Eine kleine Sensation: Immer mehr Berufstätige in Deutschland trauen sich tatsächlich, in Aktien zu investieren. Laut HDI-Umfrage glauben inzwischen 28 Prozent der Befragten, dass Aktien irgendwie, möglicherweise, unter Umständen, eine brauchbare Altersvorsorge sein könnten. Vor fünf Jahren waren es noch 19 Prozent – damals glaubten die meisten noch, Sparbücher würden irgendwann aus purer Nostalgie wieder 5 Prozent Zinsen ausspucken.
Die Immobilie bleibt heilig – egal, ob man sie bezahlen kann oder nicht
Trotz aller Veränderungen: Der heilige Gral der deutschen Altersvorsorge bleibt das Eigenheim.
Dass Zinsen, Baukosten und Grundsteuer den Traum inzwischen ungefähr so realistisch machen wie ein Lottogewinn? Egal. Man glaubt weiter daran. Wahrscheinlich, weil Beton sich einfach seriöser anfühlt als ein ETF.
Aktien? Ja… aber bitte nur ohne Risiko!
Sechs von zehn Befragten erwarten bei Aktien „langfristig bessere Renditen als mit Zinsanlagen“.
Fantastisch – Deutschland hat die Grundlogik der Kapitalmärkte entdeckt!
Gleichzeitig findet mehr als ein Drittel Aktien aber „zu riskant“ oder „zu kompliziert“.
Logisch: Das Produkt, das historisch die höchste Rendite bringt, ist natürlich am verdächtigsten. Und wer hat Zeit, sich damit zu beschäftigen, wenn man die jährliche Kontoauszugsgebühr des Sparkontos studieren muss?
Jeder vierte lehnt Aktien komplett ab – vermutlich aus denselben Gründen, aus denen man auch Mikrowellen für „radioaktiv“ hält.
Die Deutschen und die Börse: eine toxische Beziehung
Einige Länder investieren selbstverständlich in Fonds und Aktien – Schweden, USA, Niederlande.
Und Deutschland?
Deutschland hält Aktien für eine Art legalisierte Spielhölle, in der Dealer in Nadelstreifen darauf warten, den letzten 50-Euro-Schein aus der Tasche zu ziehen.
Jahrzehntelang wurde jeder Börsencrash als „Beweis“ dafür gefeiert, dass man lieber das Geld unters Kopfkissen stopft.
Jetzt, da Sparzinsen real negativ sind und Versicherungen immer weniger bringen, dämmert langsam die Erkenntnis:
„Oh… vielleicht müsste man ja doch irgendwas tun, damit das Geld nicht schrumpft…?“
Die Jüngeren reißen Deutschland ins 21. Jahrhundert – notgedrungen
Die jungen Berufstätigen sind es, die den Aktienmarkt überhaupt erst aus seinem deutschen Dornröschenschlaf holen.
Warum?
Sie haben realisiert, dass die gesetzliche Rente ungefähr so sicher ist wie ein Kamel im Schneesturm. Also: Apps runterladen, ETF besparen, fertig.
Natürlich zum Entsetzen der älteren Generation, die ETFs weiterhin für „diese neuen digitalen Teufelsdinger“ hält.
Fazit: Deutschland tastet sich zaghaft an den Kapitalmarkt – mit Schweißperlen auf der Stirn
Die HDI-Umfrage zeigt:
Deutschland ist auf dem Weg zur Aktiennation.
Sehr langsam.
Sehr zögerlich.
Mit viel Skepsis und einem Bein noch immer im Sparkassen-Kontoauszug von 1998.
Aber immerhin:
Wir bewegen uns.
Und wer weiß – vielleicht begreift Deutschland irgendwann sogar, dass Rendite nicht vom guten Willen der Hausbank kommt, sondern vom Markt.
Kommentar hinterlassen