„Steve Rotten-berg, dieser BBC-Typ sieht aus wie ein kackendes Eichhörnchen!“ – Wenn russische Staats-TV-Moderatoren wie Wladimir Solowjow gegen die BBC und speziell Steve Rosenberg austeilen, dann wird’s absurd. Und ernst. Denn als ausländischer Korrespondent in Moskau fühlt sich Berichterstattung zunehmend wie ein Drahtseilakt über einem Minenfeld an.
Rosenberg lebt und arbeitet seit über 30 Jahren in Russland. Aus Liebe zur Sprache, Kultur und Musik zog es ihn als junger Student aus Leeds nach Moskau. Heute berichtet er für die BBC unter immer schwieriger werdenden Bedingungen: Journalist:innen westlicher Medien gelten als „unfreundlich“, Akkreditierungen müssen alle drei Monate erneuert werden, Interviews sind schwer zu bekommen – viele Menschen fürchten die Konsequenzen.
Nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist das Land kaum wiederzuerkennen. Kritische Stimmen werden unterdrückt, Medien zensiert, westliche Plattformen gesperrt. Dennoch bleibt Rosenberg – und stellt sogar gelegentlich Präsident Putin direkt Fragen. Dessen Antworten geben Einblick in ein Weltbild, das von tiefem Groll gegenüber dem Westen geprägt ist.
Während sich Russland über die Jahre außenpolitisch zunehmend isolierte, gab es einst andere Zeiten: 1997 trat Rosenberg noch in einer russischen Comedyshow auf und sang britische Lieder. Damals träumte man vom gemeinsamen „Tandem-Fahrrad“ zwischen Russland und dem Westen. Heute bleibt von diesem Traum wenig.
Doch trotz offizieller Feindseligkeit erlebt Rosenberg auch Menschlichkeit: Passanten in Moskau danken ihm, wollen Selfies – kurz nach dem „Eichhörnchen“-Eklat. Russland ist wie sein Wappentier, der Doppeladler: Ein Kopf schimpft, der andere reicht die Hand.
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