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Diese Lebensmittel fördern gute Bakterien im Mund – und können Zähne und Zahnfleisch schützen

Hansuan_Fabregas (CC0), Pixabay
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Zähneputzen, Zahnseide und möglichst wenig Zucker: Die Grundregeln für gesunde Zähne kennt fast jeder. Doch inzwischen rückt ein weiterer Faktor stärker in den Fokus der Forschung – das Mundmikrobiom.

In unserem Mund leben rund 700 verschiedene Bakterienarten sowie Viren, Pilze und andere Mikroorganismen. Manche können Karies oder Zahnfleischerkrankungen fördern, andere dagegen helfen offenbar dabei, gefährliche Keime in Schach zu halten. Und was wir essen, entscheidet mit darüber, welche Seite die besseren Lebensbedingungen bekommt.

Die gute Nachricht: Auf dem Speiseplan der nützlichen Mundbewohner stehen durchaus angenehme Dinge – darunter grünes Gemüse, Tee und sogar Käse.

Im Mund herrscht ein permanenter Kampf um Lebensraum

Das menschliche Mundmikrobiom ist kein einheitlicher Bakterienteppich. Unterschiedliche Mikroorganismen bevorzugen unterschiedliche Regionen. Einige siedeln sich auf den Zähnen an, andere auf der Zunge oder in den kleinen Zwischenräumen zwischen Zahn und Zahnfleisch.

Problematisch ist beispielsweise Streptococcus mutans. Dieses Bakterium liebt Zucker und wandelt ihn in Säuren um, die den Zahnschmelz angreifen. Auf Dauer kann daraus Karies entstehen.

Andere Bakterien können dagegen hilfreich sein. Arten aus Gruppen wie Veillonella, Actinomyces, Neisseria oder bestimmte Streptokokken konkurrieren mit potenziell schädlichen Mikroorganismen und können verhindern, dass diese sich ungehindert ausbreiten.

Der Mund ist damit ein kleines Ökosystem – nur dass dort statt Löwen und Gazellen verschiedene Mikroben um Zucker und freie Immobilien auf den Zähnen kämpfen.

Mundgesundheit könnte weit über die Zähne hinausreichen

Ein gestörtes Mundmikrobiom wird in Studien mit verschiedenen Erkrankungen in Verbindung gebracht.

Besonders untersucht wird das Bakterium Porphyromonas gingivalis, das sich unter sauerstoffarmen Bedingungen in Zahnfleischtaschen vermehren kann und mit Zahnfleischerkrankungen zusammenhängt.

Studien haben Zusammenhänge zwischen einem ungünstigen Mundmikrobiom beziehungsweise bestimmten Mundkeimen und Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen und weiteren Gesundheitsproblemen beschrieben. Auch mögliche Zusammenhänge mit Alzheimer, Depressionen sowie bestimmten Krebsarten werden erforscht.

Dabei ist eine wichtige Einschränkung nötig: Solche statistischen Zusammenhänge bedeuten nicht automatisch, dass bestimmte Mundbakterien diese Krankheiten verursachen.

Zucker bleibt der Klassiker unter den Problemen

Bei einem Punkt bleibt die wissenschaftliche Empfehlung ziemlich unspektakulär: Viel Zucker ist für die Zähne keine gute Idee.

Zuckerreiche Getränke und Snacks liefern säurebildenden Bakterien reichlich Nahrung.

Auch stark verarbeitete Kohlenhydrate können problematisch sein, weil sie im Mund leicht in Zucker zerlegt werden. Genannt werden unter anderem Weißbrot, Cracker, Kekse, Kuchen und Brezeln.

Entscheidend ist aber nicht nur, unerwünschte Bakterien möglichst wenig zu füttern. Man kann offenbar gleichzeitig versuchen, günstigere Mikroorganismen zu fördern.

Blattgemüse könnte besonders wertvoll sein

Eine der interessantesten Lebensmittelgruppen sind grüne Blattgemüse.

Grünkohl, Spinat sowie Lebensmittel wie Rote Bete und Radieschen enthalten viel Nitrat. Bestimmte Neisseria-Bakterien im Mund können dieses Nitrat verarbeiten.

