Der Deutsche Bundestag erweitert seine Social-Media-Präsenz und will künftig auf Tiktok informieren. Ziel ist es, insbesondere jüngere Zielgruppen dort abzuholen, wo sie sich täglich aufhalten. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) sagte der dpa, es wäre „unsinnig“, das Medium nicht für Transparenz über Parlamentsarbeit zu nutzen. Zugleich räumte sie ein, Tiktok sei „in vielerlei Hinsicht nicht unproblematisch“ – verboten sei die Plattform jedoch nicht; viele Menschen informierten sich nur dort.
Warum Tiktok?
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Reichweite & Format: Kurzvideos, schnelle Erklärstücke und Live-Formate eignen sich, komplexe Abläufe im Parlament niedrigschwellig zu zeigen.
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Zugang zu neuen Gruppen: Jugendliche und junge Erwachsene konsumieren politische Inhalte zunehmend plattformbasiert und mobil.
Inhalte, die zu erwarten sind
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„Wie funktioniert der Bundestag?“ – kurze Erklärvideos zu Abstimmungen, Ausschüssen, Fraktionen, Petitionen.
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Blicke hinter die Kulissen – Tagesordnung der Sitzungswoche, Rolle des Plenardienstes, Besucherdienste.
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Aktuelle Debatten – neutrale Zusammenfassungen, was beschlossen wurde und was als Nächstes ansteht.
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Service & Bildung – Angebote für Schulen, Planspiele, Hinweise auf Livestreams/Medienmediathek.
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Barrierearm – Untertitel, klare Visuals, Links zu vertiefenden Infos auf bundestag.de.
Redaktionelle Leitplanken
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Neutralität: Keine Wahlwerbung, keine Parteinahme – der Kanal repräsentiert das Parlament als Institution.
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Faktencheck & Quellen: Verweise auf amtliche Dokumente, Drucksachen, Plenarprotokolle.
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Kommentarregeln: Klare Netiquette, Moderation gegen Hate Speech, Spam und Desinformation.
Der heikle Teil: Datenschutz & Plattformrisiken
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Datenschutzbedenken (Tracking, Profilbildung) und Geopolitik sind bekannte Streitpunkte.
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Abwägung: Sichtbarkeit vs. Risiko – Klöckners Linie: informieren, solange rechtlich zulässig; transparent über Datenverarbeitung aufklären und interne Sicherheitsvorkehrungen hochhalten.
Organisation & Erfolgskriterien (was sinnvoll ist)
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Klarer Redaktionsplan (z. B. Sitzungswochen stärker bespielen, Reaktionsformate bei Beschlüssen).
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Messbare Ziele: Reichweite, Watch-Time, Interaktionen, Klicks auf weiterführende Infos.
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Regelmäßige Evaluation: Was funktioniert, was muss angepasst werden? Kooperation mit Öffentlichkeitsarbeit/ Besucherdienst/ Wissenschaftlichen Diensten.
Einordnung
Der Schritt folgt einem internationalen Trend: Parlamente und Behörden nutzen Plattformen, um Transparenz zu erhöhen und politische Bildung dort anzubieten, wo Aufmerksamkeit ist. Die Herausforderung bleibt, Seriosität und Plattformlogik zu vereinen – informativ, knapp und ohne Vereinfachung ins Populistische.
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