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Catering-Streit beim Chemnitzer Fußball: OLG Dresden entscheidet teilweise zugunsten beider Seiten

Daniel_B_photos (CC0), Pixabay
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Im juristischen Tauziehen um Cateringrechte bei Heimspielen eines Chemnitzer Fußballvereins hat das Oberlandesgericht Dresden nun ein differenziertes Urteil gefällt.

Langjährige Zusammenarbeit mit Konfliktpotenzial

Die Klägerin belieferte den Verein bereits seit 2006 exklusiv mit Speisen und Getränken. Auch nach der Insolvenz des Clubs im Jahr 2018 blieb die Zusammenarbeit bestehen – auf Basis eines neuen, langfristigen Vertrags, der mehrfach angepasst wurde.

Brisant: Die wirtschaftliche Inhaberin der Cateringfirma war zugleich Präsidentin des Vereins. Ende 2022 eskalierten interne Konflikte. Dabei wurden unter anderem Vorwürfe laut, sie habe sich über die Cateringverträge unangemessen bereichert.

Nach ihrem Rücktritt zog die neue Vereinsführung die Reißleine – und kündigte die bestehenden Verträge fristlos. Zudem wurden keine weiteren Leistungen der Klägerin mehr angenommen.

Landgericht: Kündigungen unwirksam

Das Landgericht gab zunächst der Klägerin recht:
Die Kündigungen seien unwirksam gewesen, das Vertragsverhältnis habe fortbestanden. Für die Zeit der verweigerten Zusammenarbeit müsse der Verein Schadensersatz leisten.

OLG: Teilweise Bestätigung – aber neue Kündigung greift

Das Oberlandesgericht Dresden bestätigte diese Einschätzung grundsätzlich – zumindest für die ursprünglichen Kündigungen.

Allerdings brachte eine spätere Entwicklung die Wende:
Die Beklagte sprach im Berufungsverfahren eine erneute fristlose Kündigung aus – mit Erfolg.

Grund: Die Klägerin hatte im Prozess falsche Angaben gemacht, insbesondere zum Zeitpunkt einer schriftlichen Vertragsänderung. Dadurch sei das Vertrauensverhältnis nachhaltig zerstört worden, sodass dem Verein eine Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten sei.

Schadensersatz bleibt – Höhe offen

Trotz der wirksamen späteren Kündigung steht fest:
Für den Zeitraum bis zum 18. Oktober 2024 muss der Verein Schadensersatz leisten, da die ursprünglichen Kündigungen unwirksam waren.

Wie hoch dieser ausfällt, ist bislang noch nicht entschieden.

Fazit

Der Fall zeigt, wie schnell wirtschaftliche Verflechtungen im Profisport zu rechtlichen Konflikten führen können – und wie entscheidend Vertrauen und korrekte Angaben im Prozess sind.

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