Der frühere Labour-Politiker Peter Mandelson hat seine Festnahme durch die Metropolitan Police scharf kritisiert und die zugrunde liegenden Vorwürfe als „haltlos“ zurückgewiesen. Die Polizei habe ihn nur deshalb in Gewahrsam genommen, weil sie fälschlicherweise angenommen habe, er wolle ins Ausland fliehen, erklärten seine Anwälte.
Nach Darstellung seiner Kanzlei Mishcon de Reya war ursprünglich vereinbart worden, dass Mandelson im kommenden Monat freiwillig zu einer Vernehmung erscheinen werde. Die Ermittlungen betreffen den Verdacht, er habe sensible Regierungsinformationen an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben. Dennoch sei er am Montag auf einer Londoner Polizeiwache festgenommen worden, nachdem die Polizei Hinweise erhalten habe, er plane eine Reise auf die Britischen Jungferninseln. In den frühen Morgenstunden des Dienstags kam er gegen Auflagen wieder frei.
Mandelson wies die Darstellung entschieden zurück. Gegenüber Freunden sprach er von „völliger Fiktion“ und stellte die Frage, „wer oder was“ hinter den Behauptungen stecke. Seine Anwälte forderten die Polizei auf, offenzulegen, auf welche Belege sie die Festnahme gestützt habe. Mandelsons oberste Priorität sei es, mit den Ermittlern zu kooperieren und seinen Namen reinzuwaschen.
Die Metropolitan Police erklärte, sie habe „nachrichtendienstliche Informationen“ erhalten, wonach Mandelson eine Auslandsreise plane. Die Quelle sei als ausreichend glaubwürdig eingestuft worden, sodass man „kein Risiko“ habe eingehen wollen. Ob Mandelson im Rahmen der Kautionsauflagen seinen Pass abgeben musste, blieb zunächst unklar.
Die Affäre trifft Mandelson nach Monaten negativer Schlagzeilen. Im vergangenen September war er wegen seiner Verbindungen zu Epstein als britischer Botschafter in Washington entlassen worden. Zudem verließ er die Labour-Partei und das House of Lords. Seine enge Bekanntschaft mit Epstein – auch nach dessen Verurteilung – hatte erheblichen politischen Druck ausgelöst.
Zusätzliche Brisanz erhält der Fall durch einen bevorstehenden Prüfbericht des Cabinet Office, der sich mit Mandelsons Ernennung befasst. Regierungsquellen zufolge warnte das Dokument Premierminister Keir Starmer vor erheblichen Reputationsrisiken. Die damalige Reaktion aus Downing Street könnte nun als unzureichend bewertet werden.
Parallel dazu geraten weitere Personalien mit Epstein-Bezug in den Fokus. Die Regierung hat angekündigt, Unterlagen zur Ernennung von Andrew Mountbatten-Windsor als Handelsgesandter aus dem Jahr 2001 freizugeben. Auch hier laufen Ermittlungen, unter anderem wegen des Verdachts auf Fehlverhalten im öffentlichen Amt. Die Freigabe der Dokumente gilt als politisch heikel und organisatorisch komplex, da geprüft werden muss, welche Inhalte die laufenden Untersuchungen nicht beeinträchtigen.
Während die Untersuchungen andauern, betonen Regierungsvertreter, man wolle Transparenz schaffen, ohne die Arbeit der Strafverfolgungsbehörden zu behindern. Für Mandelson jedoch steht bereits jetzt fest: Seine Festnahme sei ungerechtfertigt gewesen – und wer die entsprechenden Hinweise gestreut habe, müsse aufgeklärt werden.
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