Über weitere Stoffwechselprozesse entstehen daraus Substanzen, die mit positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System in Verbindung gebracht werden.

In einer Studie mit älteren Erwachsenen sank beispielsweise der Blutdruck, nachdem die Teilnehmer zwei Wochen lang zweimal täglich nitratreichen Rote-Bete-Saft getrunken hatten.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Glas Rote-Bete-Saft Zahnbürste oder Blutdruckmedikamente ersetzen könnte. Es zeigt vielmehr, wie eng Ernährung, Mikroorganismen und menschlicher Stoffwechsel miteinander verbunden sein können.

Knoblauch: gut für die Bakterienlage, weniger gut fürs erste Date

Auch Knoblauch könnte Vorteile für die Mundgesundheit haben.

Beim Kauen wird unter anderem Allicin freigesetzt. Diese Substanz kann Bakterien angreifen, die mit Karies und Zahnfleischerkrankungen in Verbindung stehen.

Aus mikrobiologischer Sicht also durchaus interessant.

Ob das unmittelbare soziale Umfeld die Begeisterung teilt, ist eine andere Forschungsfrage.

Tee enthält interessante Pflanzenstoffe

Eine überwiegend pflanzliche Ernährung liefert außerdem viele Polyphenole. Dabei handelt es sich um Pflanzenstoffe mit antioxidativen Eigenschaften.

Untersuchungen von Christine Wu von der University of Illinois Chicago und anderen Forschern deuten darauf hin, dass Polyphenole im Tee bestimmte problematische Mundbakterien unterdrücken können.

Sie können offenbar auch Prozesse hemmen, die dazu beitragen, dass sich Zahnbelag bildet und Bakterien an Zahnoberflächen haften.

In Wus Untersuchungen schien Tee außerdem Bakterien zu hemmen, die am hinteren Teil der Zunge leben und an Mundgeruch beteiligt sind.

Damit bekommt die klassische Tasse Tee einen neuen Karriereweg: vom Heißgetränk zum möglichen Helfer des Mundmikrobioms.

Auch dunkle Beeren können interessant sein

Polyphenole stecken ebenfalls in vielen Früchten, insbesondere in dunklen Beeren.

Das ist zunächst überraschend, denn Obst enthält schließlich Zucker und teilweise Säuren. Bestimmte Inhaltsstoffe könnten dennoch positive Effekte entfalten.

Forschungsarbeiten legen beispielsweise nahe, dass Cranberrysaft die Bildung von Zahnbelag und das Wachstum bestimmter mit Karies und Parodontitis verbundener Bakterien hemmen kann.

Auch Honig enthält Polyphenole und zeigte in Untersuchungen entsprechende antibakterielle Eigenschaften.

Das ist allerdings kein Freifahrtschein für unbegrenzten Honig oder gesüßten Cranberrysaft – beide können schließlich ebenfalls erhebliche Mengen Zucker enthalten.

Überraschung: Käse könnte den Zähnen helfen

Noch erfreulicher für Käsefreunde sind Untersuchungen zu fermentierten Milchprodukten.

In einer kleinen italienischen Studie aßen neun Teilnehmer fünf Tage lang täglich Grana Padano. Anschließend stellten die Forscher leichte Veränderungen in der Zusammensetzung der Mundbakterien fest.

Der Anteil des zuckerliebenden Karieskeims S. mutans war geringer, während S. sanguinis, ein häufiger in gesunden Mundgemeinschaften vorkommendes Bakterium, stärker vertreten war.

Neun Personen und fünf Tage sind allerdings eine sehr kleine Datenbasis. Aus dem Versuch lässt sich daher keineswegs ableiten, dass täglicher Parmesan eine wissenschaftlich anerkannte Kariestherapie wäre.

Käse besitzt aber noch einen anderen möglichen Vorteil.

Durch das Kauen wird die Speichelproduktion angeregt. Speichel kann Zuckerreste wegspülen und Säuren im Mund neutralisieren.

Kefir bringt seine eigenen Mikroorganismen mit

Auch fermentierte Lebensmittel könnten das Mundmikrobiom beeinflussen.

