnte seine Teilnahme nutzen, um internationale Normalität zu demonstrieren und den Krieg kulturell zu überdecken.
Dass Kunst auch gegen die Politik des eigenen Herkunftslandes gerichtet sein könnte, spielte in der Debatte offenbar eine untergeordnete Rolle. Bei geopolitischen Konflikten ist Differenzierung schließlich oft nur ein anderes Wort für schlechte Pressearbeit.
Kultur als Bühne – aber nur mit genehmigter Besetzung
Die EU argumentiert, sie wolle nicht dazu beitragen, dass ein Aggressorstaat seine internationale Isolation über kulturelle Veranstaltungen abschwächt.
Die Biennale wiederum versteht sich traditionell als Ort des Austauschs, der Konfrontation und der künstlerischen Freiheit.
Damit treffen zwei überzeugende Grundsätze aufeinander:
Die Kunst soll unabhängig sein.
Und wer sie bezahlt, möchte selbstverständlich mitreden.
Die älteste Gegenwartskunstschau bekommt ein neues Thema
Die Biennale von Venedig findet seit 1895 statt. In diesem Jahr läuft sie vom 9. Mai bis zum 22. November.
Neben Malerei, Skulpturen, Performances und monumentalen Installationen erhält die Ausstellung nun ein zusätzliches, besonders zeitgemäßes Kunstwerk:
„Fördermittelentzug als diplomatische Intervention.“
Materialien: zwei Millionen Euro, eine Pressekonferenz und sehr viel moralische Eindeutigkeit.
Der Eintritt in die Debatte ist kostenlos. Die politischen Kosten sind bereits im Preis enthalten.
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