Der Deutsche Bauernverband (DBV) stellt heute in Berlin seine Erntebilanz für das Jahr 2025 vor. Nach ersten Einschätzungen der Landesbauernverbände liegt die Getreideernte insgesamt leicht über dem Vorjahresniveau. Damit konnte die Landwirtschaft trotz herausfordernder Witterungsbedingungen ein stabiles Ergebnis erzielen.
Ertragslage: Mehr Menge, aber nicht überall gleichermaßen
Deutschlandweit wird von einer Erntemenge von rund 43 Millionen Tonnen Getreide ausgegangen. Besonders bei Gerste und Roggen fiel die Ernte erfreulich aus. Auch Raps konnte mit stabilen Erträgen punkten. Schwieriger war es hingegen beim Weizen, dem wichtigsten Brotgetreide: Zwar wurden gute Mengen eingefahren, doch die Qualität dürfte vielerorts nicht den Anforderungen der Mühlen entsprechen.
Qualitätsprobleme beim Weizen
Grund für die Qualitätsprobleme ist das Wetter in den Sommermonaten: Nach einem trockenen Frühjahr mit guter Blütezeit folgten wochenlange Regenperioden im Juli und August. Feuchtigkeit kurz vor und während der Ernte verschlechtert die Backeigenschaften des Weizens erheblich. Schon jetzt rechnen Händler und Verarbeiter damit, dass ein erheblicher Teil der Weizenernte nicht als Brotweizen, sondern lediglich als Futtergetreide vermarktet werden kann.
Klimawandel zeigt deutliche Spuren
Der Bauernverband will die Erntebilanz auch nutzen, um auf die Folgen des Klimawandels hinzuweisen. Die zunehmende Häufigkeit von Wetterextremen – vom trockenen Frühjahr über Starkregen bis hin zu regionalen Hagelereignissen – habe die Landwirtschaft erneut vor große Herausforderungen gestellt. „Die diesjährige Ernte ist ein Spiegelbild der Klimarisiken, denen unsere Betriebe ausgesetzt sind“, erklärte DBV-Präsident Joachim Rukwied im Vorfeld.
Düngeregeln und Pflanzenschutz belasten die Erträge
Neben den klimatischen Faktoren macht der Verband auch die strengen Dünge- und Pflanzenschutzvorgaben für sinkende Erträge verantwortlich. Viele Landwirte sehen darin eine zunehmende Gefährdung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Der Bauernverband will deshalb eine Diskussion über praxisgerechte Anpassungen der Düngemittelverordnung anstoßen.
Importabhängigkeit nimmt zu
Die Folgen der schwierigen Erntebedingungen sind nicht nur für Landwirte spürbar. Schon seit Jahren ist Deutschland auf Importe von Brotweizen und Braugerste angewiesen. Sollte sich die Qualität des heimischen Getreides weiter verschlechtern, könnte diese Abhängigkeit noch zunehmen – mit Folgen für Preise und Versorgungssicherheit.
Politische Botschaften erwartet
Traditionell nutzt der Bauernverband die Vorstellung seiner Bilanz, um Forderungen an Politik und Gesellschaft zu richten. Erwartet werden heute Appelle für:
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mehr Forschung und Innovation bei klimaangepassten Anbaumethoden,
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eine stärkere Förderung regionaler Wertschöpfungsketten,
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sowie eine faire Entlohnung der Landwirte entlang der Lebensmittelkette.
Fazit
Unterm Strich zeigt die Erntebilanz 2025 ein gemischtes Bild: Die Mengen sind stabil, aber die Qualität leidet – ein Trend, der in den letzten Jahren immer häufiger auftritt. Der Bauernverband sieht darin einen klaren Handlungsauftrag für Politik und Wirtschaft, um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft zu sichern.
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