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Das Ende der Thaksin-Ära?

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Kaum ein Politiker hat Thailand in den vergangenen 25 Jahren so geprägt – und gleichzeitig so gespalten – wie Thaksin Shinawatra. Jetzt ist der frühere Premierminister nach acht Monaten Haft wieder auf freiem Fuß. Doch die große Frage lautet: Ist mit seiner Freilassung auch seine politische Zeit endgültig vorbei?

Als Thaksin am Montag mit elektronischer Fußfessel das Gefängnis in Bangkok verließ, warteten Hunderte Anhänger in roten Shirts vor dem Gefängnistor. Seine Tochter Paetongtarn Shinawatra, selbst ehemalige Premierministerin und politische Erbin des Familienclans, nahm ihn in Empfang. In Thailand war die Entlassung des 76-Jährigen sofort das dominierende Thema.

Dabei hatte Thaksin eigentlich angekündigt, sich künftig aus der Politik heraushalten und mehr Zeit mit seinen Enkeln verbringen zu wollen. Wirklich glauben will ihm das allerdings kaum jemand.

Denn seit seinem spektakulären Wahlsieg 2001 hat Thaksin die politische Landschaft des Landes praktisch dauerhaft geprägt. Der milliardenschwere Unternehmer galt vielen einfachen Thailändern als Hoffnungsträger, seinen Gegnern dagegen als gefährlicher Machtpolitiker mit autoritären Tendenzen. Selbst nach seinem Sturz durch das Militär 2006 blieb sein Einfluss enorm. Seine Parteien gewannen weiterhin Wahlen, Regierungen wurden gestürzt, Gerichte griffen ein, Demonstranten gingen auf die Straße – Thailand steckte jahrelang in einem politischen Dauerkrieg zwischen Thaksin-Lager und konservativ-royalistischer Elite.

Nach Jahren im Exil durfte Thaksin 2023 überraschend nach Thailand zurückkehren. Beobachter sprachen damals von einem stillen Deal mit den konservativen Machtzentren des Landes: Rückkehr gegen politische Zurückhaltung. Doch dieser fragile Burgfrieden hielt offenbar nicht lange.

Im vergangenen Jahr wurde Thaksin schließlich inhaftiert. Das Oberste Gericht urteilte, sein monatelanger Aufenthalt in einem Polizeikrankenhaus sei lediglich ein Trick gewesen, um eine reguläre Haftstrafe zu umgehen.

Fast zeitgleich zerbrach auch die von seiner Partei Pheu Thai geführte Regierung. Seine Tochter Paetongtarn verlor nach einer umstrittenen Gerichtsentscheidung das Amt der Premierministerin. Auslöser war ein geleaktes Telefonat mit dem kambodschanischen Langzeitmachthaber Hun Sen über einen Grenzkonflikt. Für viele Beobachter war erneut offensichtlich, wie stark Gerichte und konservative Institutionen weiterhin die politische Richtung des Landes bestimmen.

Während Thaksin im Gefängnis saß, erlitt seine Partei bei den Parlamentswahlen im Februar die schwerste Niederlage ihrer Geschichte. Pheu Thai fiel hinter die reformorientierte People’s Party zurück und wurde sogar von der konservativen Partei Bhumjaithai überholt, die von nationalistischer Stimmung nach dem Konflikt mit Kambodscha profitierte.

Statt dominierende Kraft zu sein, ist Pheu Thai inzwischen nur noch Juniorpartner in einer Koalition. Politische Analysten sprechen deshalb von einem historischen Wendepunkt.

Der Politikwissenschaftler Ken Lohatepanont formuliert es deutlich: Thaksin kehre in ein völlig verändertes politisches Thailand zurück. Seine Partei sei nur noch eine mittelgroße Kraft. Die entscheidende Frage sei nun, ob eine Rückkehr Thaksins ins Rampenlicht der Partei helfe – oder eher schade.

Viele in Thailand gehen inzwischen davon aus, dass das gegenseitige Misstrauen zwischen Thaksin und den konservativen Machteliten endgültig unüberwindbar geworden ist. Selbst wenn er politisch weiter mitmischen wolle, dürften ihm die alten Machtzentren kaum noch Raum dafür lassen.

Die vergangenen Jahrzehnte galten in Thailand oft als „Thaksin-Ära“. Nach seiner Haft, dem politischen Absturz seiner Partei und dem Machtverlust seiner Familie deutet nun vieles darauf hin, dass diese Ära tatsächlich zu Ende gehen könnte.

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