Die Bürger-Windpark Großenaspe GmbH & Co. KG ist ein 2013 gegründetes Unternehmen, das fünf Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 10 MW betreibt. Der Jahresabschluss für 2023 zeigt die wirtschaftlichen Auswirkungen der verspäteten Inbetriebnahme der Windkraftanlagen sowie die damit verbundenen Finanzierungsstrukturen. Nachfolgend eine detaillierte Analyse aus Sicht eines Anlegers.
1. Vermögenslage (Bilanz – Aktiva)
Die Bilanzsumme ist von 16,79 Mio. EUR (2022) auf 22,86 Mio. EUR (2023) gestiegen, was einem Zuwachs von 36,2 % entspricht.
- Anlagevermögen:
- Erhöhung von 14,64 Mio. EUR (2022) auf 21,59 Mio. EUR (2023), da die Windkraftanlagen im Oktober 2023 fertiggestellt und aktiviert wurden.
- Anlagen im Bau wurden in technische Anlagen umgegliedert, was die planmäßige Fertigstellung der Investitionen bestätigt.
- Der Anteil des Anlagevermögens beträgt nun 95 % der Bilanzsumme, was typisch für ein kapitalintensives Geschäftsmodell ist.
- Umlaufvermögen:
- Rückgang von 2,15 Mio. EUR (2022) auf 1,26 Mio. EUR (2023).
- Der größte Teil davon sind Forderungen aus Einspeisevergütungen und Marktprämien, die sich durch die späte Inbetriebnahme erst in den letzten Monaten des Jahres gebildet haben.
- Liquide Mittel (Bankguthaben) bleiben mit 192 TEUR relativ niedrig, was auf eine starke Mittelverwendung hinweist.
🔍 Bewertung für Anleger:
Die Zunahme des Anlagevermögens ist ein positives Zeichen für die vollständige Inbetriebnahme der Anlagen. Die niedrigen liquiden Mittel könnten jedoch darauf hindeuten, dass der Windpark kaum Puffer für unvorhergesehene Ausgaben hat.
2. Kapital- und Finanzierungsstruktur (Bilanz – Passiva)
- Eigenkapital:
- Geringer Rückgang von 3,32 Mio. EUR (2022) auf 3,29 Mio. EUR (2023).
- Dies bedeutet eine Eigenkapitalquote von 14,4 % (VJ.: 20 %) – ein Rückgang, der auf die höhere Fremdfinanzierung zurückzuführen ist.
- Verbindlichkeiten:
- Starker Anstieg von 13,43 Mio. EUR (2022) auf 18,63 Mio. EUR (2023), hauptsächlich durch die Finanzierung der Windkraftanlagen.
- Darlehensverbindlichkeiten gegenüber Banken machen 18,14 Mio. EUR aus, was eine hohe Verschuldung bedeutet.
- Langfristige Zinssicherheit besteht nur für 12 Mio. EUR über 20 Jahre und 6,3 Mio. EUR über 10 Jahre – danach besteht ein Zinsrisiko.
- Rückstellungen:
- Erhöhung von 38 TEUR auf 941 TEUR, hauptsächlich für Wartung und betriebliche Verpflichtungen.
🔍 Bewertung für Anleger:
Die hohe Fremdfinanzierung bedeutet eine Abhängigkeit von stabilen Einnahmen, um die Kredite zu bedienen. Die sinkende Eigenkapitalquote deutet auf eine hohe Verschuldung hin, was das Risiko für Anleger erhöht.
3. Ertragslage (Gewinn- und Verlustrechnung)
- Umsatzerlöse aus Einspeisevergütungen und Marktprämien: 1,23 Mio. EUR (2023) → erstmals Einnahmen nach Inbetriebnahme.
- Sonstige Erträge: 596 TEUR durch Schadensersatzzahlungen wegen Bauverzögerungen.
- Materialaufwand: 203 TEUR, hauptsächlich für externe Dienstleistungen.
- Hohe Abschreibungen: 341 TEUR, da die Anlagen nun aktiv genutzt werden.
- Zinsaufwand: 432 TEUR, durch die gestiegene Fremdfinanzierung.
- Jahresfehlbetrag: -26 TEUR (Vorjahr: -374 TEUR), dank Schadensersatz geringer als erwartet.
🔍 Bewertung für Anleger:
Das Unternehmen hat erstmals Einnahmen generiert, aber die hohen Fixkosten und Zinsen führen weiterhin zu einem negativen Ergebnis. Ab 2024 wird ein stabiler Cashflow erwartet, allerdings mit weiteren bilanziellen Verlusten durch Abschreibungen.
4. Ausschüttungspolitik und Vergütungen
- Keine Ausschüttungen oder Bilanzgewinne, da Verluste bestehen.
- Gesamtvergütung an Führungskräfte: 48 TEUR, was moderat ist.
- Generalunternehmer (Dr. Lüth GmbH) erhielt Zahlungen in Höhe von 6,75 Mio. EUR für den Bau der Windkraftanlagen.
🔍 Bewertung für Anleger:
Für Investoren, die auf kurzfristige Ausschüttungen hoffen, ist das Unternehmen derzeit nicht attraktiv. Langfristig könnten ab 2025/26 Ausschüttungen möglich sein, wenn sich die Gewinne stabilisieren.
5. Chancen und Risiken
- Chancen:
- Vergütung durch das EEG für 20 Jahre gesichert (5,92 Cent/kWh).
- Möglicher Wechsel zur Direktvermarktung mit höheren Strompreisen in der Zukunft.
- Volllastfähigkeit wird ab 2024 erreicht, was zu stabilen Einnahmen führt.
- Risiken:
- Zinsrisiko ab 2032, da 6,3 Mio. EUR an Krediten nur für 10 Jahre fest verzinst sind.
- Kostensteigerung im Wartungsvertrag nach Ablauf der ersten fünf Jahre.
- Hohe Fixkosten durch Finanzierung und Betrieb, die konstante Einnahmen erfordern.
6. Fazit: Lohnt sich ein Investment?
✅ Positiv:
✔️ Die Windkraftanlagen sind nun vollständig in Betrieb.
✔️ Langfristige Einspeisevergütung über 20 Jahre gesichert.
✔️ Stabilisierung des Cashflows ab 2024 möglich.
⚠️ Negativ:
❌ Hohe Verschuldung (18,14 Mio. EUR), was das finanzielle Risiko erhöht.
❌ Eigenkapitalquote gesunken (14,4 % → anfällig für Marktschwankungen).
❌ Weiterhin Verluste durch hohe Abschreibungen und Zinskosten.
🔎 Gesamtbewertung aus Anlegersicht:
Der Bürger-Windpark Großenaspe befindet sich in einer Übergangsphase von der Investitions- zur Betriebsphase. Ab 2024 werden stabile Einnahmen erwartet, aber durch hohe Fremdfinanzierung und Fixkosten könnte es noch einige Jahre dauern, bis Gewinne ausgeschüttet werden. Für langfristig orientierte Anleger mit hoher Risikobereitschaft könnte dies eine Chance sein, während kurzfristige Investoren eher Abstand nehmen sollten.
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