Ringen um neue Verhandlungen – oder: Wenn der große Deal-Maker plötzlich wieder auf Rückruf wartet
Donald Trump hatte es doch quasi schon als Durchbruch verkauft:
Die Iraner wollen sich „unbedingt“ treffen.
Klang fast so, als stünde Teheran schon geschniegelt mit Friedensvertrag, Blumenstrauß und Kugelschreiber vor der Tür.
Die Realität sieht – wie so oft bei Trumps Außenpolitik zwischen Truth Social, Drohkulisse und Weltrettungsfantasie – ein kleines bisschen anders aus:
Die erste direkte Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran wurde ohne Ergebnis abgebrochen.
Aber keine Sorge: Wenn ein Treffen scheitert, ist das in Trumps Welt natürlich kein Scheitern.
Das ist dann einfach ein „historischer Fortschritt mit noch offenem Siegerfoto“.
Pakistan räumt schon mal wieder den Konferenztisch auf
Nach dem ersten gescheiterten Treffen versucht nun Pakistan, eine zweite Runde auf die Beine zu stellen. Reuters zufolge könnten die Delegationen der USA und des Iran noch in dieser Woche nach Islamabad zurückkehren.
Oder auch nicht.
Ein genaues Datum gibt es nicht. Aber Freitag bis Sonntag halte man sich offen.
Mit anderen Worten:
Man ist also schon in der Phase angekommen, in der ein freier Kalenderplatz als diplomatischer Erfolg gilt.
Pakistan will die Gespräche so schnell wie möglich fortsetzen.
Auch China, Ägypten, Saudi-Arabien und die Türkei reden fleißig mit beiden Seiten.
Kurz gesagt:
Die halbe Welt versucht gerade, zwei Staaten wieder an einen Tisch zu setzen, die sich vorher gegenseitig mit Krieg, Blockaden und Maximalforderungen begrüßt haben.
**Trump: „Sie wollen unbedingt reden.“
Iran: „Mit denen?“**
Das besonders Charmante an der Lage:
Während Trump am Montag verkündete, der Iran habe Kontakt aufgenommen und wolle eine Einigung, klingt es aus Teheran eher nach:
„Ja, also… theoretisch vielleicht. Aber so sicher nicht.“
Der iranische Präsident Massud Peseschkian machte nämlich die USA für das Scheitern der ersten Runde verantwortlich.
Die Vorwürfe:
- übertriebene Forderungen
- mangelnder politischer Wille
- fehlende Ernsthaftigkeit auf US-Seite
Das ist diplomatisch übersetzt ungefähr so viel wie:
„Mit euch verhandeln ist wie ein Bewerbungsgespräch bei einem Brandstifter, der nebenbei das Gebäude anzündet.“
Erstes direktes Spitzentreffen seit 1979 – und trotzdem kein Wunder
Historisch war das Ganze durchaus bemerkenswert:
- erste direkte Begegnung zwischen US- und iranischen Vertretern seit über einem Jahrzehnt
- ranghöchstes Treffen seit der Islamischen Revolution 1979
Auf US-Seite saß JD Vance, auf iranischer Seite Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf.
Das klingt erstmal groß.
Nur leider standen auf dem Menü gleich mehrere völlig harmlose Kleinigkeiten:
- das iranische Atomprogramm
- internationale Sanktionen
- die Straße von Hormus
- regionale Eskalation
- Blockaden
- Waffenruhe
- Kriegsfolgen
Also im Grunde nur die üblichen Smalltalk-Themen für ein entspanntes Wochenende in Islamabad.
Die Straße von Hormus: Der schmalste Ort der Welt für maximalen Irrsinn
Besonders explosiv bleibt die Lage in der Straße von Hormus.
Der Iran blockiert die für den Welthandel und die Energieversorgung extrem wichtige Wasserstraße faktisch.
Die USA fordern die Wiederöffnung.
Weil die erste Gesprächsrunde scheiterte, reagierte Washington – wie man es eben macht, wenn man Frieden will – mit einer Blockade iranischer Häfen und Schiffe mit Iran-Bezug.
Das ist ungefähr so diplomatisch wie:
„Wir möchten gern mit Ihnen reden. Deshalb haben wir vorsorglich schon mal Ihre Haustür zubetoniert.“
Und dann wundert man sich, dass die Stimmung nicht sofort auf Kuschelkurs umschlägt.
JD Vance meldet „große Fortschritte“ – das ist meistens ein Warnsignal
US-Vizepräsident JD Vance erklärte bei Fox News, man habe „große Fortschritte“ gemacht.
In der politischen Übersetzung heißt das meistens:
- Es gibt keinen Durchbruch.
- Aber irgendjemand hat nicht den Raum verlassen.
- Und vielleicht hat sogar jemand genickt.
