Von unserem Sonderkorrespondenten für Sonneninseln mit Schattenseiten
Kaum hatte Zypern feierlich den EU-Ratsvorsitz übernommen, da lieferte die Insel prompt ein europäisches Lehrstück in Sachen Bananenrepublik deluxe. In nur wenigen Tagen sammelte die Mittelmeerinsel mehr Schlagzeilen als Sonnenstunden: Ein dubioses Video mit mutmaßlich geldzählenden Politikern, zwei tote Russen mit Geheimdienst-Flair und ein Oligarch, der sich offenbar in der Ferienidylle aufgelöst hat wie ein Zuckerwürfel in einem schlecht gemixten Mojito.
Tote Russen und lebendige Gerüchte
Alles begann mit dem plötzlichen Verschwinden von Wladislaw Baumgertner, einem russischen Düngemittel-Tycoon, der 2013 in Belarus wegen Millionenbetrugs festgenommen und später in Russland freigesprochen wurde – natürlich rein zufällig durch ein Gericht mit Nähe zum Kreml. Jahre später hatte er sein Herz (und vermutlich auch sein Geld) an Zypern verloren. Nun wurde seine Leiche an der Südküste gefunden – passend dekoriert zum geopolitischen Krimi, der derzeit auf der Insel aufgeführt wird.
Doch Baumgertner war nicht der einzige Russe, der den Jahresbeginn nicht überlebte: Nur wenige Tage zuvor beging ein gewisser Alexej Panow, laut Experten ein Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU, ganz diskret Selbstmord im eigenen Büro – wobei „diskret“ hier bedeutet: Kein Zutritt für zypriotische Behörden, kein Abschiedsbrief, kein Kommentar außer „persönliche Tragödie“ auf Facebook. Wahrscheinlich das erste Mal, dass ein Geheimdienstler zu viel durchsickern ließ.
Video zeigt: Cash regiert das Inselparadies
Gerade als man dachte, mehr Drama sei unmöglich, tauchte ein Video auf, das offenbar im Büro eines Zyprioten mit zu viel Freizeit und zu wenig Skrupel aufgenommen wurde. Es zeigt verschiedene Figuren aus dem engsten Zirkel von Präsident Nikos Christodoulidis, wie sie recht offen über „Bargeldbedarf“ im Wahlkampf sprechen.
Motto: Wenn die Spenden-Obergrenze erreicht ist, helfen halt Umschläge – oder Koffer.
Zu sehen:
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Ein Ex-Energieminister, der erklärt, warum man nicht auf Überweisungen warten kann.
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Ein Präsidialamtsleiter, der nicht nur zufällig der Schwager des Präsidenten ist, sondern offenbar auch den Schlüssel zum „VIP-Eingang“ ins Regierungsgebäude besitzt.
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Ein Unternehmer, der suggeriert, der Präsident sei buchbar wie ein 5-Sterne-Hotel – mit garantierter Expressabwicklung für Investitionen.
Besonders kreativ: Auch die Wohltätigkeitsorganisation der First Lady taucht im Kontext von Spenden auf. Ob da wohl ein Euro mehr ins Kinderheim oder ins Cayman-Konto floss, ist noch unklar.
Aufklärung à la Zypern: Rücktritt, Ablenkung, Russland
Die offizielle Reaktion: Abwiegeln mit Anstand. Der Schwager/Amtsleiter tritt zurück – nicht aus Schuld, sondern aus Stilgefühl, versteht sich. Die Präsidentengattin lässt ihre karitative Ader ruhen – vermutlich bis zur nächsten Gala.
Und der Präsident selbst? Christodoulidis beteuert, er habe eine „saubere Weste“. Nur leider klebt an dieser Weste jetzt ein Etikett mit der Aufschrift „Handwäsche, kalt, nicht öffentlich verhandeln“.
In einem meisterhaften Schachzug der Krisenkommunikation deutet die Regierung an, das Video könne eine „hybride Operation aus dem Ausland“ sein – also eine Art russisches TikTok-Special.
Ironie des Schicksals: Just das Russland, das früher als freundlicher Investor willkommen war, ist nun verdächtig, mit Informationskrieg zurückzuschlagen. Man kennt sich halt.
Fazit: Sonne, Strand und Staatsaffären
Zypern demonstriert eindrucksvoll, wie man aus einem EU-Vorsitz ein geopolitisches Kammerspiel mit Oligarchen, Korruption und Geheimdiensten macht.
Ob es dabei am Ende um Macht, Geld oder nur um zu wenig Brandschutz geht – das bleibt offen.
Fest steht:
Zypern liefert.
Nur leider keine Antworten. Noch nicht.
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