Mit neuem Selbstvertrauen reist China zur dritten Verhandlungsrunde in diesem Jahr mit den USA an – diesmal in Stockholm. Grund für die kämpferische Haltung Pekings: Die chinesische Wirtschaft zeigt sich bislang überraschend robust im laufenden Handelskrieg, und Washington musste zuletzt bereits Zugeständnisse machen.
Stärker als gedacht: Chinas wirtschaftliche Widerstandskraft
Chinas Exporte haben sich besser gehalten als erwartet – vor allem durch eine Diversifizierung weg vom US-Markt. Zudem erzielte das Land einen Rekord-Handelsüberschuss. Gleichzeitig lockerte die US-Regierung unter Donald Trump zentrale Exportbeschränkungen – etwa beim Verkauf eines wichtigen KI-Chips von Nvidia – was in Peking als klares Zeichen für wachsenden Einfluss gewertet wird.
Zentrale Forderungen Pekings:
- Abschaffung der US-Zusatzzölle (aktuell ca. 55 %) – insbesondere jener, die mit dem Vorwurf des Fentanyl-Handels begründet werden.
- Lockerung von US-Technologie-Exportverboten, darunter Handelsrestriktionen für hunderte chinesische Firmen auf der sogenannten „Entity List“.
- Klares Bekenntnis zum Fortbestand der Handelswaffenruhe, die aktuell am 12. August ausläuft.
USA auf Gratwanderung: „Ceasefire“ oder neue Eskalation?
US-Finanzminister Scott Bessent zeigte sich vor Beginn der Gespräche optimistisch und sprach von einer „konstruktiven neuen Ebene“ im Verhältnis zu China. Eine Verlängerung des 90-tägigen „Handelsfriedens“, der zuletzt im Mai vereinbart wurde, scheint wahrscheinlich – allerdings bleibt das politische Klima volatil.
Trumps Kalkül: Druck ausüben, aber diplomatisch bleiben
Trump hat zwar zuletzt weitreichende Deals mit Großbritannien, Japan und anderen Partnern verkündet, fährt gegenüber China aber einen vorsichtigeren Kurs. Er kündigte gar eine mögliche Reise zu Staatschef Xi Jinping an.
Pekings neue Verhandlungsstrategie: Druckmittel bewusst einsetzen
Analysten betonen, dass China gelernt hat, seine wirtschaftlichen Trümpfe aktiver auszuspielen – darunter:
- Die Kontrolle über Seltene Erden und Hochleistungsmagnete (essenziell für Elektronik, E-Mobilität und Rüstung).
- Die dominierende Rolle in der Drohnen- und Batterieproduktion.
- Die Entscheidungshoheit über den möglichen TikTok-US-Spin-off, der von Peking genehmigt werden muss.
Konfliktpunkte bleiben: Russland-Öl und Geopolitik
Washington will Peking wegen seiner fortgesetzten Importe von russischem und iranischem Öl unter Druck setzen. Trump drohte bereits mit 100 %-Sekundärzöllen auf Importe aus Ländern, die weiterhin russisches Öl kaufen. China dürfte diese Drohungen allerdings kaum beeindrucken – wohl aber taktisch ausbalancieren.
Fazit:
China tritt selbstbewusst auf – und die USA müssen abwägen, wie weit sie gehen wollen. Die Gespräche in Stockholm gelten als Lackmustest für die Stabilität der Handelsbeziehungen – und als Indikator dafür, wie weit sich das globale Machtgleichgewicht bereits verschoben hat.
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