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„Baby auf Bestellung?“ – Hamburger Anwalt warnt vor gefährlichem Boom bei Leihmutterschaften im Ausland

RitaE (CC0), Pixabay
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Ein eigenes Kind zu bekommen, ist für viele Menschen ein Lebenstraum – doch für manche wird daraus ein millionenschweres Geschäft. Der internationale Markt für Leihmutterschaft boomt, und das mit fragwürdigen Methoden, rechtlichen Grauzonen und menschlichen Tragödien im Hintergrund. Laut Schätzungen wurden allein im Jahr 2024 weltweit rund 19 Milliarden Euro in dieser Branche umgesetzt – Tendenz weiter steigend.

Doch während die Nachfrage wächst, bleibt die rechtliche Lage undurchsichtig. In vielen Ländern fehlen klare Regeln, internationale Standards existieren praktisch nicht. Das hat zur Folge, dass Leihmütter – oft aus ärmeren Ländern – massiv ausgebeutet werden, während verzweifelte Paare hohe Summen zahlen, ohne rechtliche Sicherheit über das eigene Kind zu haben.

⚖️ Hamburger Anwalt schlägt Alarm

Der Hamburger Rechtsanwalt Marco Oldenburger, spezialisiert auf Familienrecht und internationale Leihmutterschaftsfälle, warnt eindringlich vor unüberlegten Entscheidungen. Er nennt sich selbst eine „rechtliche Hebamme“, weil er Paare juristisch begleitet, die im Ausland ein Kind über Leihmutterschaft bekommen wollen. Doch was auf den ersten Blick nach Hoffnung klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen oft als rechtliches Minenfeld.

„Es gibt Agenturen, die versprechen, dass sich der Kinderwunsch zu 100 Prozent erfüllen lässt. Das ist unseriös – niemand kann so etwas garantieren“, sagt Oldenburger.

Er kritisiert insbesondere das aggressive Geschäftsmodell mancher Vermittler, die mit emotionalen Botschaften werben, aber weder Transparenz noch rechtliche Verantwortung übernehmen.

🌍 Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Agenturen sitzen oft in Ländern wie Georgien, der Ukraine, Mexiko oder den USA, wo Leihmutterschaft unter bestimmten Bedingungen erlaubt ist. Doch viele Paare aus Deutschland übersehen, dass die Geburt eines Kindes im Ausland nicht automatisch zur rechtlichen Elternschaft in Deutschland führt.

„Das Kind kann in Deutschland zunächst als rechtlich elternlos gelten“, erklärt Oldenburger. „Die Anerkennung der Elternschaft ist kompliziert und in manchen Fällen sogar unmöglich – vor allem, wenn es in dem Land keine eindeutigen Gesetze gibt.“

Zudem werden in einigen Ländern arme Frauen systematisch als Leihmütter rekrutiert, oft gegen geringe Bezahlung und ohne ausreichende medizinische Absicherung.

🚫 Ein rechtliches Vakuum in Deutschland

In Deutschland ist Leihmutterschaft grundsätzlich verboten. Das Embryonenschutzgesetz untersagt medizinisches Personal, an solchen Verfahren mitzuwirken. Dennoch umgehen viele Paare dieses Verbot, indem sie ins Ausland ausweichen.

Oldenburger fordert deshalb eine klare, moderne Gesetzgebung, die das Thema Leihmutterschaft offen regelt – statt es weiterhin in rechtliche Schattenzonen zu verbannen.

„Das Verbot in Deutschland führt nicht dazu, dass Leihmutterschaften verhindert werden – sie finden einfach anderswo statt. Aber ohne Kontrolle und ohne Schutz für irgendjemanden“, so der Anwalt.

👶 Zwischen Hoffnung und Ausbeutung

Für viele Paare bleibt die Leihmutterschaft die letzte Chance auf ein eigenes Kind – und sie sind bereit, alles dafür zu riskieren. Doch laut Oldenburger ist genau das das Problem: „In dieser emotionalen Ausnahmesituation sind Menschen besonders anfällig für falsche Versprechungen. Es gibt Agenturen, die das schamlos ausnutzen.“

Er fordert eine europäische Regulierung, um einheitliche Standards zu schaffen – sowohl für Paare als auch für Leihmütter. Nur so könne verhindert werden, dass aus einem Kinderwunsch ein internationales Geschäft mit menschlichem Leid wird.

💬 Fazit: Zwischen Lebensglück und legaler Grauzone

Der Markt für Leihmutterschaft wächst – und mit ihm die Zahl der rechtlichen und ethischen Konflikte. Für Rechtsanwalt Marco Oldenburger steht fest:

„Wir brauchen Gesetze, die den Kinderwunsch ermöglichen, aber gleichzeitig Menschlichkeit und Würde schützen. Denn Kinder sollten keine Handelsware sein – egal, wie groß der Wunsch nach Familie ist.“

Deutschland, so Oldenburger, könne sich der Realität nicht länger verschließen. Doch bevor der Staat Gesetze ändert, müssen Politik und Gesellschaft eine unbequeme Frage beantworten: Wie viel Geschäft darf in einem Wunder des Lebens stecken?

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