Vance sagte, man habe Teheran klar gemacht,
- wo die USA Entgegenkommen zeigen könnten
- und wo sie unnachgiebig bleiben würden
Das klingt nach klassischer Trump-Schule der Außenpolitik:
„Wir sind total offen für Gespräche – solange am Ende exakt das passiert, was wir vorher schon beschlossen haben.“
Macron telefoniert, Guterres mahnt, Xi will „konstruktiv“ sein – die internationale Diplomatie macht wieder Gruppentherapie
Während Washington und Teheran sich also gegenseitig erklären, wer eigentlich schuld ist, versucht der Rest der Welt, das Ganze irgendwie zusammenzuhalten.
Emmanuel Macron
telefonierte sowohl mit Trump als auch mit Peseschkian und forderte:
- Wiederaufnahme der Gespräche
- Ende des Krieges
- schnellstmögliche Öffnung der Straße von Hormus
UNO-Chef António Guterres
ließ über einen Sprecher mitteilen:
- keine Einigung über Nacht möglich
- Gespräche trotzdem wichtig
- bitte konstruktiv bleiben
Oder in normaler Sprache:
„Bitte schießt euch nicht wieder gegenseitig alles kaputt, nur weil die erste Sitzung unerquicklich war.“
Xi Jinping
meldete sich ebenfalls und versprach eine „konstruktive Rolle“.
China will also – wie immer – Stabilität, freie Schifffahrt und möglichst keinen Flächenbrand, der die Weltwirtschaft in den Abgrund zieht.
Russland natürlich auch dabei – warum sollte ein globaler Krisenherd ohne Lawrow stattfinden?
Auch Sergej Lawrow meldete sich pflichtgemäß zu Wort.
Russland wolle eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen verhindern.
Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil Moskau bei geopolitischen Krisen inzwischen ungefähr so wirkt wie ein Kettenraucher, der einen Vortrag über Luftqualität hält.
Lawrow traf zudem in Peking ein, um die Zusammenarbeit mit China zu intensivieren.
Denn wenn irgendwo auf der Welt eine Krise eskaliert, ist der diplomatische Reflex inzwischen klar:
Alle fliegen nach Peking, Islamabad oder Genf – Hauptsache, nicht zu Trump ins Lagezentrum mit Social-Media-Zugang.
Zweiwöchige Feuerpause – also die klassische moderne Waffenruhe mit eingebautem Verfallsdatum
Die USA und der Iran hatten sich nach fünf Wochen Krieg auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt.
Das klingt erstmal gut.
Ist aber ungefähr so stabil wie ein Ikea-Regal auf Kopfsteinpflaster.
Denn in dieser Feuerpause soll:
- über ein dauerhaftes Kriegsende verhandelt werden
- Pakistan vermitteln
- Hormus geöffnet werden
- Sanktionen diskutiert werden
- regionale Eskalation begrenzt werden
Also praktisch:
Man hat 14 Tage Zeit, um Jahrzehnte Feindschaft, Atomfragen, Stellvertreterkriege und globale Energieversorgung zu sortieren. Viel Erfolg.
Und nebenbei verhandeln Israel und Libanon jetzt auch noch in Washington
Als wäre das alles nicht genug, starten in Washington am Dienstag auch noch Gespräche zwischen Israel und dem Libanon – erstmals auf Botschafterebene.
Vermittler: Marco Rubio
Allein das ist schon ein Satz, bei dem man kurz prüfen möchte, ob es sich um politische Realität oder um eine sehr hektische Netflix-Drehbuchkonferenz handelt.
Die Ziele? Natürlich völlig einheitlich.
Also fast.
- Der Libanon will über Waffenruhe reden
- Israel will vor allem die Entwaffnung der Hisbollah
Das ist diplomatisch ungefähr so kompatibel wie:
- einer will Paartherapie
- der andere bringt schon den Umzugswagen
Fazit: Trump ruft den Durchbruch aus – die Welt sucht erst mal den Verhandlungstisch
Donald Trump hatte vollmundig erklärt, die Iraner wollten sich unbedingt treffen.
Stand jetzt lautet die nüchterne Bilanz:
- erstes Treffen: abgebrochen
- zweites Treffen: vielleicht
- Ort: möglicherweise Islamabad
- Datum: irgendwann zwischen Hoffnung und Kalenderlücke
- Fortschritt: laut Vance groß
- Vertrauen: praktisch nicht vorhanden
- Blockaden: laufen
- Waffenruhe: wackelt
- Weltwirtschaft: zittert
- Diplomaten: telefonieren im Akkord
Oder kurz gesagt:
Trump verkauft bereits den Friedensnobelpreis, während die Beteiligten noch diskutieren, ob sie sich überhaupt noch einmal in denselben Raum setzen.
Aber hey – wenn man in Trumps Welt einen Krieg beginnt, dann eine Waffenruhe mit Countdown bastelt, danach eine Blockade verhängt und das alles als „große Fortschritte“ bezeichnet, dann ist ein abgebrochenes Treffen natürlich nur:
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