Nach fünf Wochen Streik haben sich Boeing Defense und die Gewerkschaft der Maschinenbauer (IAM District 837) auf einen vorläufigen Tarifvertrag geeinigt. Das gaben Gewerkschaftsvertreter am Mittwoch bekannt.
Eine Abstimmung über das neue fünfjährige Vertragsangebot ist für Freitag angesetzt. Rund 3.200 Gewerkschaftsmitglieder, die bei Boeing Kampfjets wie die F-15 und F/A-18 montieren, waren seit dem 4. August im Ausstand, nachdem sie ein früheres Angebot mit 67 % abgelehnt hatten.
Inhalte des neuen Angebots
Laut Boeing umfasst das neue Angebot:
-
24 % allgemeine Lohnerhöhung über fünf Jahre
-
4.000 US-Dollar einmalige Prämie zur Vertragsannahme
-
Insgesamt 45 % durchschnittliche Einkommenssteigerung, so Boeing
Das vorherige Angebot sah eine vierjährige Laufzeit mit 20 % Lohnplus und einer 5.000-Dollar-Prämie vor – also leicht bessere Sofortkonditionen, aber geringere Gesamtlaufzeit.
„Sie haben nicht wirklich mehr geboten – sie haben es nur um ein Jahr verlängert“, sagte Gewerkschaftsmitglied Brandon Thiel, der am F-15-Programm arbeitet. Er sei noch unentschlossen, wie er abstimmen werde, vermute jedoch, dass viele Kollegen dagegen stimmen könnten.
Hintergrund: Inflation und Lohnentwicklung
Thiel kritisiert, dass seine bisherigen Lohnerhöhungen in sieben Jahren bei Boeing durch die Lebenshaltungskostensteigerung praktisch aufgezehrt worden seien.
„Wir wollen einfach ein Leben führen können, ohne täglich unter Stress zu stehen.“
Vergleich mit anderen Streiks
Ein ähnlicher Streik bei IAM District 751 in Washington und Oregon endete kürzlich mit einem 38 % Lohnplus und einer 12.000-Dollar-Prämie – ein deutlich besseres Ergebnis als in St. Louis.
Verlauf der Verhandlungen
Die Gespräche mit einem Bundesmediator blieben zunächst erfolglos. Erst nach Wiederaufnahme der Verhandlungen am Dienstagabend wurde am Mittwoch eine Einigung erzielt.
Falls die Mitglieder dem neuen Vertrag zustimmen, könnten die Arbeiter am Montagabend zurückkehren. Die Produktion wäre laut Boeing-Vizepräsident Dan Gillian innerhalb einer Woche wieder auf Normalniveau.
Während des Streiks hielten nicht gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter die Produktion aufrecht, jedoch mit verzögerten Abläufen in einigen Programmen. Boeing kündigte am 4. September an, Ersatzkräfte einzustellen – eine Maßnahme, die nun möglicherweise hinfällig wird.
„Ich bin überzeugt, dass dieses Angebot fair ist“, sagte Gillian. Es enthalte sogar jährliche Lohnsteigerungen für Mitarbeiter an der obersten Gehaltsstufe – ein seltener Bonus in der Branche.
Kommentar hinterlassen