Deutschland steht am Rande einer Kakao-Krise. Nicht wegen eines Weltmarktpreises oder eines Kakaobohnen-Streiks, sondern weil ein Klassiker der Süßwarenabteilung nun offiziell in die Kategorie „Mogelpackung mit Alpenpanorama“ fällt: Die Milka-Tafel wiegt nur noch 90 Gramm – aber die Verpackung sieht aus wie immer. Nur der Inhalt ist auf Diät.
Die Verbraucherzentrale Hamburg nennt das, was der Schokoladenriese Mondelez da tut, ganz unfeierlich „unlauteren Wettbewerb“. Und weil man in Deutschland gegen alles klagen kann, was keine ordentliche DIN-Norm hat, geht’s jetzt vor Gericht. Das Schlachtfeld? Das Landgericht Bremen. Die Waffe? Die Lupe. Denn nur damit erkennt man die neue Grammangabe, die sich irgendwo zwischen Lila-Kuh und Alpenglühen versteckt.
„Ein Millimeter dünner“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale, „aber dafür gefühlt 10 % dreister.“
Laut Mondelez sei alles „transparent“ – schließlich stehe das neue Gewicht ja deutlich auf der Verpackung. Klar – direkt neben dem Hinweis „jetzt noch luftiger“ und unter der Lasche, die der Regalboden genau in Augenhöhe verdeckt. Aber keine Sorge: Man hat es natürlich auch auf Instagram gepostet. Weil dort bekanntlich alle Rentner mit Sehschwäche ihre Lebensmitteleinkäufe planen.
🍫 Die große Kakao-Verschwörung?
Der Grund für die Schrumpfung sei übrigens nicht Raffgier, sondern Notwehr, erklärt die Milka-Mutter Mondelez. Denn der Kakao sei „so teuer wie nie“, fast dreimal so teuer wie früher. Offenbar ist der Rohstoff mittlerweile wertvoller als Gold – man munkelt, in Frankfurt werden erste Sparkonten in Kakaopulver umgewandelt.
„Wir mussten das Gewicht reduzieren, um die Qualität zu sichern“, so die Sprecherin. Die gute Nachricht: Der Geschmack ist geblieben. Die schlechte: Nur 90 % davon.
⚖️ Die Justiz: bitter statt süß
Nun liegt die zartschmelzende Wahrheit beim Landgericht Bremen. Dort darf Mondelez demnächst erklären, wie „deutlich sichtbar“ eine Grammzahl sein muss, um nicht als optische Täuschung durchzugehen. Denkbar ist auch eine mündliche Verhandlung – wobei man hofft, dass dort keine Schokolade serviert wird, denn wer will schon 90 Gramm Enttäuschung?
Die Verbraucherzentrale fordert jedenfalls gesetzliche Änderungen. Für mindestens sechs Monate soll künftig ein Warnhinweis auf Verpackungen kleben, wenn der Inhalt kleiner wird – am besten in der Größe eines durchschnittlichen Wahlplakats.
„Mehr Luft, weniger Schokolade“ – das könnte dann draufstehen. Oder: „Jetzt mit dem Geschmack von früher, aber ohne die Grammzahl.“
Fazit:
Milka hat abgenommen – und die Verbraucher nehmen es ihr übel.
Wer dachte, es gibt keine kleinen Sünden mehr, hat noch nie versucht, eine Tafel zu teilen, die auf mysteriöse Weise plötzlich drei Stückchen weniger hat.
Ob der Rechtsstaat den Schoko-Schwund stoppen kann? Vielleicht. Aber bis dahin bleibt nur eins: Süßigkeiten abwiegen – und Vertrauen verlieren.
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