China hat seine langjährige Rolle als führender Kreditgeber Afrikas neu ausgerichtet. Laut einer aktuellen Studie der Boston University vergab die Volksrepublik zwischen 2000 und 2024 Kredite im Wert von rund 150 Milliarden Euro an 49 afrikanische Staaten. Doch 2024 gingen die Zusagen erstmals deutlich zurück – auf nur noch etwa zwei Milliarden Dollar.
Statt großflächiger Infrastrukturprojekte fokussiert sich China inzwischen auf gezielte Investitionen in ausgewählte Partnerländer wie Kenia, Angola und Ägypten. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Kenia wurde etwa am Freitag durch eine neue Partnerschaft bekräftigt. China ist dort mit rund 400 Unternehmen aktiv, bis 2030 sollen es über 1.000 werden.
Die chinesischen Investitionen verlagern sich zunehmend auf strategische Sektoren wie Energieinfrastruktur, Transport, Digitalisierung und Wasserwirtschaft. Auch die Art der Finanzierung ändert sich: Anstelle von Staatskrediten in US-Dollar werden zunehmend Investitionen in der chinesischen Währung Renminbi über lokale Banken vergeben – oft an mittelständische Unternehmen.
Zudem distanziert sich China von fossilen Energieprojekten und setzt verstärkt auf erneuerbare Energien. Die „Ära der Milliardenprojekte“ weicht einer selektiveren, risikoärmeren Vorgehensweise. Dabei bevorzugt China Länder mit bewährten Beziehungen – etwa Angola, das seit Jahren wichtigster Kreditnehmer ist.
Laut dem Analyseportal DataONE ist China inzwischen sogar „Nettoempfänger“: Seit 2014 hat es über 52 Milliarden Dollar an Zinsen zurückerhalten, mehr als es aktuell vergibt.
Parallel dazu verstärken die USA ihre wirtschaftliche Präsenz in Afrika. Über die staatliche Entwicklungsbank DFC (Development Finance Corporation) und die unter Donald Trump gestartete „BUILD“-Initiative verfolgen sie ähnliche strategische Ziele wie China – jedoch mit Fokus auf wirtschaftliche Führung und Rendite für US-Steuerzahler.
Chinas Engagement in Afrika bleibt also hoch – doch mit klarer strategischer Neujustierung.
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