Man reibt sich verwundert die Augen: In Philadelphia musste erst eine Bundesrichterin eingreifen, damit eine Ausstellung über die Geschichte der Sklaverei wieder aufgebaut wird. Eine Freiluftschau, die an eines der dunkelsten Kapitel der US-Geschichte erinnert, war im Januar von der Nationalparkverwaltung kurzerhand abgebaut worden.
Richterin Cynthia M. Rufe stellte nun unmissverständlich klar, dass die Regierung nicht das Recht habe, „historische Wahrheiten zu verschleiern oder zu verfälschen“. Geschichte lasse sich nicht einfach wegräumen wie ein störendes Schild im Park. Die Entscheidung ist eine deutliche Ohrfeige für jene, die offenbar glaubten, man könne durch Abbau einer Ausstellung auch unbequeme Vergangenheit beseitigen.
Die Stadt Philadelphia hatte gegen die Entfernung geklagt – mit Erfolg. Beobachter vermuten, dass der Abbau im Zusammenhang mit einem Dekret von Präsident Trump stehen könnte. Offiziell bestätigt ist das zwar nicht, doch der zeitliche Zusammenhang wirft Fragen auf.
Dass ein Gericht einschreiten muss, um eine historische Aufarbeitung zu sichern, wirkt befremdlich. Erinnerungskultur sollte kein politisches Spielball sein. Die Geschichte der Sklaverei ist Teil der amerikanischen Identität – schmerzhaft, aber unumstößlich. Sie verschwindet nicht, nur weil man eine Ausstellung abbaut.
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