Die Zahlen klingen gewaltig – doch der Blick ins Detail relativiert die Erfolgsmeldungen der US-Regierung deutlich. Präsident Donald Trump preist sein milliardenschweres Programm zur „freiwilligen Ausreise“ von Migranten als zentralen Baustein seiner Migrationspolitik. Internen Daten zufolge fällt die Bilanz jedoch deutlich bescheidener aus.
Demnach haben bislang rund 72.000 Menschen das Programm genutzt, um die USA zu verlassen. Das geht aus einem internen Dokument des Heimatschutzministeriums hervor. Die Regierung hingegen verweist auf insgesamt 2,2 Millionen Menschen, die sich selbst abgeschoben hätten – eine Zahl, die auch viele umfasst, die unabhängig von staatlichen Anreizen ausgereist sein dürften.
Das Programm mit dem Namen „Project Homecoming“ setzt auf finanzielle Anreize: Migranten erhalten bis zu 2.600 Dollar sowie einen kostenlosen Flug in ihr Herkunftsland. Über eine App können sie ihre Ausreise organisieren. Die Regierung argumentiert, dies sei deutlich günstiger als klassische Abschiebungen.
Doch die Zahlen werfen Fragen auf. Ein großer Teil der Teilnehmer – mehr als die Hälfte – befand sich bereits in Abschiebehaft. Kritiker zweifeln daher, ob das Programm tatsächlich neue Anreize schafft oder lediglich bestehende Prozesse umetikettiert.
„Viele dieser Menschen wären vermutlich ohnehin gegangen“, sagt der Migrationsexperte David Bier. Freiwillige Ausreisen habe es schon immer gegeben – bislang ohne Kosten für den Staat.
Tatsächlich zeigen auch andere Daten einen Anstieg sogenannter freiwilliger Ausreisen: Mehr als 35.000 entsprechende Verfahren wurden im Haushaltsjahr 2025 abgeschlossen – ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr. Ob und wie stark das neue Programm dazu beigetragen hat, bleibt unklar.
Hinzu kommt mangelnde Transparenz. Detaillierte Zahlen zur Nutzung der App oder zur tatsächlichen Wirksamkeit veröffentlicht das Heimatschutzministerium bislang kaum. Selbst politische Verbündete fordern mehr Offenheit.
Für Betroffene ist die Entscheidung oft weniger freiwillig, als es der Name suggeriert. Anwälte berichten von wachsendem Druck: Migranten müssten zwischen langwieriger Haft, teuren Gerichtsverfahren oder einer geförderten Ausreise wählen – oft ohne die langfristigen Konsequenzen vollständig zu verstehen, etwa mögliche Wiedereinreisesperren.
Einige berichten dennoch von pragmatischen Lösungen: Familien, die durch Abschiebungen getrennt wurden, nutzen das Programm, um gemeinsam auszureisen. Andere schätzen die finanzielle Unterstützung.
Doch politisch bleibt das Programm ambivalent. Es passt in Trumps harte Migrationslinie – wirft aber zugleich die Frage auf, ob teure Anreize nötig sind, um etwas zu erreichen, das ohnehin geschieht.
Oder anders gesagt: Der Erfolg ist messbar – aber möglicherweise kleiner, als es die Regierung glauben machen will.
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