Wo früher Staatsgäste eintraten und First Ladies Teekränzchen hielten, klafft nun ein gähnendes Loch: Der Ostflügel des Weißen Hauses ist Geschichte – und das nicht etwa wegen Termiten, sondern weil Donald Trump Platz braucht. Für einen Ballsaal. Natürlich.
Nach nur drei Tagen war der Flügel Geschichte – schneller weg als ein Tweet von Trumps altem Twitter-Account. Während Bagger wüteten, versuchte das Weiße Haus offenbar, Schaulustige und Journalisten auf Abstand zu halten. Wer trotzdem ein Foto machte, riskierte, versehentlich auf Trumps Golfplatz recycelt zu werden – dort landet nämlich der Schutt. Mülltrennung auf Präsidentenniveau.
Von „Modernisierung“ war die Rede
Offiziell ist die Rede von einer „exquisiten Modernisierung“ – inoffiziell sagen selbst einige Republikaner: „Moment, der Flügel sollte doch eigentlich stehen bleiben?“ Tja. Pläne ändern sich. Besonders, wenn sie Trump macht.
Der neue Ballsaal soll rund 8.000 Quadratmeter groß werden, was ihn in etwa zur Größe eines mittleren Flughafenterminals macht. Preis: 300 Millionen Dollar – oder wie Trump es nennt: „ein Schnäppchen“. Platz für 1.000 Gäste, Marmorböden, Goldverzierungen und ein Kronleuchter, der wahrscheinlich in Texas mit eigener Postleitzahl angemeldet werden muss.
Pomp statt Protokoll
Der Architekt? Ein Spezialist für katholische Kirchen. Der Stil? „Neoklassizistisch mit einem Hauch Versailles“. Kritiker nennen es eher „Mar-a-Lago auf Staatskosten“. Trump, so hört man, liebäugelt auch mit einem Triumphbogen. Und einem Springbrunnen, der Champagne sprüht – das ist aber noch nicht bestätigt.
Kritik? Gibt’s. Trump? Juckt’s nicht.
Denkmalpfleger, Historiker und eine Mehrheit der US-Bevölkerung (laut Umfrage 53 %) sind not amused. Der Ostflügel war historisch bedeutend, wurde 1902 unter Roosevelt gebaut, beherbergte First-Lady-Büros, einen Kinosaal – und, ach ja, den Bunker, in dem Regierungsoffizielle bei Terroranschlägen Schutz suchten. Jetzt: weg. Dafür kommt eine Lobby mit Brücke. Vielleicht mit Rolltreppe.
Trump sagt, das neue Bauwerk sei dringend nötig, weil man auf dem Rasen „nicht mehr feiern kann, ohne dass jemand im Matsch versinkt“. Besonders ärgerlich seien die mobilen Toiletten gewesen. „Nicht würdig für einen König – äh, Präsidenten“, heißt es aus seinem Umfeld.
Gold glänzt besser als Geschichte
Das Ganze erinnert weniger an eine Präsidentschaft, als an eine Reality-Show mit Baugenehmigung. Historiker sprechen von einem „Verlust lebendiger Geschichte“. Trump spricht von „mehr Platz für meine Freunde – und ihre Freunde – und deren Freunde“.
Ob der Ballsaal bis 2029 fertig wird, ist offen. Sicher ist nur: Das Weiße Haus wird nie mehr dasselbe sein. Aber hey – dafür glitzert’s jetzt.
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