Als Anlegerin oder Anleger wird man derzeit mit attraktiven Zahlen für das Immobilienprojekt „Wohnen im Denkmal“ in der Erfurter Krämpfervorstadt gelockt. Die Rede ist von 8,5 % Zinsen p. a., einer bestehenden Vermietung mit über 1,1 Millionen Euro Mieteinnahmen jährlich und einem Marktwert von über 25,5 Mio. €. Doch lohnt sich ein genauerer Blick auf das Angebot – besonders für Anleger, die Wert auf Transparenz und Planungssicherheit legen.
Laufzeit mit Unsicherheiten
Das Projekt verspricht eine Rückzahlung nach einer Laufzeit von 6 bis 27 Monaten. Das bedeutet konkret: Als Anleger weiß man beim Einstieg nicht, wann man das investierte Kapital zurückerhält. Diese enorme zeitliche Spanne kann insbesondere für Personen mit festgelegten Liquiditätsbedürfnissen problematisch sein. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten oder steigender Zinsen ist eine unbestimmte Kapitalbindung ein echtes Risiko.
Hohe Rendite – hohes Risiko?
Eine Verzinsung von 8,5 % p. a. klingt auf den ersten Blick äußerst attraktiv – und übersteigt deutlich das, was viele andere Kapitalanlagen derzeit bieten. Doch wie immer gilt: Je höher die Rendite, desto höher das Risiko. Denkmalgeschützte Immobilien bringen zwar steuerliche Vorteile, bergen aber auch besondere Herausforderungen: hohe Instandhaltungskosten, eingeschränkte Modernisierungsmöglichkeiten und mögliche staatliche Auflagen sind hier keine Seltenheit.
Transparenz: Luft nach oben
Zwar wird ein „unabhängiges Wertgutachten“ genannt, doch Anleger erhalten keinen direkten Einblick in dieses Dokument. Auch bleibt unklar, wie robust die Mietverträge sind, wie lange sie laufen oder ob es bereits Mietausfälle gegeben hat. Aussagen über die Bonität der Mietparteien, die Nachhaltigkeit der Mieterträge oder die konkreten Exit-Szenarien für Investoren fehlen bislang.
Vorgängerprojekt: Erfolg oder Ausnahme?
Das Projekt wird vom gleichen Entwickler vermarktet, der bereits „Zuhause in Erfurt“ über die Plattform Exporo finanzierte. Dort erfolgte die Rückzahlung angeblich vorzeitig – ein gutes Zeichen. Doch auch hier fehlen Details: Wie wurde der Rückfluss ermöglicht? War dies eine Ausnahme oder die Regel? Ein einmaliger Erfolg ersetzt keine umfassende Risikoprüfung des aktuellen Projekts.
Fazit: Attraktives Potenzial, aber mit Vorsicht genießen
Für erfahrene Anleger mit hoher Risikotoleranz mag „Wohnen im Denkmal“ ein interessantes Angebot darstellen – insbesondere in Hinblick auf die versprochene Rendite und die bestehenden Mieteinnahmen. Wer jedoch Wert auf Planbarkeit, Sicherheit und vollständige Transparenz legt, sollte dieses Investment sehr kritisch prüfen – und sich im Zweifel professionell beraten lassen, bevor Kapital gebunden wird.
Denn zwischen 6 und 27 Monaten können in der Immobilien- und Zinswelt Welten liegen.
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