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Der Totgeweihte: Chamenei-Sohn neues geistliches Oberhaupt

FarkhodVakhob9TJK9 (CC0), Pixabay
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Im Iran gilt seit Sonntagabend ein neues Motto: Der König ist tot – lang lebe der König. Oder genauer gesagt: Der Ajatollah ist tot – lang lebe der Ajatollahs Sohn.

Nach dem Tod des bisherigen Revolutionsführers Ali Chamenei, der bei den jüngsten Angriffen der USA und Israels ums Leben kam, wurde nun dessen Sohn Modschtaba Chamenei zum neuen geistlichen Oberhaupt der Islamischen Republik ernannt. Dass es ausgerechnet der Sohn werden würde, überraschte allerdings ungefähr so viele Menschen wie die Erkenntnis, dass Wasser nass ist.

Im staatlichen Fernsehen wurde die Entscheidung feierlich verkündet. Das iranische Volk wurde gleichzeitig dazu aufgerufen, dem neuen Führer Treue, Einheit und möglichst wenig Fragen entgegenzubringen.

Die Revolution bleibt in der Familie

Ein Mitglied des zuständigen Geistlichenrates erklärte zuvor kryptisch in einem Video:
„Der Name Chamenei wird weiterbestehen.“

Das klang zunächst wie eine poetische Lebensweisheit, stellte sich aber letztlich als dynastische Personalentscheidung heraus. Schließlich wäre es auch schade gewesen, wenn nach Jahrzehnten der Revolution plötzlich jemand völlig Neues ans Steuer gekommen wäre.

Im Iran gilt der Revolutionsführer traditionell als mächtigster Mann im Staat – mit dem letzten Wort in Politik, Militär, Religion und gelegentlich auch im Wetterbericht.

Washington möchte mitreden

Während in Teheran die Nachfolge geregelt wurde, meldete sich aus Washington Donald Trump zu Wort – und machte deutlich, dass er sich grundsätzlich auch für Personalfragen in fremden Staaten interessiert.

„Wenn er nicht unsere Zustimmung erhält, wird er nicht lange im Amt bleiben“, erklärte Trump.

Diplomaten sprechen in solchen Fällen von außenpolitischer Feinfühligkeit.

Trump hatte Modschtaba Chamenei zuvor bereits als „Leichtgewicht“ bezeichnet – ein Urteil, das vermutlich nicht zur Entspannung der Lage beiträgt.

Israel droht vorsorglich

Auch Israel äußerte sich zur Personalie. Die Armee erklärte, jeder künftige iranische Anführer werde „ohne Zögern ins Visier genommen“.

Damit dürfte Modschtaba Chamenei wohl der erste Revolutionsführer der Geschichte sein, der sein Amt mit einer quasi eingebauten Lebensversicherungspolice gegen Raketen beginnt – nur leider ohne Versicherungsschutz.

Krieg geht weiter

Während in Teheran ein neuer Führer präsentiert wurde, setzten israelische Kampfjets ihre Angriffe fort. Unter anderem wurden mehrere Öldepots rund um die iranische Hauptstadt bombardiert, über der Stadt stiegen große Rauchwolken auf.

Die iranische Revolutionsgarde wiederum versicherte, man sei bereit, mindestens sechs Monate intensiven Krieg zu führen. Man habe bisher nur Raketen der „ersten und zweiten Generation“ eingesetzt – modernere Modelle stünden bereits bereit.

Eine Botschaft, die ungefähr so beruhigend wirkt wie die Ankündigung eines Restaurants, dass das wirklich scharfe Chili erst noch serviert wird.

Ölpreise als diplomatisches Druckmittel

Sollten die Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur weitergehen, drohte Teheran mit Gegenangriffen auf Ölanlagen in der Golfregion.

Die Botschaft an die Weltwirtschaft lautete sinngemäß:
Wenn euch 200 Dollar pro Barrel nicht stören, könnt ihr ruhig weitermachen.

Region in Alarmbereitschaft

Unterdessen meldeten mehrere Länder der Region – darunter Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate – Raketen- und Drohnenangriffe. In Saudi-Arabien gab es erstmals auch Todesopfer.

Die Arabische Liga kritisierte die iranischen Angriffe scharf und sprach von einem „schweren strategischen Fehler“.

Ein Amt mit begrenzter Haltbarkeit

Damit beginnt für Modschtaba Chamenei eine politische Karriere, die vermutlich in keinem klassischen Lehrbuch vorgesehen war:
Ein neuer Revolutionsführer, dessen Amtszeit bereits am ersten Tag von mehreren Seiten als temporäres Experiment betrachtet wird.

Oder anders gesagt:
Noch nie war der Weg zum mächtigsten Amt im Iran so kurz – und möglicherweise auch so gefährlich.

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