Was wie ein gewöhnlicher Einkaufsladen aussieht, ist in manchen britischen Innenstädten längst etwas anderes: ein Umschlagplatz für Drogen. Eine Recherche der BBC zeigt, wie offen Kokain, Cannabis, Lachgas und sogar verschreibungspflichtige Medikamente in sogenannten Mini-Märkten angeboten werden – mitten auf der High Street.
Undercover-Reporter wurden in mehreren Städten der West Midlands innerhalb von Sekunden fündig. In einem Laden in Cradley Heath genügte eine einfache Nachfrage – und schon bot der Verkäufer Cannabis, Kokain und weitere Substanzen an. Wenig später wurde die Ware aus dem Hinterzimmer übergeben. Auch stärkere Drogen konnten problemlos organisiert werden.
Die Recherche legt nahe: Hinter vielen dieser Läden stehen organisierte kriminelle Netzwerke. Laut britischer National Crime Agency und Verbraucherschutzbehörden nutzen sie gezielt unscheinbare Geschäfte als Tarnung. Landesweit wurden in den vergangenen Monaten in über 70 Shops Drogen oder entsprechende Verbindungen entdeckt.
Besonders brisant ist die Lage in Teilen der West Midlands. Ermittler sprechen von „gesetzlosen Zuständen“ in einzelnen Straßenzügen. Geschäftsinhaber berichten von Einschüchterungen, Gewalt und wachsendem Druck durch kriminelle Gruppen. Einige Läden würden systematisch übernommen oder verdrängt.
Auch der Verkauf von Lachgas an Minderjährige nimmt zu. In Dudley etwa konnten Reporter die Substanz mehrfach problemlos kaufen – teils über Mittelsmänner auf der Straße. Das Gas, eigentlich legal in der Industrie, ist als Partydroge beliebt, kann aber schwere gesundheitliche Schäden verursachen.
Lokale Behörden reagieren, stoßen aber an Grenzen. Zwar wurden allein in Dudley innerhalb eines Jahres dutzende Geschäfte geschlossen, doch oft öffnen die Betreiber einfach an anderer Stelle neu. Verbraucherschützer fordern deshalb schärfere Gesetze und längere Schließungen für betroffene Läden.
Politisch wächst der Druck. Der Labour-Abgeordnete Liam Byrne spricht von einem „Krebsgeschwür der organisierten Kriminalität“ und fordert ein konsequenteres Vorgehen. Auch die Regierung kündigt an, gemeinsam mit Polizei und Behörden stärker gegen die Strukturen vorzugehen.
Für viele ehrliche Geschäftsleute kommt das zu spät. Sie kämpfen nicht nur ums Überleben – sondern auch um die Sicherheit in ihren Vierteln. Die britische High Street, einst Symbol für lokalen Handel, ist mancherorts längst zum Schauplatz eines ganz anderen Geschäfts geworden.
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