Kefir enthält beispielsweise nützliche Mikroorganismen, die mit unerwünschten Bakterien konkurrieren können.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass Kefir bestimmte Krankheitserreger im Mund hemmen und möglicherweise deren Fähigkeit reduzieren kann, klebrige Biofilme zu bilden.

Doch auch hier gilt: Ein einzelnes Lebensmittel wird das komplexe Ökosystem im Mund nicht grundlegend reparieren.

Das „Superfood für die Zähne“ gibt es nicht

Genau davor warnt der Parodontologe Gaetano Isola von der Universität Catania.

Entscheidend sei weniger ein einzelnes vermeintliches Superfood als die Ernährung insgesamt.

Wer ständig raffinierten Zucker und leicht fermentierbare Kohlenhydrate konsumiert, fördert Mikroorganismen, die besonders gut Säuren produzieren und in einem sauren Milieu überleben können.

Eine Ernährung mit vielen unverarbeiteten pflanzlichen Lebensmitteln, Ballaststoffen und komplexen Kohlenhydraten sowie weniger häufigem Zuckerkonsum scheint dagegen besser mit einem stabilen Mundmikrobiom vereinbar zu sein.

Praktisch bedeutet das: Gemüse, ganze Früchte, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte häufiger auf den Teller – stark raffinierte Kohlenhydrate eher seltener.

Mediterrane Ernährung mit weniger schweren Zahnfleischproblemen verbunden

Eine neuere Studie, an der Isola beteiligt war, untersuchte außerdem den Zusammenhang zwischen mediterraner Ernährung und Zahnfleischgesundheit.

Menschen, die sich stärker nach diesem Ernährungsmuster richteten – also unter anderem viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und gesunde Fette konsumierten –, hatten tendenziell weniger schwere Zahnfleischerkrankungen.

Bei Teilnehmern, die sich weniger mediterran ernährten, waren die Probleme stärker ausgeprägt, insbesondere bei häufigem Verzehr von rotem Fleisch.

Warum dieser Zusammenhang besteht, ist bislang nicht geklärt. Eine Hypothese lautet, dass bestimmte Proteine Bedingungen schaffen könnten, von denen problematische Mikroorganismen profitieren.

Auch hier handelt es sich zunächst um einen Zusammenhang und nicht um den Nachweis, dass rotes Fleisch direkt Zahnfleischerkrankungen verursacht.

Zahnbürste und Zahnseide bleiben trotzdem unverzichtbar

Wer jetzt hofft, künftig einfach Käse zu essen und Tee zu trinken, statt die Zähne zu putzen, wird enttäuscht.

Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume bleiben zentral.

Zahnseide wurde mit niedrigeren Konzentrationen von S. mutans in Verbindung gebracht. Das Putzen von Zähnen und Zunge reduziert ebenfalls Mikroorganismen, die mit Zahnerkrankungen assoziiert sind.

Interessant ist dagegen die noch offene Frage, wie handelsübliche Mundspülungen das gesamte Mundmikrobiom beeinflussen. Wissenschaftler wissen bislang nicht ausreichend, welche langfristigen Auswirkungen verschiedene Produkte auf die Zusammensetzung der Mikroorganismen haben.

Chlorhexidin-haltige Mundspülungen können das mikrobielle Gleichgewicht beispielsweise verändern. Medizinisch eingesetzt können sie kurzfristig dennoch sinnvoll sein, etwa bei bestimmten Zahnfleischerkrankungen.

Am Ende gewinnt wieder die langweilig vernünftige Ernährung

Die Erkenntnisse über das Mundmikrobiom klingen zunächst nach einer neuen Ernährungswissenschaft. Am Ende führen sie jedoch zu einem erstaunlich bekannten Speiseplan.

Viel Gemüse und Blattgrün, ganze Früchte, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und geeignete Proteinquellen – dafür weniger Zucker und insbesondere weniger zuckerhaltige Getränke.

Oder etwas appetitlicher formuliert: ein großer Salat, etwas Käse und anschließend eine Tasse Tee.

Das dürfte nicht nur dem Menschen schmecken. Auch ein paar Milliarden seiner unsichtbaren Mitbewohner könnten sich darüber freuen.

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